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ARCHIV :: # 1100

Groß, größer, am größten

MacGuardians Profi-Testbericht Teil 2: Die beiden größten WACOM Intuos Grafiktabletts

Autor: wp - Datum: 25.06.2001

Wie der vorangegangene professionelle Anwendertest wurde auch dieser über einen Zeitraum von etwa 2 Wochen im Rahmen für die Werbebranche üblicher Illustrationsjobs durchgeführt.

Getestet wurden diesmal: WACOM Grafiktablett Intuos A4 Oversize und Intuos A3.

Als Hard- und Software kamen zum Einsatz: Apple PowerMac G4/450 Dual CPU mit 768MB RAM, Apple 22"-Cinema-Display, Adobe Photoshop 6.0 und Corel Painter 6.0 sowie die Eingabewerkzeuge Intuos Pen, Stroke Pen, Inking Pen und Airbrush.

Na also, geht doch!

Bevor wir uns mit den beiden Riesen im Wacom-Programm beschäftigen, den Intuos-Tabletts A4 Oversize und A3, noch eine Anmerkung zum vorangegangenen Test. Es hatte da ja ein kleines Problem mit dem Intuos Inking Pen gegeben, der partout nicht funktionieren wollte. Nun, nachdem Wacom das natürlich nicht auf sich sitzen lassen konnte, hat man mir umgehend einen neuen Inking Pen zugeschickt. Diesmal kein Rezensionsexemplar, das schon durch viele Hände gegangen war, sondern ein fabrikfrisches Teil. Und siehe da: Funktioniert! Sprich: mit der kugelschreiberähnlichen Mine lässt sich auf einem über das Tablett gelegten Stück Skizzenblock schnell etwas scribbeln, während die elektronische Komponente des Stifts die Skizze zugleich auf dasTablett und damit auf den Bildschirm überträgt. Offenbar war der erste Stift lediglich in unsanfte Hände gefallen. Womit einer der ganz wenigen Kritikpunkte des letzten Tests sich erledigt hat.

Ist größer wirklich besser?

Doch heute will ich endlich mal mit den richtig großen Jungs spielen, den Wacom Intuos Tabletts A4 Oversize und A3. Jetzt, wo wir die Software schon kennen und auch nichts mehr zu den Eingabegeräten sagen müssen, will ich mich ein wenig mehr auf die beiden Tabletts selbst konzentrieren.

Mehr Größe hat sowohl Vorteile als auch Nachteile. Die Vorteile liegen auf der Hand: Lange Linien können ohne Absetzen durchgezogen werden, Formen bis über A5 hinaus im Originalformat angelegt werden, was wichtig ist für Reinillustrationen, von denen später gedruckt werden soll, besonders großflächige Airbrush-Arbeiten mit komplizierten Verläufen sind eine Leichtigkeit.

Architektur

Wacom und die Gesetze der Physik

Allerdings hat das Ganze eine physikalische Konsequenz: Je größer das Tablett desto größer muss der Bildschirm sein! Ein Tablett, das größer als A4 ist, mit einem Monitor zu kombinieren, der 19 oder gar nur 17 Zoll Diagonale hat, ist nicht zu empfehlen. Klar, prinzipiell geht es schon, Wacom sieht dazu im Tablett-Kontrollfeld eine "proportionale" Einstellung vor, es kann aber zu Ungenauigkeiten führen. Was sich in der Praxis bewährt, sind deshalb folgende Kombinationen: A4 Oversize mit 21 Zoll CRT- oder 17 Zoll TFT-Display und A3 mit 24 Zoll CRT oder 22 Zoll TFT-Display. Oder alternativ mit 2 Monitoren, zum Beispiel mit 21 und 17 Zoll (bzw. 15 Zoll TFT), von denen der Kleinere ausschließlich für die Abbildung der Fenster bzw. Werkzeug-Paletten des jeweiligen Programms benutzt wird und der Hauptmonitor ausschließlich die Arbeitsfläche zeigt. Da der Rechner die beiden Displays als ein einziges behandelt, ist das eigentlich die optimale Lösung.

Kosmetik Closeup

Denn nichts nervt beim Arbeiten mehr, als wenn die gerade bei PhotoShop oder Painter inflationären Tool-Paletten, Werkzeugeinstellungen, Musterbibliotheken und Ebenenfenster die eigentliche Arbeitsfläche verdecken und immer wieder verschoben oder gar weggeklickt werden müssen! Insbesondere, wenn man wie ich sehr oft mehrere Illustrationen gleichzeitig bearbeitet (TV-Storyboards) und zugleich eine Menge Fenster offenhalten muss, ist die Kombination aus Intuos A3 und Apple Cinema Display schon nicht von schlechten Eltern.

Multi

Ein Vergnügen, aber ein teures!

Spätestens da wird klar, dass die Anschaffung eines Tabletts, das größer als A4 ist, massive Folgekosten auslöst, gegen die sich die Wacom-Preise mit rund 1.200,- DM (Straßenpreis ca. 1.000,- DM) für das A4 Oversize und 1.700,- DM (Straßenpreis etwa 1.450,- DM) für das A3 vergleichsweise bescheiden ausnehmen. Andererseits wird sich niemand, der nicht sein Einkommen damit bestreitet, ein solchen Tablett zulegen. In Kombination mit einem großen Monitor kommt dann einiges zusammen, was sich in der Steuererklärung später steuermindernd bemerkbar macht. ;-)

Tja, und dann muss natürlich ausreichend Platz (Tiefe!) auf dem Schreibtisch vorhanden sein, um die sperrige Kombination aus großem Tablett und großem Monitor überhaupt unterbringen zu können. Ich habe hier mal ein Foto gemacht, um den Platzbedarf der beiden großen Tabletts zu dokumentieren!

Platzbedarf

Für die Tastatur bleibt da kaum mehr Platz auf dem Tisch. Wodurch die erfreulich große Zahl mit Funktionen belegbarer Befehlstasten auf der Oberseite der beiden Tabletts plötzlich sehr wichtig wird. Einfach, weil man die Tastatur dadurch nur noch für Texteingaben braucht. Und Illustratoren texten ja eher selten...

A3 quer

Ach ja, und beide Großtabletts haben gegenüber den kleineren Formaten noch ein weiteres Feature zu bieten: beide verfügen über jene aufsteckbare Halterung für drei verschiedene Eingabetools, die ich im ersten Test beim Intuos A5 und A4 regular so schmerzlich vermisst habe.

Halterung

Ansonsten gibt es zur Funktion weiter nichts zu vermelden. Die Sensibilität ist gewohnt erstklassig, die Verarbeitung dem Preis angemessen, und man merkt allen Details die langjährige Wacom-Erfahrung an. Deshalb bekommen auch die beiden "großen Jungs" im Wacom-Intuos-Programm von mir eine klare Kaufempfehlung, verbunden mit meinem persönlichen Tipp: Wenn schon groß, dann gleich A3! Zumal ein ausgereiftes Grafiktablett sehr wertbeständig ist und längst nicht so schnell veraltet wie der Rest der Hardware.

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