ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1099

7 Tage im Leben eines neuen iBooks

Tagebuch eines Durchschnitts-Users

Autor: wp - Datum: 01.06.2001

1.Tag: Montag gegen Nachmittag

Endlich ist es soweit: ich halte mein neues iBook in den Händen. Klein kommt es daher (fast wie ein Subnotebook), weiss glänzend mit dem in der Mitte eingesetzten durchsichtigen Apple-Logo. Ist ja niedlich, denke ich mir so und öffne es zum ersten Mal. Aha, wie gewohnt, die übliche Aufforderung, die System-CD einzulegen zur Erstinstallation des Software-Paketes. (Neben MacOS 9.1 enthält dies Apple Works, FaxSTF, iTunes 1.1, iMovie 2, IE und Netscape Communicator fürs Internet sowie CroMag-Rally, Bugdom und Nanosaur als Spiele.)

Tja, dann mal ran ... CD rein und los. Zeit, einen genaueren Blick auf Apple`s Kleinstes zu werfen. Wie es da so steht: mit aufgeklapptem Display, mit dem ersten Strom via neckischem Apple-Ufo-Netzteil versorgt und nun leuchtendem Logo auf der Rückseite (das auch "richtig herum gesetzt ist" wie beim grossen Bruder) - es wirkt so "silber-grau" schimmernd im Innenbereich mit weisser Tastatur und weisser Umhüllung aussen, irgendwie edel, jedenfalls in meinen Augen einfach schön.

Geht da jetzt schon ein wenig der verfrühte Besitzerstolz mit mir durch? In emotionsloses Techniker-Deutsch verpackt lautet die Umschreibung für oben genanntes Aussehen: "widerstandsfähiges Gehäuse aus Polykarbonat mit internem Magnesiumrahmen..." naja, so kann man es auch sagen.

Das Display misst 12,1 Zoll, "klar, ziemlich mickrig.." raunt so ein Teufelchen in meinem Kopf, doch dann fallen mir die irren Jugendlichen mit ihren SMS-Orgien an winzigen Handy-Displays wieder ein, und dagegen... aber lassen wir das!

So vertraue ich auf Apples gewohnt gute Beachtung der Interface-Ergonomie und warte ungeduldig auf das Ende der Software-Installation. Und in der Tat, nach dem ersten Ausprobieren der Software-Komponenten ist das physikalische Grössen-Manko des Displays kaum mehr merkbar. Sicherlich ist mir bewusst, das die dargestellte 17 Zoll-Monitorauflösung (also 1024x 768 Pixel) auf dem Display wesentlich kleiner ist, als dieselbe Auflösung an meinem 19 Zöller, doch ist der TFT knackig scharf. Das Arbeitsfeeling vom subjektiven optischen Eindruck des Desktops ist derart gleich und gewohnt, dass nach einer 1/2-stündigen Einarbeitung in die Optik es kaum mehr auffällt, wie "reduziert" ich hier rummache.

Vielmehr ist mir nach gewisser Zeit völlig unverständlich, warum ich bisher meinen 19-Zöller mit so einer "riesig" anmutenden Darstellung verschwendet habe. War ich bis vor diesem historischen Montag blind, oder was? Wie ist der Mensch doch ein Gewohnheitstier!

Man hat also gut daran getan, diese "Auf"-Lösung bei Apple zu integrieren. An dieser Stelle verschwende ich mal keine weiteren grossen Ausführungen über die wohlbekannte mitgelieferte Software. Sie werden die darauffolgenden Tage im Einzelnen durchaus im Alltag Erwähnung finden. Der Rest des Tages verfliegt im "Herumspielen" mit diesen Komponenten.

2.Tag: Dienstag, und ich habe den ganzen Tag Zeit (Jubel)

Tss, habe noch gar nicht erwähnt, für welche Version des iBooks ich mich entschieden habe. Nun, es ist die mit integriertem DVD-Laufwerk. Für mich die beste Kosten-Nutzen-Rechnung. Ein Brenner ist sowieso vorhanden und wer weiss, Daten-DVDs werden vielleicht doch irgendwann in relevanten Stückzahlen einmal erscheinen. Zugegeben, der total dekadente Gedanke des Abspielens von Video-DVDs unterwegs fasziniert mich ebenso. Bitte Nachsicht mit diesem armen Irren!

