ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1041

Geschichtsfälschung ist kein Kavaliersdelikt

Zuerst verschwindet nur Apple aus der Geschichte von Silicon Valley...

Autor: bh - Datum: 14.08.2001

Die Geschichtsfälscher gehen wieder um. Der Jahrestag, an dem IBM den ersten PC auf den Markt brachte ist der Anlaß - und es ist ein erbärmlicher Anlaß. Denn was IBM 1981 auf den Markt schob, das war ebensowenig "personal" wie der Altair, der aber doch nochmal deutlich früher dran war. Vergessen wurde klarerweise auch, daß Apple mit dem Apple II zu dieser Zeit schon den Markt aufmischte wie keine zweite Firma. Wie schon zuvor bemerkt: es ist nicht allein die FAZ, die hier einem historischen Irrtum aufsitzt. Auch kleinere amerikanische Zeitungen bringen wie der Columbus Ohio Dispatch diesen Schwachsinn - und vergessen auf Apple, doch einen nicht zu vernachlässigenden Hersteller. Keine Aufzählung der Errungenschaften Apples sollte man den Autoren schicken - ein brauchbares Geschichtsbuch würde reichen. Aber natürlich sind Andy Grove von Intel und Bill Gates von Microsoft die Heiligen, und deshalb auch gleich ein Photo mit den beiden. "Posing with machines representing the 20 year history of the personal computer." Selbst wenn sich die beiden auf den Kopf stellen - es wird nicht wahrer. Doch die meisten zeihen uns der Erbsenzählerei in diesem Punkt. Ist es nicht peinlich, solche staubigen Geschichten ganz genau erzählt bekommen zu wollen, irgendwie uncool? Wir werden die Leserschaft mit Brecht und allen anderen verschrifteten erhobenen Zeigefingern verschonen - aber wir dürfen die Geschichte nicht von der Industrie verändern lassen. Bill Gates besitzt persönlich die digitalen Verwertungsrechte von einigen Millionen Bildern. Das Sortiment dieser Datenbankgesellschaft mit Namen Corbis reicht von Marilyn Monroe auf dem Lüftungsschaft bis zu historischen Photos aus den Weltkriegen. Wer diese Bilder digital wiedergibt, ist auf ihn und seine Kooperation angewiesen - und einige der bekanntesten Museen der Welt haben ihm auch die Digitalrechte ihrer Kunstwerke verkauft. Es kostet nur ein paar Klicks, um IHREN Großvater neben Hitler auf die Sonnebank zu setzen, und ebenso einfach wird es sein, der Mona Lisa die Figur von Dolly Buster zu verpassen. Äußerste Vorsicht ist geboten, wenn es ans Eingemachte geht - und falsch wiedergegebene Geschichte ist verdammt gefährlich. Microsoft Encarta, das meistverwendete Computerlexikon... wenn einige wenige die Definitionen erstellen, wird es unangenehm. Jetzt ist es die Geschichte der Computerrevolution, die verändert wird. Morgen ist es ihre Familiengeschichte... und am Ende meiner kleinen privaten Horrorvision stehen die gängigen apokalyptischen Szenarien von Orwell, Huxley und anderen. Die Geschichte korrekt wiederzugeben muß uns ein wesentliches Anliegen sein - nicht nur, weil hier Apple involviert ist.

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