ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1138

Margen

Autor: wp - Datum: 02.03.2001

von Bertram Haller

Ein Apple Keyboard 3 Mark, eine geile Apple-Lasermouse auch 3 Mark - nein, das sind leider nicht die Kaufpreise. Im Laden kosten Sie 149 Mark. Woher ich dann das mit den 3 Mark habe? Das ist der Spanne, die einem Händler dabei bleibt. Was Apple seinen Händlern an Margen übrigläßt, ist derzeit nur mehr ein schlechter Witz. Die Firma selbst macht bei ihren Geräten immer noch 25% Profit, in besseren Zeiten waren es sogar 27% - die Händler aber bleiben auf der Strecke. Für 3 Mark soll also ein Händler die Peripherie verkaufen, für genau 2% des Kaufpreises? Das kann wohl nicht ernst gemeint sein. Sehen wir uns die Hardware-Preise an: für einen verkauften iMac beträgt die Spanne gerade mal 134 Mark, das PowerBook G4 Titanium bringt dem Händler 633 Mark. Wieviele davon wird er aber verkaufen? Faktum ist, daß Apple die Händler aushungert, was die Margen anbelangt. Die Devise war über lange Zeit, daß man eben Service verkaufen muß, um überleben zu können - und auch da gibt es schwere Einschnitte. Nachdem PowerBooks, iBooks, unter "Direct Service" fallen, werden sie nach Holland eingeschickt. Die Händler verlieren also einen Großteil ihres Reparaturvolumens und das, obwohl einige von ihnen eine Menge Geld in die Reparaturwerkstätten investiert haben. Natürlich reduziert es für Apple die Kosten, die Mängel an den Geräten zentral beheben zu lassen - aber auf dem Rücken der Kunden. Das Ersatzgerät muß man selbst bezahlen - soll etwa der Händler mit diesem Geschäft sein Überleben sichern? Wofür gab es die Zertifizierung als Authorized Apple Repair XXX, wenn nun schon wegen einer kaputten Festplatte beim PowerBook eingeschickt werden muß?
Die Apple-Händler kämpfen überall mit dem Überleben, doch vielleicht ist das Konzernstrategie. Immerhin behält Apple ja manchmal neue Produkte wie das iBook key lime dem AppleStore vor und liefert auch dort bei Engpässen bevorzugt aus, wie es sich beim Titan PB gezeigt hat. Vielleicht hat sich Apple ja einen neuen Vertriebsweg gesucht, über den man die Geräte verkaufen will: der retail-Bereich? Doch bei MediaMarkt & Co wird das anders gesehen. Viele Filialleiter beschweren sich über mangelnde Unterstützung durch Apple, man bekomme kein Info-Material und es lohne sich nicht, das eigene Personal zu schulen. Auch der Vertriebsweg über die Großmärkte wird von Apple nicht so forciert, daß man hier einen Strategiewechsel erblicken könnte. Auf der einen Seite die Händler würgen, auf der anderen Seite den retail-Bereich halbherzig betreiben? Ist das eine Strategie? Anders kann die Bilanz aber gar nicht ausfallen, wenn man eine Bestandsaufnahme bei Händler und MediaMarkt macht, jeder Leser ist aufgerufen, die Sachlage zu überprüfen. Der Initiative "I have a dream", die ergänzend zu den iTeams von Apple in den retail-Märkten Macintosh-Demos macht, wird durch den gestiegenen Preis des Basis-iMacs auch nicht gerade der Weg geebnet. Der Ausweg aus dem Dilemma ist entweder eine Offensive Apples in beiden Vertriebskanälen oder eine Entscheidung zwischen ihnen.
(Die Preise und Margen beziehen sich auf die alten iMacs vor der Vorstellung neuer Modelle auf der MacWorld Tokyo. Über die aktuelle Situation ist noch nichts zu uns gedrungen - doch wir finden noch ein Leck.)

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