Aber in meiner Ausstattung fehlt noch was: mächtig RAM!! Also nachgeholt und eingebaut bei meinem Apple-Fachhändler. Da die Preise es gerade zulassen, muss es natürlich schon ein 256MB-Speichermodul sein. Dieses mobile Gerätchen ist denn nun mit insgesamt 384MB RAM für alle folgenden Schandtaten bereit! Jetzt hat es (allgemeines Kopfschütteln) sogar mehr Arbeitsspeicher als mein Desktop-G4 zuhause! Nach geraumer Wartezeit ist der Einbau auch erledigt. Der Techniker vor Ort informiert mich, das dies eben nicht so trivial gewesen sei. ..???.. Verwundert nehme ich dies zur Kenntnis und teste zuhause sofort, was er denn meinen könnte. Liegen doch die nicht ausführlichen, aber schön bebilderten Print-Dokumentationen von Apple bei mir rum. Fairerweise sollte ich erwähnen, daß die digitale Version im Hilfe-Menü des Systems weiter ausholt, aber welcher langjährige User läßt sich dazu herab?

Jedenfalls sagen mir diese bunten Bilderchen, dass quasi ein Kleinkind mit RAM klarkommen könnte. Man hebe die Tastatur an, dann die Abdeckung der Airport-Karte beiseite und, voilà, der Steckplatz liegt vor einem. Hier sitzt zwar ein technischer Banause vor der Kiste, aber ermuntert von diesem indirekten Aufruf und den "ängstlichen" Techniker mitleidig belächelnd mache ich mich also ans Werk. Beachten sollte man, dass nicht nur der Netz-Anschluss, sondern auch die Batterie vor einem solchen Eingriff entfernt werden sollte. (Das wird mit einem gerade zur Verfügung stehenden Gabel-Stiel für den Schraubverschluss erledigt.) Nun wende ich mich dem Öffnen des Gerätes zu.

Die Tastatur an zwei neuralgischen Punkten nach vorne gedrückt, dann entschlossen angehoben, fabriziert neben dem Gewünschten erstmal einen "wunderschönen" Abflug der F1-Taste. Wo ist die denn jetzt hin? Suchen gehen. Wenn ich die nicht wiederfinde, muß ich das Gerät am Ende noch einschicken... Ganz toll! Oh, oh, oh ... Zuviel Kraft aufgewendet, wie? Angstpegel steigt, das Warum erörtern wir später.

Weiter geht's . Ich erahne bereits mein Martyrium: zwei äusserst filigrane Schräubchen trennen mich vom RAM-Slot. Soll ich es damit gut sein lassen? Ach was, ein falscher Entdeckerstolz hat von mir Besitz ergriffen, so dass ich mir den zufällig vorhandenen "Uhrmacher-Schraubendrehersatz" packe und weiter mache. Klar, es kommt, wie es kommen muss. Eine Schraube gehorcht zu sehr der Schwerkraft und versenkt sich im Teppichboden meines Computer-Zimmers! Alarmstufe-Rot! Keiner darf mehr rein, nichts mehr raus, bis Sie gefunden ist. Nach harten 20 Minuten Herumgesuche und tausend Abbitten für meine Einfalt taucht das Ding wieder auf und wird verschraubt. Nur die davongeschwebte Taste steht meinem einigermaßen geglückten Ausflug in das Reich der "Schrauber" entgegen.

Tastatur: an sich ein nettes Prinzip! Falls mal eine Taste verschleißt, kann man Sie mit einem leichten Druck auf ihre Rückseite vom Rest lösen, doch aufgepasst, der Weg zurück ist durch Schnappverschluss wesentlich schweisstreibender. Die Blamage vor Augen, mit einem halbzerlegten iBook vor das Angesicht meines Händlers zu treten, treibt es mich zum finalen Kraftakt. Ich zwinge die Taste wieder in ihre vorbestimmte Position.

Nochmal davon gekommen und drei Kreuze gemacht. Wollte zwar den Tag ganz was anderes mit dem iBook realisiert haben, bin aber letztendlich froh, dass es noch "lebt" und belasse es dabei. Stelle mir beim Einschlafen noch vor, wie es wäre, wenn ICH die HD, statt 10 Gigs mit 30 Gigs, austauschen sollte. Schlafe sehr unruhig!

3.Tag: Mittwoch - nun aber los

Stehe extra mitten in der Nacht auf, um zeitig mein iBook für den Tag zu konfigurieren. Es ist 8:00 Uhr, als ich den Einschaltbutton drücke! Heute ist Uni-Tag, jetzt soll es zeigen, was es kann. Neben dem Arbeitsaspekt soll auch das Multimediale nicht fehlen (wer weiss, wen man alles so trifft). Also iBook via Ethernet + Hub an den G4 angeschlossen, schliesslich liegt dort alles, was ich für den Tag brauchen könnte.

