ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1039

Unsaubere Hinrichtung - wie die FAZ den Mac testen läßt

von Dr. Roland Freund

Autor: bh - Datum: 30.11.1999

Eine große Gefahr für Kolumnisten, vulgo: Meinungsschreiber, liegt in der Selbstüberschätzung, Kommentare könnten etwas bewirken, eventuell gar Positives. Dank der aktuellen ÑMotor-&-Technikì-Beilage der Frankfurter Allgemeinen wird derlei Größenwahn im Keim erstickt.
Zwar bekennt sich der Autor des ÑMarkt-Spiegels Technikì dazu, offenbar schon des öfteren Kritik für Vergleiche zwischen Mac und PC geerntet zu haben, doch geholfen hat das nichts. Er scheint sich in den negativen Urteilen geradezu zu sonnen. Und überhaupt: ÑDiese Befragung ist nun einmal dem Status quo verpflichtet, und der ist einfach anders, als sich die Welt in den Fachzeitschriften über Apple-Systeme darstellt.ì
So nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Verschiedene Händler werden befragt, von denen freilich gerade zehn Prozent Macs im Angebot haben. Die Kommentare der verbleibenden neun Zehntel wollen wir nicht pauschal abwerten, aber: Was wird -†nur als Beispiel -†wohl der eingeschworene Ferraristi über die Porsche-Boliden an fundierten Argumenten zu Protokoll geben können?
Doch Unwissenheit und daraus resultierende Irrtümer machen scheinbar auch vor Redaktionsstuben nicht halt. So lesen wir: ÑÖdie angebotene Auswahl an Peripherie und die Aufrüstmöglichkeiten der Rechner erscheinen den Befragten aber im Vergleich zur Intel/Windows-Architektur als eingeschränkt.ì Aha. Also den PS/2-Stecker an der Apfelkiste vergebens gesucht? Weit gefehlt!
Einige Absätze weiter oben hat uns der Autor bereits wissen lassen, was beim PC die Ñam häufigsten genannten Zusatz-Komponentenì sind: Modem- bzw. ISDN-Karten sowie Ethernetschnittstellen -†und das durch alle untersuchten Preisklassen. Na prima: Punktabzug für den Mac wegen Komplettausstattung ab Werk!? Oder weil der ÑFritzì-Hersteller mit dem Schreiben eines Mac-Treibers für seine USB- und PCI-Adapter überfordert ist? Von FireWire haben scheinbar alle Befragten noch nichts gehört, der Journalist inbegriffen.
Dafür läßt er lieber in der Mottenkiste der Uralt-Vorurteile kramen, um dem Win-Imperium zu huldigen: ÑAuch die von der einzelnen Marke unabhängig machende Kompatibilität und die große Verbreitung sowie standardisierte Ausstattung werden genannt.ì Nur als Hinweis: PCI, USB und eben FireWire sind plattformunabhängige Standards auf Mac und PC. Darüber hinaus meint Ñunabhängig machende Kompatibilitätì wohl die vergleichsweise simple, wenn auch illegale Installation des Office-Pakets vom Kumpel, eben Ñdie große Verbreitungì.
Wie gerufen kommt das Statement eines Befragten, um den Mac gepflegt in die ihm gebührende Ecke zu drängen: ÑApples Macintosh-Rechner werden von Anwendern gekauft, die bereits Erfahrungen mit dem System sammeln konnten und nicht mehr ins PC-Lager wechseln möchten.ì Bedenkliche Sektierer halt, wie aus jedem Verriß bekannt.
Nachdem der Mac erwartungsgemäß - 90 Prozent Dosen-Höker können einfach nicht irren - als Ñzu teuerì disqualifiziert wurde, steht es endlich fest: letzter Platz hinter allen Preisklassen der prima erweiterbaren Wintel-Kisten. Auch wenn es - schon aus mathematischen Erwägungen heraus -†etwas unsauber zugegangen ist: Hurra, Hinrichtung gelungen!
Um auf das eingangs erwähnte Statement des FAZlings zurückzukommen, wo er in lyrischer Anwandlung mit Blick auf erwartete Kritik bemerkt: ÑWem sein Spiegelbild nicht gefällt, der schiebt es schnell auf die Qualität des Spiegels.ì Ach was, der Spiegel war schon ganz in Ordnung -†nur leider als Zerrspiegel ungeeignet, die Realität darzustellen.
Ein Fachautor sollte mehr leisten, als Wertungen anderen wiederkäuen. Denn bei Vobis kann jeder selbst nachfragen, warum man dort diese komischen Macintosh-Dinger nicht mag. Ob an den Vorurteilen etwas dran ist? Hier haben wir es nicht erfahren.
Vielleicht klappt es ja beim nächsten Versuch? Nein, das wäre wohl doch zu vermessenÖ

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