ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1250

DDR-RAM - wo bringt es was?

Ganz nutzlos ist es nun auch nicht!

Autor: kai - Datum: 18.08.2002

Nachdem alle anderen nun auch mittlerweile durch den Hammer der Ernüchterung in Form des Barefeats-Tests der neuen G4 mitbekommen haben, was ca. eine halbe Stunde nach deren Veröffentlichung bei uns schon vorrausgesagt wurde (siehe weiter unten!) stellt sich die grosse Frage, was uns das DDR-RAM in dieser Form denn dann bringt.
Da wir im Prognosen machen in letzter Zeit ziemlich gut waren (IBM als CPU-Lieferant, DDR-FSB-Mangel) hier meine Liste an Dingen, bei denen sich das DDR-RAM bemerkbar machen sollte:
1) Quartz Extreme: Ich denke nicht, dass die CPU die gerenderten Fensterinhalte direkt an die Grafikkarte schickt. Das würde nämlich die Anzahl der möglichen Fenster vom VRAM der Grafikkarte abhängig machen. Die Fensterinhalte, d.h. die Texturen, werden also im RAM gecached und dann per AGP-Fastwrite direkt zur Grafikkarte gepiped - und genau hier sollte sich das schnellere DDR-RAM bemerkbar machen! Offen ist noch wie stark, denn das hängt wiederum von Apples Implementierung ab, aber merkbar sollte es auf jeden Fall sein. Allgemein sollte die Tatsache, dass bei QE das Compositing von der GPU erledigt wird und alle Fensterinhalte direkt "unbearbeitet" aus dem RAM gestreamt werden können und nicht mehr wie früher über die CPU müssen deutlich zu einer Performancesteigerung beitragen!
2) Video: Wer mit dicken Videostreams z.B. in Final Cut Pro arbeitet sollte davon profitieren können. Mit einem schnelles RAID (wie war das nochmal? Jetzt 4 HDs in den neuen G4? Mit Software-RAID über alle verbauten Platten? Sieht aus, als hätte sich Apple was dabei gedacht!) oder einer GBit-Verbindung zu einem schnellen Fileserver sollte sich bei einigen Aktionen ein deutlicher Performancegewinn zeigen. Bei anderen, die über die CPU müssen (z.B. Echtzeit-Farbkorrektur etc) nicht so arg. Selbst für Leute, die nicht mit schnellem Festplattenzugriff gesegnet sind sollte die verringerte Latency (Lese/Schreibzugriffe aufs RAM passieren ja jetzt auch doppelt so schnell!) eine gewisse Verbesserung bringen.
3) Games: Da die meisten Games die Texturen zu Beginn des Spiels ins VRAM der Grafikkarte laden und dort vorhalten weil der Hauptspeicherzugriff immer vergleichsweise quälend langsam war wird sich hier nicht besonders viel tun. Dennoch: Features wie Texturkompression und AGPx8 zeigen, dass dieses Manko behoben werden soll, also können wir wohl auch mit Spielen rechnen, die davon regen Gebrauch machen!
4) Serverdienste: Wie beim Xserve sollte auch hier ein deutlicher Vorteil sichtbar sein.
5) Allgemeine I/O-Performance: Entsprechend schnelle Quellen (GBit-Ethernet, RAID) vorausgesetzt, sollte sich allgemein in diesem Bereich ein eindeutiger Vorteil zeigen.

So, und jetzt müssen wir noch warten, bis der Frontside-Bus-Flaschenhals endlich eliminiert wird und die Dinger enlich ihr volles Potential entfalten können! Hallo Motorola, 7470? Irgendwann mal demnächst, ja?

Übrigens: Die Erklärung auf Barefeats warum sich keine nennenswerte Performancesteigerung messen lässt ist so nicht ganz richtig: Die Tatsache, dass sich beide CPUs denselben Bus teilen ist nicht verantwortlich für den ausbleibenden DDR-RAM-Performancegewinn! Denn erstens würden wir nie einen Zugewinn bei SMP sehen, wenn sich die CPUs wirklich gegenseitig "ausbremsen" würden, und zweitens müsste dann ja bei Anwendungen, die nur eine CPU nutzen (z.B. Bryce) ein Vorteil messbar sein, weil da ja die zweite CPU nicht "reingrätscht"! Ist aber nicht so, siehe Testergebnisse, ergo liegt es einfach nur daran, was wir schon immer sagten: Der 7455 und sein derzeitiges MPX-Busprotokoll kann einfach kein DDR!

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