ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1098

Wie intuitiv ist Intuos?

Ein MacGuardians Profi-Testbericht über WACOM Intuos Grafiktabletts und Eingabegeräte

Autor: wp - Datum: 04.04.2001

Der folgende professionelle Anwendertest wurde über einen Zeitraum von etwa 2 Wochen im Rahmen für die Werbebranche üblicher Illustrationsjobs durchgeführt.

Getestet wurden: die WACOM Grafiktabletts Intuos A5 und Intuos A4 regular sowie die Eingabewerkzeuge Intuos Pen, Stroke Pen, Inking Pen, Airbrush, 4D Mouse und Lens Cursor.

Als Hard- und Software kamen dabei zum Einsatz: Apple PowerMac G4/450 Dual CPU mit 768MB RAM, Apple 22"-Cinema-Display, Adobe Photoshop 6.0 und Corel Painter 6.0.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass vor dem Tablett kein grafisch eher unbeleckter Technik-Redakteur saß (sorry, guys!), sondern jemand, der mit Illustration seine Brötchen verdient, nach vielen Jahren der Festanstellung seit ca. 1 Jahr selbstständig ist und hauptsächlich für Werbeagenturen im Rhein-Main-Gebiet arbeitet. Und das seit knapp 5 Jahren nicht mehr mit den traditionellen Mitteln (Buntstifte, Grafik Marker, Airbrush) sondern ausschließlich Mac-gestützt.

Hi, I'm Gila's Mac

Insofern konnte ich der vorsichtigen Anfrage meiner MacGuardians-Kollegen dann auch kaum widerstehen, als sie mich baten, diesen Test der gängigsten WACOM-Tabletts und -Eingabegeräte aus der Sicht eines professionellen Anwenders zu machen. Zumal ich eh selbst schon eine ganze Weile mit einem WACOM-Tablett arbeite.

Was haben wir da also? Erst mal zwei recht kompakte Kartons mit den beiden Grafik-Tabletts. Ich packe zuerst das Intuos A4 aus. Einfach, weil das meiner Meinung nach - und für die Art Illustrationen, die ich mache - der beste Kompromiss vom Format her ist. Ein A3-Tablett braucht zuviel Platz auf dem Schreibtisch. Auch, wenn es Illustrationsjobs gibt, wo mehr Fläche eine Hilfe ist. Doch dazu später mehr. Also, Tablett ausgepackt, den neuesten WACOM-Treiber von der beiliegenden CD installiert (Version 4.5.6-4) und das Intuos an einen freien USB-Port angeschlossen. Tipp: Am besten einen USB-Port mit stabiler eigener Stromversorgung dafür auswählen, also direkt am Mac oder an einem USB-Hub mit eigenem Netzteil! So. Die ebenfalls beiliegende CD mit dem Illustrationsprogramm Painter Classic von MetaCreations lasse ich ungeöffnet, da ich eh die neueste Vollversion 6.0 (mittlerweile von Corel) installiert habe. Trotzdem ist es natürlich eine nette Geste, dass Painter Classic im Preis mit drin ist. Weiter. Ich fummele die kleine, beschwerte Plastikhalterung aus der Folie, in der man den Intuos Pen, das Standardeingabetool, abstellen kann. Leider ist die kleine Halterung mit dem Stift drin schnell umgeworfen, wenn man nicht aufpasst. Vielleicht wäre ein Clip direkt am Tablett sinnvoller? Etwas Ähnliches gibt es als Dreifachhalter ja bereits für die Formate ab A4 Oversize. Aber eben nicht für die kleineren Tabletts. Wie bei allen Intuos Tabletts findet sich entlang der Oberkante, außerhalb der sensitiven Fläche, eine Reihe von frei belegbaren Tasten. Sicher sehr praktisch. Da mir aber die Short-cuts der Programme, mit denen ich arbeite, in Fleisch und Blut übergegangen sind, verzichte ich auf diese Option. Einfach, weil's so für mich intuitiver ist. ;-)

Der "normale" Intuos-Pen. Der gleiche, den ich selbst on job benutze, seit ich mit einem WACOM arbeite. Liegt gut in der Hand, hat eine Fingertaste, die ich mit Doppelklick belegt habe (zum Einfachklicken genügt es, mit dem Stift kurz aufs Tablett zu tupfen). Sehr praktisch auch der virtuelle Radierkopf auf der Rückseite. Gehört zur Basisausstattung zusammen mit der Intuos 4D-Mouse. Mit dem Teil mache ich eigentlich alles. Na ja, fast alles...

Für meine Art des Illustrierens das perfekte Tool: der Stroke Pen. Ideal zum Skizzieren, weil er eine bewegliche (!) drucksensible Spitze hat, sprich: die Spitze gibt unter Druck bis zu 1,3mm nach - im Gegensatz zu den 0,1mm des normalen Stifts.

