ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1088

G3-Power to the People!

Autor: wp - Datum: 01.01.1999

Die Preise für G3-Karten sind in den letzten Monaten zum Teil drastisch gefallen. Und tun es weiter. Niemand braucht mehr auf G3-Power zu verzichten. Doch wie sieht¹s mit der Zuverlässigkeit aus? Der folgende User-Report basiert auf Erfahrungen, die der Autor sowohl am Arbeitsplatz als auch als Heimanwender gemacht hat.

Die Ausgangssituation: Unter dem zunehmenden Kostendruck wurde in der kleinen Werbeagentur, in der ich meine Brötchen verdiene, beschlossen, anstatt zu den beiden vorhandenen einen weiteren G3-Mac anzuschaffen die restlichen sechs älteren Rechner (zwei 8100er, einen 7600er, einen 8500er und zwei 8600er) auf G3 aufzurüsten. Alle Maschinen laufen täglich 10 bis 12 Stunden, und das 5 bis 6 Tage die Woche. Zugleich sollten weitere drei Rechner ein Upgrade erhalten, die privat und damit nur wenige Stunden pro Woche betrieben werden: ein 9600/200, ein 7600/132 und ein Power Computing PowerCenter 150 Desktop.

Als G3-Karten für die PCI-Macs kamen zum Einsatz (Angaben: Taktfrequenz/Bustakt/Level-2-Cache, dazu z.T. durch Overclocking ereichte Taktfrequenz in Klammern):
Sonnet Crescendo G3 300/150/1MB im 9600/200 (kein Overclocking möglich)
PowerLogix G3 220/110/512K (308/154) in einem 8600/250
PowerLogix G3 250/125/512K (294/147) (300/150) in 7600/132, 8500/150 und 8600/200
Railgun G3 275/183/512K (300/200) im Power Computing PowerCenter 150

Als G3-Karten für die NuBus-Macs wurden installiert:
Sonnet G3 220/110/512K (kein Overclocking möglich) in 8100/100
Sonnet G3 240/120/512K (kein Overclocking möglich) in 8100/80

Nachdem der langjährige Apple-Händler, mit dem die Agentur arbeitete, dringend von einem Prozessor-Upgrade abriet (Kunststück, an einem neuen Rechner ist halt mehr zu verdienen), und zuvor gemachte Erfahrungen mit deutschen Mailorder-Häusern eher durchwachsen waren, entschied man sich zu folgendem Schritt: Alle Prozessorkarten wurden per Mailorder direkt in USA bestellt, per Kreditkarte bezahlt und via UPS bzw. FedEx geliefert. Und das innerhalb von vier Werktagen ...

Der Einbau der Karten gestaltete sich unterschiedlich schwierig. Einerseits sei's den Göttern (und Steve Jobs) [Where's the difference? d. Red.] gedankt, daß mittlerweile ein Prozessor-Upgrade bei den meisten Macs grundsätzlich möglich ist. Andererseits ist der Karten-Einbau z.B. in einen 8500er immer noch eine reichlich nervige Angelegenheit. Zudem läßt die Ausführlichkeit der Einbauanleitung leider bei vielen Herstellern doch einiges zu wünschen übrig, zumindest, wenn ein weniger erfahrener Mac-User sie in die Hände bekommt. Dies gilt sowohl für das fotokopierte "Manual" der Powerlogix Karten als auch für die reichlich dünne Kladde der Railgun-Karten. Wer allerdings schon einmal seinen Mac geöffnet hat, um bspw. eine neue Festplatte oder RAM einzubauen, sollte wenig Probleme haben, eine gewissenhafte Vorbereitung (Erdung!) und ein halbwegs ruhiges Händchen mal vorausgesetzt.

Im Gegensatz zu den Karten von Sonnet Technologies ist sowohl bei den Powerlogix- als auch bei den Railgun-Karten eine manuelle Einstellung von Taktung des Motherboards und des Multiplikators (und damit der Taktfrequenz der Karte) möglich, und zwar via Rastschalter direkt auf der Karte! Lediglich der Level-2-Cache wird per Software, sprich: Kontrollfeld eingestellt. Ich erwähne das deswegen, weil es sich im Rahmen unserer Erfahrungen herausgestellt hat, daß G3-Karten, deren Prozessor aus IBM-Produktion stammt - und das gilt sowohl für Powerlogix als auch für Railgun - äußerst overclocking-freundlich sind! Sofern man bereit ist, die Taktung des L2-Cache etwas zurückzunehmen, wenn nötig (sprich: wenn der Rechner nicht stabil läuft).

Nun will ich hier nicht unbedingt den Hardcore-Overclockern das Wort reden. Das überlasse ich gerne den DOSen-Freaks. Aber wenn bspw. die 220MHz G3-Karte von Powerlogix im (ehemaligen) 8600/250 Mac problemlos seit nunmehr 3 Monaten mit 308 MHz läuft, und das im harten Agentur-Dauerbetrieb, dann bleibt das für das Preis-/Leistungsverhältnis nicht ohne Folgen. Denn diese Karte kostet zur Zeit via Mailorder aus USA nur knapp über 200,- US$, also brutto mit allen Nebenkosten ca. DM 450,-. Vergleichbare Preise sollten mittlerweise auch über den deutschen Fachhandel realisierbar sein, Lieferbarkeit vorausgesetzt.