Hmmh. Das sind ja samt iTunes-Dateien fast 7 Gigs an Daten, also nicht über 10Mbit Verkabelung, sonst sitze ich ja noch in ein paar Stunden hier. Da -- der goldene Einfall! Habe ich nicht in irgendeinem News-Listing von der Möglichkeit gelesen, die Powerbooks und G4s über firewire als normales Volume mounten zu lassen? Mist, wie hieß denn noch gleich der Kurzbefehl dafür? Mal nachfragen! Ab ins Netz und zum nächsten Mac-chat gelinkt. T (T für target) müsse der richtige Tastendruck sein, so die prompte Antwort. Ich liebe diese community! Mein Helfer hatte natürlich recht, als ich beim Neustart die Taste T drücke, erscheint am Bildschirm des iBooks das Zeichen für firewire und schwupps ist es als Volume beim G4 gemountet. Phänomenal und sehr praktisch, ist doch der 7 Gigs-Ordner in kurzer Zeit übertragen (Boahh).

Später im Hörsaal: Lasse mein iBook eingepackt -- mittippen ist mir doch zu affig, geht schneller auf ein Blatt Papier. Auch wenn da manche meinen, mit ihren Vaios müssten Sie es unbedingt tun. Arme Lichter...man kann es auch übertreiben...

Mittag, hah. Jetzt ab in die Pause und in die Sonne. Die Bücher bleiben in der Tasche, nur das Book kommt raus. Nichts. Der Mac fährt brav hoch, doch hier in der Sonne keine Chance, auch nur irgendwas auf dem TFT zu erkennen. Man sollte eben nicht immer die nettgemachten Werbe-Trailer so wortwörtlich nehmen. Dort geht das natürlich, aber hier im "Feldversuch" ... Okay, Verstand einschalten, ab in den Schatten unterm Baum. Alles okay hier. Dann der neue Aspekt: hier herrscht Pollenflug - argh, meine Tastatur! Gut, lassen wir das mit draussen, ab in die Cafeteria.

Mal gucken, wie das mit Excel hier so geht. Komme natürlich wieder nicht dazu, da mich die ersten neugierigen Kommilitonen anfangen zu löchern. Die üblichen Vorurteile werden geäußert (oh Gott!) und verstummen nach einer kleinen Einführung Multimedia a la Mac. Klar, mit Arbeiten ist nicht mehr, also eben wieder ein Stück Missionarsarbeit. Ich zeige iMovie, schneide das Tutorial hin und her, setze Effekte, Titelüberblendung, schalte, während das iBook rendert, iTunes ein (Sound macht Wartezeit angenehmer) und zeige die besten features. Derweil ist iMovie fertig, kurz gezeigt: das Ergebnis in Vollbild.

Nun, der Widerstand ist schnell verstummt, aber übereifrig hake ich nach mit quicktime + paar movs vom Apple-Kino-Trailer-Park. Jetzt werde ich warm. DVD ins Laufwerk und Film gestartet. Mittendrin klappe ich den Bildschirm zu, schicke mein iBook in den Ruhezustand. (Allein der blaugrau leuchtenden Kontrollampe wegen, die sonst nicht sichtbar im Gehäuse schlummert, einen Blick wert). Starte wieder und das iBook beginnt dort, wo es grad aufgehört hatte, da DVD-Player kurzerhand den Film auf Pause gestellt hat. Irgendwie vergesse ich die anderen Leute, die das Kleine sowieso jetzt mit anderen Augen sehen, und bin selbst überrascht von Performance und Handhabung

Zuhause wende ich mich endlich den überfälligen Benchmark-Tests zu: Norton und Cinema 4D-BenchTest. Da habe ich es, Schwarz auf Weiß: 30 Prozent langsamer als mein G4/450. Damit kann ich leben!

4.Tag: Donnerstag, Feiertag

Zeit zum Spielen! Habe Deus-Ex, Elite-Force, diverse Strategiespiele sowie die mitgelieferten Pangea-Titel etc. im Test, aber heute draußen unterm Sonnenschirm. Aus dem Test wird Spaß, so dass ein ganzer Nachmittag fürs Zocken draufgeht. Auch ein nettes Ergebnis. Genug für den Tag.

5.Tag: Freitag!

Bin bis abends ohne mein schon liebgewonnenes iBook. Werde ich die Trennung überleben? Heute sollen aber zwei Leute mit total unterschiedlichen Anforderungen an Performance das Gerät testen. Möchte doch wissen, was eine Anfängerin auf der einen Seite als auch der DTP-Profi auf der anderen zum iBook sagen.

Das Fazit am Abend: Beide finden das Design sehr gelungen. O-Ton: "Sieht wirklich besser aus als auf den Bildern." Zum Handling wird dringend zu einer USB-Maus geraten, da das schnelle Arbeiten mit Trackpad doch gewöhnungsbedürftig ist. Nachdem die USB-Anschlüsse beide links sind, sollte das Kabel lang genug sein.

