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ARCHIV :: # 1090

"Crusoe" die Prozessor-Revolution?

Autor: wp - Datum: 22.01.2000

Das "Silicon Valley" verliert eines seiner bestgehüteten Geheimnisse. Nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit wird an diesem Mittwoch in Kalifornien der "Crusoe" vorgestellt, ein neuer intelligenter Mikro-Prozessor für mobile Geräte, der wie kaum ein anderes Projekt die Gerüchteküche in der Technologiebranche hat brodeln lassen.

Obwohl kaum etwas nach außen drang, wird der Prozessor schon im Vorfeld als Angriff auf die Dominanz des Prozessor-Herstellers Intel und des Softwarehauses Microsoft gewertet. Der "Crusoe" soll dank innovativer Technologie besonders stromsparend und schnell sein. Und vor allem soll er konkurrierende Betriebssysteme wie Java, Linux und auch Windows verstehen können.

Nach Angaben der Fachzeitschrift c't ist es seinen 200 Mitarbeitern offensichtlich gelungen, einige durchschlagende Innovationen auf dem Schaltkreis zusammen zu bringen. Unter anderem bestehe der Chip aus Hardware und Software- Bestandteilen, sagt Prozessoren-Experte Andreas Stiller, der einige von Transmeta angemeldete Patente unter die Lupe genommen hat. Für Experten heißt das Zauberwort "Code-Morphing", für Laien bedeutet das nach Stillers Worten: Der Prozessor wurde so optimiert, dass er andere nachbilden kann. Software, die für andere Chips geschrieben wurde, kann prinzipiell auch auf dem "Crusoe" laufen. Außerdem wurde ein Zeit sparendes Verfahren entwickelt, dass gleichzeitig weniger Strom verbraucht.

Damit ergibt sich ein äußerst lukratives Einsatzfeld. Kleine flexible und Strom sparende Prozessoren können in Telefonen, Minicomputern und Set-Top-Boxen eingesetzt werden. Für diese Anwendungen sind zum Beispiel die verbreiteten Pentium-Prozessoren von Intel überdimensioniert. "Dieser Bereich wächst viel stärker als der klassische Bereich der Tisch-Computer", sagt Stiller. Der Chip könnte damit auch speziell für neue Programmiersprachen wie Java und Betriebssysteme wie Linux interessant sein. Für Stiller ist auch die Mitarbeit von Torvalds kein Zufall: "Ich gehe davon aus, dass ein Linux-Kern in dem Prozessor bereits installiert ist."

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