ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1020

Der, die, das, WiWo, weshalb, warum? Wer nichts mac(ht) bleibt dumm!

Nix-Checker-Analyse des iMacs in der Wirtschaftswoche

Autor: rw - Datum: 14.01.2002

Oha, liebe Leser, man sollte niemals nie sagen. Dachte ich mir noch diese Tage, der Tieffliegerbericht des Jahres zur Keynote wäre die Stein-gewordene Vorstellung des neuen iMacs im Spiegel der Presse, so muß ich nun zur Kenntnis nehmen, daß es doch dreister geht. Man nehme die Print-Ausgabe der neuesten Wirtschaftswoche zur Hand, schlage Seite 56 auf und kasteie sich mit dem, was dort verdruckt worden ist zum Thema neuer iMac und Apples Überlebenschancen auf dem Markt. Denn Schmerzen der zu erduldenden Halbwahrheiten und schlichter Inkompetenz in Sachen Mac erwarten dort Jeden, der sich nur halbwegs mit dem gesündesten Kernobst seit es Rechner gibt, beschäftigt hat. Die Verantwortung zeichnenden Autoren Erich Bonnert und Steffen Range verhackstückeln denn auch im Doppelpack ein Zerrbild, daß vom erwähnten Tieffliegerprinzip her betrachtet, sich schon unterhalb der Grasnabe wiederfindet. Gleich im ersten Satz ihres Beitrages bezeugen sie ihr absolutes Interesse an der Keynote. "Was Steve Jobs zu sagen hatte, wollte niemand hören." Na also, das nennt man doch einmal seine Meinung kurz und bündig auf den Punkt gebracht und nebenbei für alle Anderen die Sichtweise mitbeschlossen. Artikel fertig, Thema erledigt? Ach was, jetzt wo die Fronten geklärt sind, geht es fröhlich weiter mit:" Denn eigentlich waren die Leute nur gekommen, um den runden iMac zu sehen." Ach so?! "Doch der Gründer und Chef von Apple gab mit Genuss den Zahlenhuber und zelebrierte eine langweilige Rede, bevor er den neuesten Rechner enthüllte." Oh Herr im Journalistenhimmel, geißelst Du uns schon wieder mit einem Beispiel der Hellseherei trotz autoren-eigener Unkenntnis der Keynote in SF? Immerhin findet sich auch hier Nichts zu den weiteren Highlights des Events. Oder kann es vielmehr Absicht, Intention der Schreibenden sein, derart frech "vom Blech weg" zu referieren? ( An diesem Punkt blättere ich schon sicherhaltshalber auf das Titelblatt des Geschreibsels zurück, um mich zu vergewissern, daß ich nicht gerade meine Meinung Bild(e), sondern die Wirtschaftswoche in den Händen halte.) Nein, es bleibt dabei, die Autoren halten sich wahrlich nicht mit korrekten Feinheiten auf. Sie wollen, ihrem Blatt entsprechend zur "Analyse" des Unternehmens Apple schreiten. Die modernen Seher und Wahrsager dieses Jahrhunderts tümmeln sich nun bekanntlich gerne in den reichlich verschlungenen Fahrwassern der sogenannten Wirtschaftsanalyse, nennen sich Analysten und benutzen sogenannte Kurs-Charts und Quartalsergebnisse, statt Fischeingeweide oder anderes Getier, um die "große" Wahrheit zu finden. Unser Autoren-Dream-Team versucht dies auch. Da werden der Aktien-Kurs bebildert, Analysten zitiert, Statisiken erwähnt. Die Zukunft von Apple zu prophezeien, darin liegt wohl ihre Intention. Über den Erklärungsansatz des iMac-Designs" schöner Schein nur durch Design" versuchen sie den Bogen hin zum selbst-orakelten Menetekel für Apple zu schlagen" Apple braucht dringend einen Kassenknüller". Wie kompetent dies im WiWo-Artikel belegt werden möchte, zeigen folgende Auszüge
1. zur Technik und Design des neuen iMacs:
Die "Nachttischlampe mit Trafo" ist "[...]ein Verpackungskunstwerk, in dem profane 08/15-Prozessoren und Platinen stecken[...]" und nochmal betont an anderer Stelle"[...]im Fuß stecken normale Chips und Prozessoren". Ja, was hatten die denn gedacht? 2048 isolineare optische Speicherchips pro Subraum-Feldgenerator, mit einem dynamischen Speicherzugriff von 4600 Kiloquads/Sekunde, wie auf der Enterprise, oder was? Nein, Freunde, im iMac steckt nur der "fast" schnellste G4-Prozessor, den man zur Zeit kaufen kann. Das gab es noch nie, allerdings nur hier auf der Erde. Noch ein Schmankerl gefällig? Kommt sofort:" In die Halbkugel des iMac passt kein 2. CD-Laufwerk, was beispielsweise beim Brennen von Rohlingen und Kopieren von Musik-CDs lästig ist." Hua,hua,hua.. ich rolle mich gleich weg! Entschuldigt bitte, liebe Leser, aber ist das nicht ein Brüller? *Minuten später* In diesem gelesenem Vorschulprogramm der Funktionalität eines Rechners aus dem vorigen Jahrzehnt, bzw aus der heutigen Sicht der WiWo-Redaktion, geht es munter weiter Schlag auf Schlag. Der einzige Vorwurf, der fehlt: Wo ist das Diskettenlaufwerk?! Gut, die Wirtschaftswoche ist nun einmal kein Computermagazin, deshalb lasse ich es an dieser Stelle gut sein, auch wenn im weiteren Detailbericht das Superdrive zum schnöden DVD-Laufwerk degradiert wird. Ich nehme aber als Resümee des technischen Verständnisses dieser Herren gewahr, daß selbst das Buch "Mac für Dummies" da wohl nicht helfen könnte und hoffe, die Sesamstraße wird mal was WiWo-gerechtes zum Thema Mac fertigen, wie im Titel dieses Artikels schon anklingt!
Dann wende ich mich doch lieber noch der WiWo-Prophezeiung zu:
2. Die Lage der Firma Apple und die Zukunft dieser Rechner-Marke:
Warum braucht nun "Apple dringend einen Kassenknüller" namens iMac, der zwischen den Zeilen durch obige "technischen Makel" angedeutet, gar Keiner ist? Weil laut zitierter Analystin Toni Dubois von der Hellseher-Firma Ars "ein normaler Windows-PC halb so viel kostet" und "PC-Hersteller wie IBM und Gateway preiswerte Auf-Tisch-Rechner mit LCD-Anzeige schon seit über einem Jahr" anböten, " die dem iMac ähnelten." So,so, es gibt also billigere Rechner, wirklich? Eine Jahrhundertweisheit, dank der Markforschungskünste von Ars und WiWo nun endlich Allen bekannt. (Ich ergänze mit dem gleichen Stellenwert: Tagsüber ist es in der Regel heller als in der Nacht.) Nur von IBM und Gateway sind diese Rechner leider nicht. Gemeint sein können zwar nur IBM'S NetvistaX, oder Gatways' Profile3SE. Gut, die sehen zwar total anders aus, eher herkömmlich, sind aber vielleicht auch in einigen Ausstattungsmerkmalen mit dem iMac vergleichbar. Preislich sich (teilweise deutlich) über dem iMac befindend muß die Ars-Analystin aber wohl eher an Aldi, Plus oder Rudis Reste Rampe gedacht haben, denn an IBM oder Gateway. Billig bedeutet zumeist auch in jeder Hinsicht billig. Die WiWo-Redakteure schreckt dies nicht, sie schreiben unbekümmert weiter. Eben vom"stolzen Preis" des neuen iMac, von dem angeblichen Versagen des MacOSX("brachte aber keinen Schub"). Davon, daß 150.000 verkaufte iPods die einzigen Highlights des letzten Quartals waren. (Auch wenn es "nur" 120.000 verkaufte Einheiten waren, macht ja nichts.) Verluste mußten im letzten Quartal in der Höhe von 25 Millionen US-Dollar verkraftet werden. Ja, da spürt man bei der Wirtschaftswoche schon den Ruin anmarschieren, der Aktionär zuckt zusammen, das Ende von Apple scheint nahe. Das eine Barreserve von 4,3 Milliarden US-Dollar diesen Peanuts in der Bilanz gegenüberstehen, ach, wen stört es denn? Hauptsache, Stimmung machen und die ist für die Herren Bonnert und Range schlecht, sowohl für den iMac, als auch für Apple. Ihre Realitätswarnehmung verzerrt sich im Finale der Prophezeiung derart, daß jeder Damm von Abwägung in der Wortwahl bricht. Es ist wohl Armageddon-Zeit, denn so endet der schlichte Quatsch der WiWo:"Vom Volksrechner fürs Massenpublikum hat Jobs sich indes verabschiedet.".
Was für ein Begriff, was für ein abstruser Wort-Müll reisst da das ungewollte Satire-Stück eines Magazin-Artikels unversehens in die Ernsthaftigkeit zurück? Ich kenne nur eine technische Neuerung zur Informationsverarbeitung im weiteren Sinne, die bisher "völkisch" war. Das war der sogenannte "Volksempfänger" und dieser wurde in einer geistlosen Zeit für schlimmste Propagandazwecke missbraucht. Volksrechner! Gut, daß die Wirtschaftswoche kein Volksblatt ist.

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