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ARCHIV :: # 1122

Die 7 - Adobes neue Glückszahl? (1)

Was lange währt ...

Autor: wp - Datum: 08.09.2002

Wie einst im Mai - da hatte Gila Müller sich nämlich mit der ersten OS-X-Version von Adobes Illustrator befasst - wie einst im Mai also hat sie sich erneut einen Happen aus der kalifornischen Softwareküche genehmigt. Recht exquisit diesmal, sozusagen das Filetstück, der Macianer liebster Bilderladen, Adobe Photoshop. Gibt es nach langem Warten ja auch für OS X, und wieder stellt sich die Frage, ob die neue Version, für die immerhin die Ziffer vor dem Punkt hochgezählt wurde, ein derartiges amuse geule ist, dass OS 9 gleich mit gegessen ist und endlich die ganze Mac-Welt das Jammertal des kooperativen Multitaskings getrost verlassen und - semper ad lucem - dem blauschimmernden Licht des AQUA-Screens folgend das gelobte Land der Systemstabilität erreichen darf. Aber halt, schaun wir erst mal, wie sie gemundet hat, die weiche Ware aus dem wilden Westen - den zweiteiligen Feinschmeckerbericht gibt es bei MacReview, zunächst Teil 1. Teil 1 eines 2teiligen Profi-User-Tests

Na endlich!

Viele haben geunkt (wir auch!): Warum dauert das so lange, bis Adobe endlich eine OS X native Photoshop-Version auf die Beine gestellt hat? Und als es dann so weit war, meckerten wieder viele: Ist ja eher eine "kleine" 6.5-Version als eine "große" 7.0 - zu Recht oder zu Unrecht? Das wollen wir in diesem Profi-Test herausfinden.

PS7

Auf den ersten Blick unterscheidet sich Version 7 eigentlich kaum von ihrer Vorgängerin 6. Die GUI ist zwar dem Aqua-Look angepasst, was aber nicht weiter ins Auge fällt; die Toolpalette (Werkzeugleiste) und die Options-Balken oben sind an gewohnter Stelle vorzufinden.

Alles wie gehabt? Der erste Blick täuscht schon gewaltig, was einem spätestens beim zweiten auffällt. Mal sehen, ob Adobe Photoshop 7 tatsächlich das Zeug hat, für viele Mac-User der letzte entscheidende Anstoß zum Umstieg auf OS X zu werden.

Ein kleiner Schritt mit großen Folgen

Denn PS7 bewirkt eine veränderte Arbeitsweise. Das wohl Entscheidende, die wesentliche Innovation, ist die Tatsache, daß PS7 "carbonisiert" worden ist, also native auf OS X läuft. Das hat einiges an Arbeitserleichterung bzw. ökonomischerem Arbeiten zur Folge. Ab jetzt bietet auch PS7 echtes "preemptive multitasking", agiert UNIX-typisch in einem geschützten Speicherbereich und liefert damit ein stabiles, standfestes Arbeitsumfeld. Jeder, der zwei oder mehr Apps gleichzeitig benutzt, was bei den meisten Jobs ja der Fall ist, wird diese Neuerung zu schätzen wissen.

In meinem Fall ist es eigentlich immer so, dass 3 oder mehr Apps simultan im Einsatz sind: PS, Painter, Illustrator, Suitcase und ggf. noch ein Internet Browser. Und man weiß ja, wie frustrierend es sein kann, wenn ein kompletter Neustart nötig wird, nur weil eine einzige App sich gerade mal verabschiedet hat. Mal abgesehen von der Tatsache, dass man beim Arbeiten mit PS oder Painter - wenn es um zeichnerische Dinge geht - nicht nach jedem Strich sichert. Auch wenn man's eigentlich sollte. Mit PS7 ist dieser Stress jedenfalls Spuk von gestern. Dank OS X hat eine abgeschmierte App keinerlei Auswirkung mehr auf andere gleichzeitig geöffnete. PS7 läuft in OS X überaus stabil. Insofern also als erstes Zwischenfazit: Hausaufgaben gemacht, Adobe! Soviel damit zum technischen und etwas "trockeneren" Hintergrund der neuen Version, der auch eher das OS des Rechners betrifft. Damit brauchen wir uns aber nicht weiter aufzuhalten. Denn ein paar neue Features hat PS7 außerdem schon zu bieten. Schauen wir also mal, was es da so gibt...

Wenig Neues, das aber richtig

Da ist zunächst einmal der Datei-Browser, oben in der Optionsleiste rechts zu finden. Der Befehl "Datei-Öffnen" wird somit überflüssig. Denn der neue "Datei Browser" kann auf Grund seiner hohen Funktionalität auf unterschiedlichste Weise genutzt werden. Als Palette oder Fenster genutzt, lässt es sich damit bequem durch die Dateien navigieren, Vorschauen (Thumbnails) begutachten, Dateien öffnen und sogar im Browser selbst umbenennen, rotieren oder gar löschen. Und das Ganze ist zudem auch noch sehr übersichtlich gestaltet, also: gute Benutzerführung.

