ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1068

Von klugen und weniger klugen Köpfen

von ROHA

Autor: bh - Datum: 13.01.2001

Der Werbeslogan der Frankfurter Allgemeine Zeitung ist ausgesprochen eingängig: "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf." Meist jedenfalls. Manchmal auch nicht.
So in der Ausgabe vom 11. Januar 2001, im Wirtschaftsteil auf Seite 16, der für Nicht-Abonnenten online unerreichbar ist. Dort lesen wir unter der Schlagzeile "Apple will mit neuen Modellen aus der Krise" nach einem Loblied auf die Gigahertz-Boliden von AMD und Intel: "Vor allem Kunden aus dem Bereich der Bild- und Filmbearbeitung begannen darüber zu klagen, daß sich moderne Grafik-Software selbst mit den teuersten Macintosh-Modellen nur noch langsam bearbeiten ließ." Wohlgemerkt, der unter dem Kürzel hra schreibende, vielleicht nicht ganz so kluge Kopf redet von Dualprozessor-Macs mit 500 MHz.
Über die neue G4-Serie weiß der Mann für San Francisco zu berichten, dass sie zwar bis zu 733 Megahertz haben. Aber: "Das ist zwar immer noch nur halb so schnell wie bei den Spitzenmodellen von Intel. Eine neue Rechnerarchitektur sorge aber dafür, behauptete Jobs, daß viele Anwendungen auf den neuen Macs wesentlich schneller als auf den leistungsfähigsten Windows-Rechnern liefen auf den."
Versuchen wir, das von der Möchtegern-Edelfeder hinterlassene Chaos zu entwirren: Taktfrequenz und Rechengeschwindigkeit sind nicht identisch. Eine neue Rechnerarchitektur hat Jobs auch nicht vorgestellt, sondern die konsequente Fortentwicklung der G4-Serie, die in der Tat eine neue Technologie aufweist - das freilich schon seit einem Jahr. Gemeint ist offenbar die Velocity-Engine, die jeden hochgetakteten Pentium und Konsorten klar auf die hinteren Plätze verweist: 5,5 Gigaflops sind erst einmal zu schlagen. Also nichts mit "Behauptung", die Tatsachen sind offensichtlich.
Ein Rat also nach Frankfurt am Main: Kluge Köpfe sollten nicht nur die Anzeigen zieren, sondern auch die Redaktion. Vielleicht genügt manchmal schon eine Rückfrage in der Grafikabteilung der "Qualitätszeitung" (Eigendarstellung): Dort arbeitet man offenbar mit Macs - und das sicher nicht ohne Grund.

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