ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1092

Familienzuwachs

Wir haben Zuwachs bekommen. Darf ich vorstellen - das ist iBook, iBook SE.

Autor: wp - Datum: 28.07.2000

Wenn Ihr glaubt, dass ich Euch jetzt ver-apple-n will, dann liegt Ihr falsch, denn Apple hat sich beim iBook etwas ganz Süßes ausgedacht. Auf der Unterseite stehen zwei kleine Sätze, die ich durchaus erwähnenswert finde: "i was Assembled in Taiwan" und "my Family No.: XXXXX" Diese Nettigkeiten sind es, die Apple in meinen Augen so liebenswert macht. Aber wir haben natürlich nicht nur auf diese Kleinigkeiten geachtet.

Apropos, wir haben Hardwaretests ja noch nicht so lange in unserer Rubrik, und konventionell laufen diese Tests auch nicht ab. Vorweg dies: Wir haben nicht die Absicht irgendwelche Benchmark-Tests gegenzutesten - von den nicht vorhandenen Möglichkeiten ganz zu schweigen. Wir legen vielmehr Wert auf einen Test, der dem Leser sagt, jau, das Ding ist fit für den Alltag, man kann damit arbeiten - oder vielleicht auch nicht. Unter diesen Bedingungen wurde das iBook von mehreren Mitgliedern unserer Redaktion getestet.

Das Äußere überzeugt sehr. Das Grau ist stilvoll, und wenn man das Gerät ein Wochenende lang durch Münchens City trägt, erntet man viele neugierige Blicke und auch Fragen. Mac-User scheinen im übrigen sehr unkompliziert zu sein, was das Aufeinanderzugehen betrifft, man wird einfach angeredet und dies und jenes gefragt. Dem iBook hat es die Mac-Gemeinde auch zu verdanken, dass ein bisheriger Windows-User sich in naher Zukunft einen Mac zulegen wird, weil die vielfältigen Möglichkeiten, die einfache Bedienung und die Optik in seinen Augen einfach bestechend wirkten. Aber zur Sache.

Über seine inneren Werten brauche ich wohl nicht viel Worte zu verlieren, die sind hinlänglich bekannt, wer noch Infos benötigt schaut am besten bei den iBook-Seiten von Apple mal rein. Im Praxistest ist das iBook eindrucksvoll. Die Geschwindigkeit ist hervorragend, was bei 366 MHz und 128 MB RAM auch nicht anders zu erwarten ist. Bloß nach Systemstart, noch bevor man auf den Desktop voll zugreifen kann, verbringt das iBook ein wenig länger mit Nichtstun, als ich es von meinem G3 b/w gewohnt bin. Wenn diese kleine Pause dann überwunden ist, legt es aber ordentlich zu. Im Netzwerk bewegt es sich, als sei es gar keine andere Umgebung gewöhnt und die Datentransferraten sind ordentlich. Der Bildschirm erscheint mir in seiner Darstellung ein wenig trüb, was aber nur im direkten Vergleich zu anderen TFT Schirmen auffällt.

Nett ist auch die Trackpad-Einstellung, die es ermöglicht, das Pad für Bewegung und Klicken zu nutzen. Leider kann man dann allerdings nicht vernünftig damit arbeiten, da man beim Eingeben eines längeren Textes unweigerlich das Trackpad berührt und damit oft ungewollt aus dem Programm herausklickt. Das wird auf die Dauer sehr lästig, und man stellt die Funktion schnell wieder ab. Wer das Zehnfinger-System blind beherrscht, wird vielleicht auch Probleme bekommen, die Rückschritt-Taste sauber zu nutzen. An und für sich macht das nichts, wenn man mal auf die F-Taste rutscht. Wenn man diese aber mit einer Funktion belegt hat, was ja bei den neueren Macs prinzipiell möglich ist, kann das auch schnell störend wirken, wenn dann die zugeteilte Funktion ausgeführt wird.

Der Tastenanschlag bügelt dieses kleine Problem schnell wieder aus. Apple hat damit eine ideale (finde ich zumindest) Einstellung gefunden. Die Zeiten, in denen man Tasten mit Gewalt herunterdrücken musste, bis sie zum Anschlag führten, sind ja vorbei. Aber wenn wir schon bei der Tastatur sind, muss ich auch einen kleinen Abzug in der B-Note vornehmen. So schön das iBook meines Erachtens gefertigt ist, so störend ist die Anbringung des Antennenkabels in der AirPort-Ausführung. Dies läuft nämlich in einer Schlinge unter der Tastatur her und drückt diese in der Mitte ein wenig nach oben, was bei regelmäßiger Benutzung des iBooks Flecken auf dem Schirm hinterlässt, die man immer nur mit ein wenig Mühe wieder entfernen kann. Da die Mac-Gemeinde bis jetzt auf solche Bastelkapriolen ganz gut verzichten konnte (Roland einmal ausgenommen), sehe ich es auch nicht ein, warum wir jetzt damit anfangen sollten, nur um das Kabel am Bodenblech festzukleben.

Ansonsten besticht das iBook durch seinen praktischen Nutzen. Wenn man nicht so viel Wert auf Kratzerfreiheit des Apfels auf der Frontseite (der im aufgeklappten Zustand leider falsch herum ist) legt, bietet der Tragegriff einen Komfort, den die Konkurrenz vergeblich sucht. Der Griff sieht zierlich aus, in seinem Inneren ist er aber durch und durch solide. Leider ist der Öffnungsmechanismus (der ja eigentlich gar nicht vorhanden ist) zwar wunderschön durchdacht, aber laut Aussage von Usern bei Neugeräten noch so fest eingestellt, dass man sich die Finger bricht, bis man es geöffnet hat. Da wäre der Mechanismus der PowerBooks schon angebrachter und trotz der Designfrage auch zu realisieren gewesen.

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