ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1118

Ragtime - das ideale Tool für Text, Layout und Tabellenkalkulation

Warum Word, wenn es auch einfach geht?

Autor: wp - Datum: 01.03.2002

Sie müssen mit Texten arbeiten? Diese in ein ansprechendes Layout einbinden und möchten die passenden Formen teilweise selbst zeichnen? Ach, und ein bisschen Tabellenkalkulation soll auch noch rein? Das Ganze natürlich in einer möglichst unkomplizierten, intuitiven Anwendungsumgebung, Mac-like eben. Kein Problem, zumindest mit dieser Software. Auch wenn viele der Meinung sind, diese Funktionen bekommt man nur in einem Office-Paket, Ragtime 5.6 bietet alles und zwar in einer einzigen Anwendung! Dabei ist das Programm für Privatnutzer auch noch kostenlos. Seit 1985 gibt es Ragtime für Macs bereits und nun mit der Versionsnummer 5.6.1 - Grund genug, es zu testen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ragtime importiert ohne Schwierigkeiten die meisten Dateiformate, unter anderem Word- und Excel-Dokumente (inklusive Formatvorlagen, eingebundenen Bildern, ...), aber auch Ton oder Film! Vorbei also die Zeiten, da man Word nutzen musste, weil viele Kunden Texte als Word-Dokumente liefern.

Entgegen meinen ersten Versuchen mit Word, welche teilweise frustriert mit dem Aufrufen der Hilfe endeten, fiel mir der Einstieg in Ragtime leicht. Für ganz frische Einsteiger lohnt es sich, ca. eine halbe Stunde zu investieren und sich die Einführung anzusehen.

Das Programm arbeitet rahmenorientiert, man kann aus einer vielfältigen Palette wählen oder auch frei zeichnen. Die Inhaltsart des Rahmens bestimmt seinen Einsatz und ist definierbar (Text, Bild, Rechenblatt, Infographik, Film, Ton...). Um einen Rahmen, egal welchen Inhalts, zu skalieren, drehen, verschieben oder Text einzufügen, benötigt man lediglich das Pfeilwerkzeug. Im Gegensatz zu manch anderem Layout-Programm muss man also nicht ständig zwischen verschiedenen Werkzeugen hin- und herspringen. Für exakte Änderungen öffnet man das Fenster Objektkoordinaten und kann nun alle relevanten Daten des ausgewählten Objekts (Position, Größe, Neigung, Radius der Ecken, ...) mittels numerischer Eingabe bearbeiten. Die Option, die Einheiten auf Zentimeter einzustellen, kommt meiner Arbeitsweise sehr entgegen. Noch mehr Möglichkeiten der Änderung bietet das Informationsfenster, Objektname, Stil, Füllung, Linienart usw., alles auf einen Blick.

Mehrere Objekte ausrichten oder anordnen, Textstil bearbeiten, Tabulatoren verwenden, Datum einfügen, ... - diese Software lässt kaum Wünsche offen und erfreut den User durch die intuitive Handhabung. Manche Befehle sind zwar ein wenig versteckt, aber da die Tastatur-Kürzel frei definierbar sind, so what? Leider stößt man trotz aller positiven Merkmale sehr schnell auf einen Kritikpunkt: lediglich der letzte Arbeitsschritt lässt sich rückgängig machen.

Nun zu dem Begriff der lebenden Dokumente. Jedes Dokument verfügt über ein Inventar, in welchem alle verwendeten Objekte wie Texte, Bilder, Zeichnungen, Farbpaletten, Stile und Vorlagen automatisch abgelegt werden. Verwendet man nun z.B. einen bestimmten Text auf mehreren Seiten und korrigiert diesen im Inventar, wirkt sich die Änderung überall dort aus, wo man ihn platziert hat. Außerdem lässt sich der Inhalt eines Inventars auch für andere Dokumente verwenden.

Eine Tabellenkalkulation lässt sich denkbar einfach erstellen, sogar von einem absoluten Anfänger wie mir: ein Rahmen mit Inhaltsart Rechenblatt, Daten einfügen, berechnen lassen, fertig. Diese kann natürlich auch grafisch dargestellt werden, indem man die Daten per drag&drop in eine Infografik zieht und dann nur noch die Diagrammart bestimmt. Auch hier zeigt sich, was ein lebendes Dokument ist: der Austausch eines Wertes in der Tabelle wird in der Darstellung der Infografik sofort übernommen.

Neu in dieser Programm-Version ist das Tool Slide Time, mit welchem sich aus einem Dokument eine Präsentation erstellen lässt. Die Optionen dieser Diashow lassen sich in den Dokumenteinstellungen festlegen. Außerdem ermöglichen die neuen Farbprofile nun auch die Ausgabe an Druckmaschinen. Für eine Anbindung an ODBC-Datenbanken ist Ragtime ebenfalls gerüstet.

Alles in allem ist Ragtime 5.6 eine sehr gelungene, gut durchdachte Software, die durch die Implementierung der Tabellenkalkulation allen Layout- und Textverarbeitungsprogrammen überlegen ist. Dabei ist es einfach in der Handhabung, verfügt über alle wichtigen Funktionen, man findet sich innerhalb kürzester Zeit zurecht und kann schnell und einfach professionelle Präsentationen erstellen. Dadurch ist Ragtime für mich eine echte Alternative zu Word. Wie bereits erwähnt, ist die Privatversion kostenlos (Download und weitere Infos unter ragtime.de), die kommerziell einsetzbare verfügt zusätzlich über Profile für den farbseparierten Druck und Wörterbücher. Testen Sie doch selbst einmal und freuen Sie sich auf die Bekanntschaft mit dem Eichhörnchen "Roderich", dem Ragtime-Maskottchen. An der OS X Version wird übrigens noch gearbeitet, aber auch diese soll bald zur Verfügung stehen.

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