ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1119

Mit iView MediaPro der "Katalogisierungswut" freien Lauf gelassen

Oder: Wie sich Mr. Hyde selbst therapierte.

Autor: wp - Datum: 19.03.2002

Das Bekenntnis

Ich bin ein Privatanwender!

So stört mich eigentlich keinesfalls ein kreatives Chaos der anwachsenden Datenflut auf meinem Mac oder der mittlerweile äußerst zahlreichen CD-ROMs, und ich nutze die dort verewigten Schätze, die ich eben finden bzw. wieder entdecken kann. "Alles so schön bunt hier" reicht mir dabei als alleiniges Umschreibungskriterium für meine gesammelten Multimediadateien in der Regel völlig aus. Aber dann gibt es plötzlich und unvermutet Tage, da kommt eine Art Mr. Hyde (oder nicht doch eher der brave Dr. Jekyll? Anm. d. Red.) in mir zum Vorschein, der nach Sorgfalt, Übersichtlichkeit und Kontrolle im Wust der Dateien schreit. Es überfällt mich ein Zwang des "alles ganz genau wissen Wollens" und ich mutiere zum Erbsenzähler, zum Karteikartenreiter, zum digitalen Putzteufel penetrantester Güte. Ich murmele etwas von "so geht das nicht mehr weiter" und habe dann jede digitale Peanut lieb, die ich dann "sinnvoll" einordnen und katalogisieren kann. Mein Alter Ego frohlockte schon irgendwann mit dem Ausruf: "Ha, ich besitze 768 Versionen von SimpleText, verteilt auf 278 CDs bei einer Datenmenge von beinahe 170 Gigabyte mit 1,5 Millionen Files in über 76.000 Ordnern." Ist das nicht furchtbar? Na ja, es kommt halt nicht oft vor, solch ein Anfall.

Doch heute ist es wieder soweit. Das Archivierungswerkzeug iView MediaPro aus dem Hause ASH (Application Systems Heidelberg) liegt auf dem Schreibtisch, als sich auch schon prompt mein Hyde'scher Komplex zu Wort meldet und für eine komplette Katalogisierung aller CDs als Testprojekt plädiert. Dazu später mehr. Zuerst sei dem geneigten Leser das Programm in seiner Funktionalität und seinem "look & feel" näher gebracht.

Das Programm

Getestet wird von mir iView MediaPro in der neuen Version 1.4 (neue backup-Funktionalität) unter MacOS 10.1.2 als Arbeitsoberfläche. Die Installation, ein einfaches Herüberziehen des Programmordners auf die Festplatte, ist in Sekundenschnelle erledigt. Nach dem ersten Programmstart präsentiert sich iView MediaPro übersichtlich und klar strukturiert. Keine vieldeutigen Submenüs und Zusatzfenster klappen auf, sondern ein einziger leerer Katalograhmen wartet auf Datenmengen. Die drei Reiter am oberen Rand namens Inhalt, Minibild und Medien versprechen die herrliche Möglichkeit, dass hier das Auge König ist und das Wichtigste an Kataloginformationen auf einen Blick erfasst werden kann.

erster Eindruck

Derart verleitet, bleibt das Handbuch erst einmal geschlossen, und ich ziehe kurz entschlossen mein Festplattensymbol auf das Fenster. 3 Minuten später sind 1275 Dateien als Index abgespeichert.

"Das geht ja fix hier!" schwärmt mein zweites Ich und will schon einmal die CDs zusammensuchen. Doch nicht so schnell, erst will ich einen Blick auf das Katalogwerk werfen. Was hat iView MediaPro denn nun genau vollbracht?

Thema Einblick (Import):

Nun, schlichtweg JEDE Information und JEDE Datei, die eine Grafik, Bild, Animation, Ton, Text, HTML-Code oder Schriftzug auf meiner Festplatte beinhaltet, samt eines Vorschaubildes im Katalogfenster, sind soeben katalogisiert worden. Von jeder Datei wurde quasi ein digitaler Fingerabdruck, ein virtueller Pass samt Lichtbild erstellt, deren Informationsgehalt keine Wünsche offen lässt. Als Importfilter dienen über die kompletten Quicktime-Konvertierer hinausgehend eine Vielzahl zusätzlicher Formate, die schier final wirken. Ich zähle 139 Formate in den Rubriken Bild, Audio, AV/Animation, Illustration, DTP, Font, Text und HTML. Diese beeindruckende "Importomania" ist glücklicherweise auf die individuellen Bedürfnisse reduzierbar, so dass selbst z.B. nur JPEGS ab 100 Kilobyte Größe mit einem bestimmten Datum importiert werden können.