Cats

Ebenfalls sehr positiv: Beim Skizzieren macht sich die Oberflächenbeschaffenheit des Intuos-Tabletts sehr angenehm bemerkbar. Die Haptik entspricht weitgehend der Realität. Die Illusion des analogen Arbeitens auf einem Untergrund aus Layout- oder Transparentpapier ist sehr realistisch. Leichtes Aufdrücken für intuitives Skizzieren, Handschrift, helle feine Schraffierung, stärkerer Druck für Highlights, kräftigere Striche, mehr Farbe... perfekt! Insbesondere wenn es darum geht, Bleistift-, Kohle- oder Kreidezeichnungen zu simulieren.

Jungle Fever

Und in der Einstellung "Pinsel" unter Painter auch für sehr gut dosierbare Pinselstriche bis hin zum Stil einer japanischen Tuschezeichnung zu gebrauchen. Einziger erkennbarer Nachteil: Radieren wie mit dem normalen Intuos Pen ist nicht möglich. Aber das erledige ich meistens ohnehin mit dem virtuellen Radierer z. B. in Painter, weil der feiner einstellbar ist (bzgl. Deckkraft etc.). Schätze also, dass ich mir einen Stroke Pen anschaffen werden...

Der Inking Pen. Komisch. Irgendwie kriege ich ihn nicht zum Funktionieren. Dabei ist die Idee nicht schlecht: Durch seine durch einfaches Herausziehen mit einer Pinzette (die nicht beiliegt!) austauschbaren Kugelschreiberspitzen ist der Inking Pen eine gute Lösung für Illustratoren, die vom analogen Arbeiten umsteigen wollen. Denn der Inking Pen hinterlässt auf dem Blatt Papier, das man sich aufs Tablett legen sollte ;-), sichtbare Striche und Skizzen. Was die Umgewöhnung sicher leichter macht. Aber wie gesagt, irgendwie lässt er sich nicht aktivieren. Naja, vielleicht ein Montags-Inking-Pen?

Der Airbrush. Hm, das Teil weckt Erinnerungen. Vor allem an die Zeiten, als man einen Illustrator daran erkannte, dass er nach Airbrush-Arbeiten mit der analogen Farbpistole drei Tage lang den kompletten Pantone-Farbfächer ins Taschentuch geschneuzt hat. Der Name des Intuos Airbrush deutet es schon an: das ist ein echter Spezialist! Und kaum nehme ich ihn in die Hand, "erinnert" die sich wieder: Ja, so fühlt sich ein Airbrush an. Die typische wulstige Form mit dem Rändelrad für den Zeigefinger zur Regulierung z. B. des Farbflusses, alles ist am richtigen Platz. Nur das Gewicht ist viel niedriger als bei einem Vollmetall-Airbrush, klar. Skizzieren ist seine Stärke nicht, das geht mit den Intuos-Stiften wesentlich besser. Aber die Airbrush-Simulation gelingt damit wirklich sehr gut.

Schoko

Insbesondere das Verstellrad für den Farbfluss ist klasse. Sieh an, sieh an: sogar neigungsempfindlich ist das Teil! Und was wirklich clever ist: Lässt man das Fingerrad los, bleibt die letzte Farbflusseinstellung erhalten! In dem Punkt also ein echter Vorteil gegenüber analoger Technik. Übrigens ist die Oberflächenstruktur des Tabletts beim virtuellen Airbrushen weniger relevant, da man wie beim Arbeiten mit einem analogen Airbrush die Oberfläche nicht berührt. Dafür ist das Format des verwendeten Tabletts hier um so wichtiger!

Habitat 1

Bei großflächigem Arbeiten - und das ist nun mal bei den meisten Airbrush-Jobs die Regel - ist ein Intuos A4 eher die Unterkante dessen, was sinnvoll ist. Feine Retuschearbeiten, Bildbearbeitung etc. gelingen mit A4 sehr gut. Großflächige Verläufe, Architektur-Illustrationen etc. setzen beim Intuos Airbrush eher ein A3-Tablett voraus.

Habitat 2

Die Intuos 4D Mouse. Gehört zur Basisausstattung. Ist wie alle Intuos Eingabegeräte kabellos und bestens ausgestattet, mit Daumenrad zum Zoomen oder Scrollen mit den Intuos-üblichen 1.024 Stufen, 5 frei belegbaren Tasten und einer mehrfach höheren Auflösung als eine normale Desktop-Maus. Außerdem sehr löblich: auch für Linkshänder geeignet, durch einfaches Umklappen des Gehäuses, ziemlich clever! Trotzdem versauert sie bei mir in der Schublade. Warum? Weil ich das Tablett zum Illustrieren benutze und eh alles mit dem Stift mache, inklusive Klicken etc.!