Dem Ansprechverhalten und Handling der Tastatur wird von beiden Respekt gezollt. Das TFT-Display wird als "hervorragend" gelobt. Zur Power des iBook: Es ist klar, dass DTP - wenn schon am Laptop - eher am G4-Titanium vollzogen werden sollte. Doch zeigt sich das iBook mit Photoshop 6.0, Freehand 8 und Dreamweawer 4 durchaus in der Lage, zeitlich brauchbare Ergebnisse zu liefern. Hierbei wurde allerdings das iBook an einen 19 Zoll-Monitor via mitgeliefertem Adapter angeschlossen.

Als Zweitgerät für unterwegs durchaus interessant - falls es nicht auf Top-Power ankommt, so das erstaunliche Fazit aus dem Profi-Lager. (die Pi mal Daumen 3000 DM Preisunterschied zum Titanium spielen auch keine unerhebliche Rolle bei der Aussage, schätze ich.) Die Reaktion der Anfängerin: sie wollte das iBook gar nicht mehr abgeben! Frechheit sowas :-)

6.Tag: Samstag, Mac OS X und iBook

Mache eine Neuinstallation der ganzen Platte. Classic + MacOS X drauf und gestartet! Optischer Eindruck: Das Display kommt prima mit dem Anti-Aliasing der Schrift zurecht. Naja, die Performance... sage ich mal nichts zu, ab ins Netz und bis 10.0.3. upgedatet. Doch Pustekuchen, kein grosser "subjektiver" Unterschied. Jetzt kommt die fehlende Velocity-Engine G3 versus G4 deutlicher zum tragen. (Wie auch eigentlich nicht anders erwartet.) Der "Aqua-Finder" bleibt weiterhin so träge wie Sirup. Hier geht doch alles noch bedenklich ruckhafter und zeitraubender als an meinem Desktop-Rechner.

Nein, so meine Entscheidung, das ist noch nichts für das iBook! Neu-Initialisierung und die Platte über Firewire mit dem Back-up wieder in den alten Zustand versetzt.

7. Tag: Sonntag

Fußball "is coming home" in den Pott. Bin eigentlich kein Schalke-Fan, doch ist der Lokal-Patriotismus zumindest soweit fortgeschritten, dass ich mir mit Freunden die DFB-Pokal-Siegesfeier in Gelsenkirchen nicht entgehen lasse. iBook bleibt zuhause, muss aber abends herhalten, in lockerer Bierlaune das mitgebrachte DV-Material zusammenzuschneiden.

8. Tag: Montag und Zeit für eine Bilanz

Das Wichtigste vorweg: Ich habe es keine, aber wirklich keine Minute bisher bereut, mir dieses neue iBook gegönnt zu haben. (Im Vorfeld war ich mir da gar nicht so sicher.) Klar, dass ich das sage, wer stellt sich mit seinen Kaufentscheidungen denn selbst ins schlechte Licht :-)

OK. Ich reiße mich zusammen und versuche für ein paar Sätze so emotionslos wie möglich zu sein! Was gibt es Negatives über das iBook zu sagen:

Da wären... nun nichts... nichts Wirkliches, selbst beim kritischen Blick. Das macht mich natürlich skeptisch, so etwas gibt es nicht, spricht die Lebenserfahrung. Doch weder der immer noch vorhandene 66MHz-Systembus fiel im Alltag spürbar ins Gewicht, noch kann man es dem Gerät anlasten, dass TFT-bedingt die Auflösungen 800*600 oder 640*480 Pixel aussehen, als wären Sie vor der Darstellung durch den Weichzeichner gegangen. Man muss für gut lesbare Schrift schon in der 17 Zoll-Auflösung verbleiben, bei Spielen fällt diese Unschärfe im Schriftbild naturgemäss nicht auf, so dass Umschaltungen in diese Modi kein Problem sind.

Von den Stereo-Lautsprecherlein sollte man außer Sound mit leichtem Hang zum Scheppern nicht viel erwarten, und das Trackpad ist kein "schneller Ersatz" zur Maus (besonders nach ein paar Bier am Sonntag Abend - gut, dass keiner sehen kann, was ich da zusammengeschnitten habe.) Für mich sind das aber Peanuts, es wäre unfair diesem Rechner gegenüber, darauf herumzureiten.

Es bleibt nach dieser Woche der Fakt: es ist ein mobiler iMac. Nun völlig ohne jede Einschränkung und Makel. Alle Anschlüsse, die man braucht oder jemals brauchen könnte (siehe AV-Ausgang neben VGA-Port), kombiniert mit einer leistungsstarken Hardware und umhüllt von einem "coolen" ice-Design. Apple ist ein großer Wurf gelungen. Das will ich gut besehen unterschreiben:

Euer Rüdiger.

Kommentare