Die Installation aller Karten ging weitgehend problemlos von der Hand: Als erstes das mitgelieferte Kontrollfeld in den Systemordner kopieren, mit dem später der Backside-Cache aktiviert und eingestellt wird. Dann ggf. mitgelieferte Benchmark-Software installieren gemäß Angaben des Herstellers. Rechner ausschalten. Aufmachen. Alte Karte raus, neue Karte rein. Für den Anfang erst mal mit den vom Hersteller vorgegebenen Werkseinstellungen. Wer will, kann sich dann später immer noch an höhere Taktungen heranwagen.

Allerdings hat sich herausgestellt, daß insbesondere bei den 7600ern zwei Dinge unbedingt zu beachten sind: Erstens sollte man die Systemerweiterung "7200 Accelerated Video" vor Installation aus dem Systemordner entfernen und zweitens den gesockelten L2-Cache ausbauen. Insbesondere, wenn er nur 256 oder 512 KB groß ist. Beides verursacht sonst gravierende Probleme beim Booten des Rechners. Und: Unbedingt nach Entfernen der alten Prozessorkarte und vor Einsockeln der G3-Karte den CUDA-Knopf für ca. 20 Sekunden drücken! Das ist ein kleiner runder Druckknopf auf der Hauptplatine direkt unter der hochkant stehenden Prozessorkarte. Nur so ist gewährleistet, daß der Mac den neuen Prozessor auf Anhieb erkennt. Letzteres gilt für alle Macs und Clones.

Das war¹s dann auch schon. Nach dem Neustart nur noch das G3-Kontrollfeld öffnen und den L2 Cache aktivieren sowie die korrekte Größe angeben (in unserem Falle 512K), und schon ist der gute alte Mac nicht mehr wiederzuerkennen! Für alle, die nun an dieser Stelle auf Benchmark-Ergebnisse warten: Gemach, gemach! Entscheidender ist der subjektive Eindruck im direkten Vergleich zur 604er Basis. Und da ist der Leistungsgewinn schon gravierend. Insbesondere was Programme wie FreeHand, Illustrator, Textverarbeitungen aller Art, PowerPoint, Excel, aber auch Netscape Navigator oder Filemaker Pro angeht. Das ist gravierender, als nackte Zahlen ausdrücken können. Auf Basis eines 7600/132 mit 604er Prozessor kann man von einer (subjektiven) Verzwei- bis Vervierfachung ausgehen. PhotoShop wird lediglich um ca. 30% schneller und profitiert entschieden mehr von RAM-Erweiterung und/oder einer möglichst schnellen Festplatte. Wer sich trotzdem für ausführliche Benchmarks auf Basis von MacBench 4.0 bzw. 5.0 interessiert, dem sei die folgende Website wärmstens empfohlen: www.xlr8yourmac.com. Dieser Site lassen sich außerdem jede Menge Taktungsbeispiele für die verschiedenen Karten in den verschiedenen Mac- und Clone-Modellen entnehmen. Was langwierige Einstellungsspielereien auf ein notwendiges Mindestmaß reduziert.

Als Fazit kann man also sagen: Nie war es preiswerter und sinnvoller als heute, einen 604er oder 601er Mac aufzurüsten, auch und besonders dann, wenn man die vorhandene SCSI-Peripherie weiter nutzen will. Natürlich, ein neuer iMac hat auch seine Reize. Aber aus Sicht eines Anwenders, der Macs beruflich einsetzt (und insofern Kosten gegenüber seinem Arbeitgeber verantworten muß), ist das Preis-/Leistungsverhältnis der erwähnten low-cost G3-Karten zur Zeit unschlagbar. Und die Zuverlässigkeit ausgezeichnet. Also: Zugreifen!

Kommentare

gabs...

Von: dermattin | Datum: 16.06.2004 | #1
damals keine kommentare?:)

PM 7600 mit Powerlogix 400MHz und OS X 10.4.4

Von: EPA | Datum: 03.02.2006 | #2
Feiner Kommentar und anregend, das auch mal nachzumachen!

Inzwischen haben zwei meiner Macs (Mac 7600) Beschleunigerkarten erhalten.
Einer die Powerlogix 400 MHz, der andere eine Sonnet mit gleich 500 MHz.

Die Powerlogix macht keine Probleme, auch unter OS 10.3 oder 10.4, aber der L2 cache ist auch dort etwas kniffelig einzustellen. Normalerweise 1/2 der Taktfrequenz...

Unter OS9.2.2 gab es mit der 500er Karte schon mal Programmstops, die sich unter OS 10.2 häuften.

Die Powerlogix lief da überall ganz brav!

Der eingeschaltete Second Level Cache von 1 MB brachte dann noch einmal etwas mehr Power und Zug auf das System!

Auch mein Powermac 5500 hat eine Connectix L2 mit 300 MHz bekommen und läuft gut!

Also Fazit: Der Einbau dieser Beschleunigerkarte lohnt immer, besonders unter OS 9x.x ...

Unter OS X sollte man den Cache mit halber Taktfrequenz versuchen. Wenn es damit nicht geht, dann einfach per PowerDirector z.B. den Cache auslassen.
Bei meinem PM 7600 löste OS X 10.4.4 das Problem und hat ihn automatisch auf 133 MHz eingestellt. OS X 10.3.9 läuft mit 400 MHz/200 MHz.