Importfilter

Thema Überblick (Darstellung):

1275 putzmuntere Minibilder prangen mir im Katalogfenster mit den Miniversionen ihres Inhaltes entgegen. Bildhaftes wird per Doppelklick wahlweise mit dem gewünschten Programm geöffnet, oder in der Originalgröße unter der Rubrik Medien dargestellt. Bei den Tönen, MP3s und Filmen startet ein Doppelklick das Abspielen, und bei Schriften wird ein Beispieltext in dem jeweiligen Schriftzug dargestellt. Ach, ist das schön! Und wie ordne ich jetzt und suche nach Bestimmtem?

2 Wege führen zum Ziel. Entweder nutzt man die Suchfunktion mit ihren bis zu 5 gleichzeitig zuschaltbaren ergänzenden und/oder ausschließenden Kriterien über Art, Creator, Typ etc, oder man bedient sich des Makrotools Katalog-Index. Hier sind die wichtigsten und häufigsten Gruppierungswünsche schon aufgelistet. Ein Knopfdruck und ich habe ausschließlich alle Schriften angezeigt, ein Wechsel zu AV/Animation zeigt mir, warum es gut ist, dass ich seit 2 Monaten DSL plus Flatrate habe. Mein Trailerpark in der Größe von 4 Gigs wird angezeigt. Noch ein Klick und ich habe alle Bilder mit einer Farbtiefe von 24-Bit im Katalogfenster. Die Such- und Sortiermöglichkeiten unter iView MediaPro sind derart flexibel und fein einzusetzen, dass selbst die alleinige Darstellung von Bildern mit der überwiegenden Farbhäufigkeit von beispielsweise grün kein Problem ist. Jedes Suchergebnis ist unter der Einordnung Katalog-Sets abzuspeichern und somit immer wieder ohne zusätzlichen Aufwand zu rekonstruieren. Setzt man die derart erfassten Dateien noch unter eine Überwachungsfunktion, automatisiert das Programm beim Öffnen des Kataloges automatisch die zwischenzeitlich gemachten Veränderungen. Wozu aber all dieser Aufwand?

Thema Ausblick (Präsentation):

Dateien finden (sie zu erblicken), um sie in anderen Programmen nutzen zu können ist das Eine, doch der Visualisierungsansatz ist hier konsequent zu Ende gedacht worden. In der aktuellen Version 1.4 bietet iView MediaPro für eine beliebige Anzahl von vorher bestimmten Dateien die Möglichkeit an, daraus eine Diaschau, eine Filmpräsentation, eine HTML-gerechte Galerie, einen Kontaktbogen der Minibilder zum Ausdruck oder auch nur eine Textdatei zur Weiterverwendung in anderen Datenbanken zu erstellen. Komplettiert wird dieser Allrounder in Sachen Archivierung und Anzeige multimedialer Dateien durch eine AppleScript-Einbindung für mögliche Automatisierungsabläufe und einer back-up-Funktion per CD-ROM. Alle Tools funktionieren problemlos, wobei es mir die Filmdarstellung aller Schrifttypen und die geniale back-up-Option besonders angetan haben. Ein Klick und Toast wird gestartet, Medium eingelegt und alle gewollten Dateien werden samt Ordnerhierarchie (wenn man will) automatisch auf dem Rohling verewigt.

Das Projekt

So, nun wird das Computerzimmer zum wahren Hyde-Park. CDs (278) türmen sich in Stapeln griffbereit zum Archivieren, ein leeres Katalogfenster wartet auf Eingabe und alle Importfilter sind auf "on" geschaltet. Los geht der Spaß ...