Der Intuos Lens Cursor. Gleiche Tastenausstattung wie die 4D Mouse. Aber statt mit einem Daumenrad mit einer ausklappbaren und um 50 Grad schwenkbaren Fadenkreuzlupe ausgestattet. Was wirklich durchdacht ist, ist der recht große Abstand zwischen Mauskorpus und Fadenkreuz. So wird weniger verdeckt, wenn man im CAD-CAM Vorlagen abnimmt und überträgt. Ansonsten gilt dasselbe wie bei der 4D-Mouse: für mich als Malermeister weniger nützlich.

Abschließend packe ich noch das WACOM Intuos A5 Tablett aus. Naja, ist schon ein ganzes Stück kleiner. Aber für das Arbeiten in kleineren Formaten oder für schnelle Skizzen ist A5 eine nahezu perfekte Größe.

Betram Haller, Editor in Chief

Strichzüge, die über das Format hinausgehen, lassen sich auf ihm allerdings nicht in einem Zug darstellen. Nun gut, der Bildschirm ist in der Regel ohnehin größer als jedes Tablett. Was zur Folge hat, dass in der Proportional-Einstellung (= Raufrechnen der Tablettgröße auf Bildschirmformat) bei bestimmten Arbeiten die Eingabe zusehends unpräzise wird. Trotzdem ist das Intuos A5 einem Graphire da immer noch allemal überlegen! Kunststück, kostet ja auch ein paar Mark mehr.

Obst

Mein Fazit also: Es ist kein Wunder, dass WACOM der unumstrittene "Platzhirsch" unter den Grafiktablett-Anbietern ist. Außer den erwähnten Kleinigkeiten, die sich aber zum Teil aus meiner spezifischen Arbeitsweise ergeben, kann ich keine Schwachstellen an der Hardware entdecken. Die Tabletts und die Eingabetools tun genau das, was man von ihnen erwarten darf: sie funktionieren! Und zwar problemlos. Was man ja noch lange nicht von jeder Hardware behaupten kann, oder? Richtig ausreizen lassen sich die Möglichkeiten der Tabletts aber erst mit den zusätzlichen Eingabetools, die ich jedem professionellen Anwender nur ans Herz legen kann. "Intelligente Werkzeuge für produktive Computerarbeitsplätze" lautet die Headline auf dem Intuos Product Guide, der jedem Tablett beiliegt. Stimmt!

Kommentare

ergonomische Fehlkonstruktion - Wacom - Intuos 2 A6 Grafiktablett

Von: Th.Schwarze | Datum: 23.01.2004 | #1
seit ca einer Woche bin ich Besitzer eines Intuos 2 A6 Grafiktabletts.
Die Größe habe ich bewußt gewählt, da ich mit den großen Tabletts zuviel hin und herrudern muß.

Leider verursacht eine längere Benutzung nicht unerhebliche Schmerzen am Handgelenk.
Die Folienkante schürft regelrecht an der Haut.

Ergonomisch eine fatale Fehlkonstruktion, die Kunststoffauflage im Handballenbereich erhaben und gleichzeitig

unangenehm scharfkantig zu fertigen.

Wie haben sich die Entwickler stundenlanges Benutzen unter diesen Bedingungen vorgestellt?

Tesafilm darüber zu kleben ist optisch unakzeptabel und beim Anheben der Kunststoff-Folie unpraktikabel.

Soll man sich - wie am Schleifstein - mit Pflastern versehen?

Wenn Wacom bereits bei der Kunststoffspritzform eingespart und die Bündigkeit verworfen hat...........
hätte wenigstens der Hand-Auflagebereich angephast werden müssen.......

Eine kleine Mulde zum "Drunterfassen" wäre richtig nett gewesen.
Nicht jeder hat lange Fingernägel. ;-))


Jetzt habe ich mir noch mal das wesentlich preiswertere A6 "Graphire" angesehen........
Hier ist die Kunststoffauflage schlauerweise bündig in die Arbeitsfläche eingelassen.
Nichts zerschürft die Haut.
Und - es gibt sogar eine kleine Griffmulde. (Geht doch...)

Somit ist die Auflage des preiswerten "Graphire" nicht schmerzhaft und man braucht am Arbeitsplatz weder Nagelfeile

noch anderes Werkzeug, um die Folie anzuheben.


Bei der "Weiterentwicklung" eines Produktes hatte ich erwartet, daß der teurere Nachfolger nicht verschlimmbessert

und mit einem derart eklatantem Mangel behaftet ist.

Vielleicht fällt Wacom eine Lösung ein, wie die Folie im kritischen Bereich ergonomisch akzeptabel gestaltet werden

kann oder holt bereits bewährte Lösungen aus der Schublade.


In dieser Ausführung kann man damit nicht längere Zeit schmerzfrei arbeiten.

Der hilfsweise übergestreifte Pulswärmer dürfte im Sommer erheblich stören...... ;-))

Für das Intuos A6 muß erst mal Hornhaut am Handgelenk aufgebaut werden.............