ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1026

Spieglein, Spieglein hier in unserem Land...

...schreib kompetent, oder halte den Rand!

Autor: rw - Datum: 09.01.2002

Ein Spiegel-Redakteur fühlte sich durch Steve Jobs Keynote und der Vorstellung des neuen iMacs bewogen, einen Artikel zu schreiben. Man denke sich als Leser, eben über die Keynote und eben über den neuen iMac. Doch eigentlich erst weit gefehlt. Da schilderte ein Herr Stein, nicht ohne Komik, zugegeben, zuallererst und fast ausschließlich seine Mühen, trotz DSL und ehrlicher Vorfreude in den Genuss des Quicktime-Livestreams von Apple zu kommen. Endgültig Sympathie gewinnend waren gar seine persönlichen Schilderungen über den dabei erlebten Stau des alltäglichen Datenhighways im Internet. Wer hat Selbiges nicht schon am eigenen Leib erfahren, um seelisch davon unberührt zu bleiben? Seine Zeilen war bis dahin für meinen Geschmack eine nette Geschichte für den gestressten Internet-Nutzer. Damit wäre der gewollte und betitelte No-Video-on-Demand-Effekt als Schmunzler beim Leser ausreichend und gut umrissen worden. Die "message" war angekommen. Er hatte also das Event praktisch nicht verfolgen können. Na denn... Jetzt und nun fühlte sich aber Herr Stein leider doch bewogen, von etwas zu sprechen, von dem er gerade noch so lang und breit lamentierend ausgeschlossen worden war; er Stein und Bein geschworen hatte, fast überhaupt nichts davon mitbekommen zu haben - dem Live-Stream nämlich. Ja, liebe Freunde, genau, über die Keynote und die Vorstellung des neuen iMacs redete er nun! Ein mutiger Redakteur, also trotzdem darüber zu schreiben? Beschäftigt der Spiegel gar nur Mitarbeiter mit seherischen Fähigkeiten, wie schon Grimm'sche Märchen als Gleichnis beschreibend uns hier einfallen könnten? Naja, wie Märchen und Geschichenerzählung, mit dem Mut zur Lücke, (in diesem Fall wohl Wissenslücke), muteten denn auch nur die weiteren Aussagen dieses Versuches einer Zusammenfassung von der Keynote aus San Francisco an. Zitat zum iMac gefällig? Bitteschön:
"Tja, das Innenleben im Fuß. Statt eines "PowerPC G3" wie beim alten iMac steckt nun ein G4 drin. Und statt des Röhrenmonitors gibt's ein LC-Display. Und mit dem Modell für 2500 Euro kann man CDs und DVDs brennen. Das war's."
Das war's in der Tat. Mehr hatte der Mann dazu nicht zu sagen. Weder zum iMac, noch zu iPhoto, iBook, Digital-Hub-Strategie, noch zur weiteren Keynote. Nichts, nada, niente. So eben mal die vorgestellte High-Tech im PC-Bereich mit einem Satz abgetan und im verbalen Regen stehen gelassen. Klar, soviel Rechner, mit derartigem Design, mit neuester Hardware für den Otto-Normal-Verbraucher als Zielgruppe, stehen scheinbar schon seit Jahren in der Spiegel-Redaktion herum. Also kam es, wie es kommen musste. Herr Stein toppte seine Aussagen mit dem für mich absoluten Tiefflieger-Satz des noch jungen Jahres. Er vollendete das Trauerspiel seiner Keynote-Darlegungen mit dem Ergebnis:
"Die Spannung, die Vorfreude darauf, dass sich in der Computerbranche mal wieder etwas tun würde, hat sich gelegt, ist völlig auf Null."
Da kann ich nur baff ergänzen: Herr Stein, wir Beide können uns die Hände reichen. Denn die Spannung und Vorfreude, beim Spiegel eine faire und ehrliche Beurteilung über Apple-Hardware zu lesen, ist bei mir nun endlich auch auf dem Nullpunkt. Mehr kann ich bei derartiger Nichtanerkennung der Fakten nicht mehr sagen. Wie soll man da sachlich entgegenhalten, wo anfangen und wo aufhören? Vielleicht sich dem nochmaligen Lese-Studium der Apple-Seiten widmen? Ja, wenn es denn hilft, sei dies mein Rat. Wie es im Übrigen auch anders geht, durchaus mit kritischen Untertönen, kann der interessierte Leser z.B. in einem Artikel bei ZDF-online lesen.
Aber nicht alles im Spiegel hatte einen Sprung. Es gibt Hoffnung für die Zukunft. Der Stein des Weisen bot seinen Eid:
"Ich schwöre, noch einmal werde ich auf den Hype nicht hereinfallen, noch einmal werde ich die Gerüchteseiten im Web nicht anklicken."
Man kann nur hoffen, daß dieser Schwur von Dauer ist! Stressfreier wäre es ja allemal.

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