-CD Nummer 8 ist archiviert. Jeder Indizierungsvorgang dauert ungefähr 7 Minuten, Tendenz steigend. Merke zum ersten Mal ein Abnehmen der Performance bei Suchfunktionen.

-CD Nummer 21 ... ich summe vor mich hin: "eine geht noch, eine geht noch rein," auch wenn der Vorgang nun eine halbe Stunde pro CD einnimmt. iView MediaPro arbeitet auch komplett im Hintergrund weiter, so dass ich meinen Mac auch noch für Anderes nutzen kann (auch unter MacOS 9.2.2.).

Grenzerfahrung

-CD Nummer 33: So, das war’s. Das Programm vermeldet gerade, dass das Maximum von 32.000 Dateien im Katalog erreicht ist und verweigert jegliche weitere Fütterung. Das ist aber auch gut so, hat sich der Katalog selbst mittlerweile auf stattliche 208 MB Speicherplatz aufgebläht und das Handling ist mit "träge wie Sirup" noch nachsichtig umschrieben. An das Sortieren oder gar Suchen nach sinnvoll und sinnlos ist praktikabel nicht ernsthaft zu denken. Die Grenzen sind halt erreicht.

Tage später...

Das Archivieren großer Datenmengen ist und bleibt harte Arbeit. Im Verlaufe verschiedener Ansätze, meine CDs zu katalogisieren, haben sich letztendlich folgende Eckwerte bewährt:

Die Reduktion des Importvorganges auf hochwertige Bilder (TIFF, JPEG), Filme und Schriften. Die Kataloggröße begrenze ich auf ca. 2000 Dateien pro Katalog. iView MediaPro erlaubt das Suchen und Sortieren mehrerer Kataloge hintereinander weg, so dass eine umfangreiche Suche trotzdem gewährleistet ist. Immerhin 7.500 interessante und verschollene Bilder konnte ich so aus dem CD-Fundus archivieren und unter Themengebiete in verschiedene Sets etablieren (vgl. Bild unten). Die Schriften und Filme sind noch in der Arbeit. Die Frage nach dem tieferen Sinn der ganzen Aktion stelle ich mir lieber erst gar nicht. Warum auch, ich bin Privatnutzer, ich darf unlogisch sein. Doch funktioniert diese Datenbank zumindest nun zur vollsten Zufriedenheit und mein Mr. Hyde ist auch ruhiger geworden. ;-)

Themenbildung

Das Fazit

iView MediaPro fasziniert durch ein interessantes und einzigartiges Konzept der Archivierung, Verwaltung und Präsentation von Dateien. Es setzt auf die Kraft des visuellen Eindruckes, auf die intuitive Wahrnehmung des Blickes, ob eine Mediendatei tatsächlich das gerade Gesuchte bietet oder nicht. Es versteht sich nicht in der Tradition eines dateipfad-orientierten Katalogtools a la Tri-Catalog für gigantische Datenmengen, sondern vielmehr als stringenter "Organizer" medialer Dokumente im alltäglichen Umgang und projektbezogenen Einsatz. Die durchdachte und modular gehaltene Arbeitsoberfläche macht es dabei für den Privatanwender erfreulich einfach im Umgang, und der professionell Arbeitende hat mit den sehr individuell einstellbaren Abstimmungen ein mächtiges Programm zur Verfügung. Selbst eindeutige Randgebiete wie eben das Katalogisieren von Magazin-CDs in Massen enden letztendlich zufriedenstellend, der Umgang mit jederzeit verfügbaren lokalen Dateien lässt schlichtweg keine Wünsche mehr offen. Absturzstabilität und ein Preis angesiedelt allenfalls in der obersten Shareware-Region von 100 EUR lassen mich zu dem Schluss kommen: iView MediaPro ist ein starkes Stück Software!

Anmerkung: Ein Absturzverhalten beim Laden von Bilddateien mit defektem Datenteil und ein anscheinendes Darstellungsproblem unter OSX stellten sich als nicht Programm-ursächlich heraus. Deshalb blieben diese Details im Artikel unerwähnt. Vielmehr möchte ich mich an dieser Stelle für die schnelle und kompetente Lösung und Hilfestellung des Support-Teams von ASH in diesen Fragen recht herzlich bedanken.

Kommentare