ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1040

Vorbildliche Transparenz - wie MacTV mit Finanzierungssorgen umgeht

von Dr. Roland Freund

Autor: bh - Datum: 30.11.1999

Sie tagen gewöhnlich hinter verschlossenen Türen - die Manager der Verlage und Sender. Millionen werden verschoben, Finanzierungsstrategien erdacht und wieder verworfen, Partnerschaften geschlossenÖ Das Publikum bleibt außen vor. Als Tendenzschutz ist das große Schattenspiel in Deutschland auch noch gesetzlich extra gegen neugierige Blicke geschützt.
Auf Transparenz dürfen weder Arbeitnehmervertreter noch Leser oder Zuschauer pochen, obwohl dies im Sinne einer Kontrolle der Ñvierten Gewaltì sinnvoll wäre. Sicher wüßten viele gern um die ökonomischen Zwänge, unter denen Inhalte entstehen und von denen sie nur zu häufig auch geprägt werden - Stichwort: Schleichwerbung. Das ambitionierte Projekt Mac-TV macht jetzt vor, wie man mit diesen Fragen auch umgehen kann. Bei den Vorbereitungen einer Live-Übertragung der Keynote in Paris sind die Macher an den Grenzen der Finanzierbarkeit angelangt. Minutiös wird den Zuschauern dies vorgerechnet: Entstehende Kosten gegen mögliche Einnahmen. Das Fazit der soliden Buchhalterarbeit: Ohne Gebühren der Zuschauer geht es nicht.
Mac-TV hat damit ein Kernproblem des Netzes angeschnitten. Soweit es sich nicht um idealistische Non-Profit-Projekte handelt, entstehen Inhalte eben nicht zum Nulltarif. Also müssen sie finanziert werden. Die Möglichkeiten von Werbung und Sponsoring sind begrenzt; zudem droht bei beiden die Einflußnahme auf die Journalisten. Wer deren Unabhängigkeit bewahren will, der muß Leistung entsprechend honorieren.
Die Diskussion um diese Wertfrage ist überfällig. Beiträge, wie der von Mac-TV, können sie vorantreiben und zudem durch ihre Offenheit bei den Internet-Nutzern Verständnis wecken, daß ein Ende der fatalen ÑUmsonst-Kulturì letztlich auch in ihrem Interesse ist.

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