ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1038

Ein Amerikaner in Paris

Über keynotes, Mac-Fans und Erwartungen zur MacExpo in Paris

Autor: rw - Datum: 03.09.2001

Gershwins Protagonist im gleichnamigen Musical verliebte sich in die Stadt, in eine Frau und verlebte fürderhin Hollywood bestimmt ein glückliches und zufriedenes Künstler-Dasein in der Metropole an der Seine.
Das Drehbuch für Gene Kelly war von dem Geschmack der fünfziger Jahren im vorigen Jahrhundert beseelt, eine witzige Komödie mit Happy End zeigen zu wollen.

Nun, was wird uns Steve Jobs in seiner Eröffnungsrede zur MacExpo in Paris Inhaltliches aus Apples Drehbuch zum Film Ñthe power to burn CD`s, DVD`s and Pentiumsì Neues mitteilen?
Höchstwahrscheinlich schon längst Bekanntes, z.B. MacOS10.1, mehr oder minder bekannte Modellpflege in der vorhandenen Produktlinie, aber Neues(imacs), oder gar Revolutionäres(al‡ Cube-Nachfolge), nein, ganz bestimmt nicht.
So hat Apple auch mit einer irgendwie schon Tradition gewordenen Sitte, vor einer MacExpo sich in vornehmes Schweigen zu hüllen, gebrochen und den auf umwerfende Neuigkeiten wartenden Mac-User schon frühzeitig mit der Ankündigung:ÑKeine neuen Geräte!ì den Wind aus den Gerüchtesegeln genommen.
Nanu? Kündigt sich dort eine neue Variante der Firmenpolitik an? Nicht mehr schweigen vor MacExpos, dafür nichts Neues mehr zeigen bei den keynotes von Steve? Wer weiß dies schon im Vorfeld genau?!
In der europäischen Mac-Szene wird denn auch schon eifrig diskutiert, welche Gründe diesen Konzern veranlassen, nach dem Ereignis in NY und auf Hinblick des Wahrscheinlichen in Paris, die Strategie: MacExpo=neue Geräte zu ändern. Motorola hat ein technisches Problem und überlegt die Aufgabe der Chip-Produktion, die Nachfrage stagniert im PC-Sektor und überhaupt angefragt, muss denn in jeder MacExpo ein neues Gerät vorgestellt werden? Eine Inflation der Rechner, die kein Unternehmen auf die Dauer realisieren kann, so schallt es allgemein entschuldigend in der Runde.
Das ist Alles sicherlich sehr richtig, doch wer hat denn den Mac-User an diesen Erscheinungs-Rhythmus gewöhnt? Wer hat denn nach der Einführung des G3 b&w in fast 2-monatlichen Abständen neue Geräte, neue Features, neue Geschwindigkeitszuwächse vorgestellt? Eine Zeitlang herrschte sogar das unausgesprochene Gesetz, bloß Nichts vor einer MacExpo zu kaufen, wenn man nicht Veraltetes haben wollte. Erinnert sei nur an die überraschende Einführung der ersten G4`s! Da kam unter den Käufern der G3-b&w-Serie richtig Freude auf. Man sollte also nicht den Macianern naive Wunschvorstellung attestieren, wenn mehr gefordert würde von Apple, als der Status quo für Paris verspricht.
Aber nicht der kindliche Wunsch nach immer schneller, weiter, besser in immer kürzeren Produktzyklen bestimmt die Sichtweise möglicher Enttäuschungen für die MacExpo in Paris.
( Diese Zeilen entstehen gerade an einem über allen erahnten Geschwindigkeitswahn verdachtsneutralen LC II unter System 7.1.)
Nein, der Punkt des Anstoßes könnte die befürchtete stiefmütterliche Behandlung des europäischen Marktes in einer nichts Neues bietenden Vorstellung in Paris sein. Wer will denn unbedingt nur neue Rechner sehen? Impulse aus dem Apfel-Stammhaus für den hiesigen Markt sind gefragt und erwünscht.
Impulse sind zu allererst Ideen, Aufbruchstimmungen und Konzepte für die Zukunft, so wie es z.B. das Ñdigital hubì Konzept von Apple für die Plattform Mac als Gesamtstrategie und MacOS10 als Konkretisierung auf der Betriebssystem-Ebene verspricht.
Díaccord Apple!
Jetzt müssen Anreize her, die es auch Neueinsteigern leichter macht in Ahnungslosigkeit über die genauen Vorteile Mac versus Win-PC sich für einen Mac-Kauf zu entscheiden.
Wird es Preisoffensiven für den Bildungssektor geben? Ein ibook oder imac für Schüler und Studenten zum knalligen Mengenrabatt? Vielleicht einmal die Umsetzung einer Seniorenversion im imac-Format? Diese Käuferschicht bietet in der Ñalten Weltì eine potente Käuferschicht. Oder sollte das Wunder geschehen und Steve Jobs kündigt das Wiedererscheinen von Apple auf der Cebit für das folgende Jahr an? Diese ÑWald- und Wiesen-Messeì im Bereich Computer ist ja nur die größte ihrer Art in der Welt.
Es gibt viele Wege europäische Mac-Fans und die, die es werden wollen, für das Ereignis in Paris und darüber hinaus zufrieden zu stellen. Es verlangt Keiner die Verliebtheit Gershwiníscher Prägung an Europa in der keynote von Steve, doch das Gefühl am Ende seiner Ausführungen, nicht nur nach USA starren zu müssen, wenn es um Apple-Innovationen geht, wäre allemal ein Grund wieder Beifall zu klatschen.
Wir werden es erleben, hoffentlich nach einem Drehbuch mit Happy End. ;-)
Also Steve, welche Themen rund um Ñone more thingì hast Du denn nun für UNS?

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