ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1102

Hochfrequentes von IBM: G3-Prozessor mit 1 GHz

Autor: wp - Datum: 30.10.2001

Beim Start des Microprozessorforums am 15. Oktober in San Jose, Kalifornien, stellte der Computergigant und ehemalige Apple-Feind IBM eine verbesserte Variante seines PowerPC G3 Chips vor. Die bereits in den aktuellen iMacs und iBooks verbaute CPU 750CX mit integriertem kleinen aber schnellen L2-Cache wurde auf Taktfrequenzen zwischen 700 MHz und 1GHz gehievt, wobei gleichzeitig die Grösse des L2-Caches auf 512 KByte verdoppelt wurde. Dies übrigens, obschon IBM letztes Jahr kommentierte, die 256 KByte des 750CX würden reichen und eine Implementation von 512 KB würde den Chip massiv verteuern aber die Performance nur um 11% steigern. Offenbar hat man nun gemerkt, dass die Programme in letzter Zeit fetter geworden sind. Uns soll diese Cache-Zulage jedenfalls freuen.

Der neue Chip kommt sehr modern daher - IBM hat ihm den neuesten verfügbaren Produktionsprozess spendiert. Dies bedeutet eine Strukturgrösse von 0.13 µm sowie SOI und SiLK (eine weitere Isolationstechnologie). Diese Schritte waren notwendig, um das G3-Design auf die hohen Taktraten zu beschleunigen. Immerhin begann der G3 sein Leben mit 233 MHz. Der neue G3 ist eigentlich kein neuer G3, sondern ein verbesserter G3, der neue Technologien einbezieht und auf einfache Migration von den 750CX/e Chips optimiert.

IBM will ihn nach eigenen Aussagen im Januar an die Hersteller samplen, um einige Wochen später mit grossen Stückzahlen aufwarten zu könnnen.

Da mit Erreichen der 1GHz-Grenze der betagte G3-PPC-Systembus immer mehr zum Flaschenhals wird, hat IBM dessen maximale Taktung auf 200 MHz verdoppelt sowie seine Effizienz um 25% gesteigert. In Ermangelung konkreter Datenblätter kann bisher nicht abgeschätzt werden, inwiefern der neue Bus diese Optimierung erreicht und wie es um die Kompatibilität steht.

Der zweite Bonus aber kommt erst - durch die Kombination der angesprochenen Features wie SOI, SiLK und den kleinen 0.13µm kann der neue Prozessor so stromsparend arbeiten wie kaum ein anderer: Unter normaler (typischer) Last soll sein Verbauch unter 4W liegen, bei 800MHz. Bei dieser Frequenz verbrät der neue G4+ schon weit über 20 Watt. Der gesamte Kristall des 750FX misst nur knapp 35 Quadratmillimeter (5x7mm!) bei 39 Millionen Transistoren. Dies verspricht vergleichsweise günstige Produktionskosten.

Eigentlich nur schade, dass der jüngste Sprössling aus der G3-Familie weiterhin keine SIMD-Erweiterung spendiert bekommt, die den G4 auszeichnet und unter dem Marketingnamen AltiVec bekannt ist. Die Fabrikationsdaten des 750FX würden es m.E. erlauben, AltiVec einzubauen, denn der benötigte Platz auf dem Silizium wäre relativ klein. Allerdings würde diese Multimedia-Einheit auf einem G3-Bus wahrscheinlich mehr warten als arbeiten, denn AltiVec leidet schon bei allen G4-Chips unter der Bandbreite des Speicherbusses.

Da der G3 aber nicht als High-End Prozessor positioniert und entwickelt wurde, kann und darf er zumindest theoretisch nicht mit dem G4-Chip in Konkurrenz treten - wenngleich er dies praktisch doch tut, da alltägliche Applikationen kaum von multimedialen Fähigkeiten profitieren und der G4 schließlich hauptsächlich in diesem Gebiet auftrumpfen kann.

Weiterhin unerfüllt bleibt der Wunsch, einen richtigen High-End G4 Prozessor zu erhalten. Einen, der sich abgesehen von der AltiVec-Einheit leistungsmäßig besser abhebt. Obschon Motorolas G4 hübsch Kraft besitzt, kann er eigentlich nicht mit den jüngsten AMD K7 Designs mithalten, weil diese deutlich leistungsfähigere und zahlreichere Subeinheiten auf dem Chip besitzen. Wiederum aber möge der Leser bedenken, wie gut sich die PowerMacs im Feld schlagen - trotz nicht enden wollender Unkenrufe hinsichtlich nicht kompetitiver Hardware und angeblich veraltetem MacOS 9.x. Ganz offensichtlich hinkt das Design der Mac-Hardware eben doch nicht so hinterher wie uns die MHz-Freaks weismachen wollen.

Für diesen Bericht wurde Material von IBM und MacCentral verwendet.

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