Datei-Browser

Das größere Feld auf der rechten Seite zeigt eine Übersicht (in Thumbnails) sämtlicher Dateien, die in PS7 geöffnet werden können. Um das gewählte Bild zu öffnen, bedarf es nur eines Doppelklicks auf die vergrößerte Abbildung links unten oder auf eine der abgebildeten rechts. Unterhalb der vergrößerten Vorschau des gewählten Bildes befinden sich zusätzlich präzise Infos zur Datei. PS7 ist z.B. tatsächlich in der Lage zu erkennen, mit welcher Digital Camera die Aufnahme erstellt wurde, und liefert diese Info gleich mit. Ein Hauch von Cumulus weht durch die Gänge. Die Begrenzungslinien der einzelnen Felder lassen sich zudem auch individuell verschieben, um deren Größen zu verändern, und dabei passt sich die Abbildung in der vergrößerten Vorschau links automatisch der neuen Größe an. Sehr cool! Files lassen sich per Drag & Drop von der rechten Seite in einen Folder auf der linken verschieben, so wie man's aus dem Finder gewöhnt ist.

Datei-Daten

Erstes Fazit: Der Datei-Browser ist ein mächtiges Tool

Es gibt natürlich noch einiges mehr, was man im Datei-Browser bewirken kann, aber der kleine Überblick sollte fürs Erste ausreichen. Am unteren Rand des Thumbnail-Feldes rechts befinden sich noch zusätzliche Buttons, mit denen sich die Dateien löschen (Papierkorb) oder rotieren lassen (gebogener Pfeil).

PS7 öffnet dann das gewählte Bild mit angewendeter Rotation. Außerdem lässt sich der Datei-Browser aus der Optionsleiste herauslösen und wie eine zusätzliche Palette, bzw. "Floating Window", einsetzen. Dies ist hilfreich, wenn man permanenten Zugriff darauf haben möchte, falls man umfangreiche Bilddateien bearbeiten muss. Allerdings sollte man dann über ein ausreichend großes Display verfügen, denn der einzige Nachteil des Datei-Browsers ist nun mal der große Platzbedarf. Soviel also zur echten Innovation "Datei-Browser". Ich frage mich insgeheim, warum wir so lange auf eine solch wichtige Funktion verzichten mussten. ;-)

Aber da ist noch mehr

Was hat PS7 uns sonst noch an neuen Features anzubieten? Da ist z.B. die intelligente Funktion "Werkzeug-Voreinstellung". Die Palette dazu befindet sich in Gemeinschaft mit Navigator- und Informations-Fenster, in der Regel am rechten Rand der Workspace platziert. Hier lassen sich sämtliche Werkzeuge mit individuellen Parametern sichern und jederzeit direkt aufrufen und einsetzen. Hat man z.B. bestimmte Beschnittformate für Bilddateien oder Auswahlmarkierungen (mit weicher Auswahlkante) oder eine spezielle Pinselform, die man oft einsetzen möchte - all dies lässt sich zuvor definieren und anschließend in der Palette (oder besser Bibliothek) Werkzeug-Voreinstellung sichern. Das erleichtert die Arbeit ganz enorm. Jetzt muss man nicht wie früher in der Optionsleiste die Parameter eingeben bzw. jedes Mal neu definieren. Sehr hilfreich und praxisorientiert!

WZ-Vorgaben

Wer z.B. von einer rechteckigen Auswahl im Format 640 x 480 Pixel in ein anderes festes Format wechseln möchte, musste dies bisher stets neu einstellen. Dieser Aufwand ist damit vorbei. Das Gleiche gilt auch für bestimmte Pinselstriche oder spezielle Formen, die man erstellt hat und öfter einsetzen möchte. Oder auch ein spezielles Typeface in entsprechender Punktgröße, Farbe, Spationierung und allen übrigen typografischen Parametern. Was die eh schon erfreulichen typografischen Möglichkeiten von PS7 bestens abrundet.

Ein Klick genügt

Mit einem Mausklick hat man sofort alles zur Hand. Was für eine grandiose Zeitersparnis! So wie der Datei-Browser das "Ablage"-"Öffnen"-Menü der Vorversion nunmehr irgendwie alt aussehen lässt, genauso "20th Century" wirkt nun die Werkzeugleiste/Palette aus PS6. Mit diesen neuen Features lässt sich in der Praxis also schon einiges anfangen.

Was es darüber hinaus noch an Neuem gibt, das, liebe PhotoShop-Aspiranten, erzähle ich Euch im zweiten Teil dieses Tests. Bis dann!

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