ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 131

Antitrust-Prozess: Schiesst Microsoft sich in den Fuss?

Just a little bit of history repeating..

Autor: kai - Datum: 25.06.2002

Wie TheReg berichtet sieht's derzeit so aus, als würde sich Microsoft selbst ins Knie schiessen: Die feundliche Co2Ko (Colleen Kollar-Kotelly) hat den zwei Streitparteien nochmal eine aussergerichtliche Einigung nahegelegt, die noch klagenden Staaten sollten nur die Punkte herausheben, die ihnen am wichtigsten sind und MS sollte die Punkte angeben, wo sie im Extremfall noch einen Kompromiss eingehen würden. Die Staaten haben getan wie ihnen geheissen wurde und MS nicht. Natürlich nicht. Der Vorschlag der Staaten sei "fundamentally flawed" (wie TheReg schon bemerkt eine Lieblingsformulierung von MS!) und das sei "alles schon durchdiskutiert und das war alles, was sie tun könnten"!
Dies mag ein folgenschwerer Fehler sein, denn wie Co2Ko schon in ihrer Mitteilung an die MS angedeutet hat, sei "der Angeklagte sich klar darüber, dass sein Vorschlag [Anm: Das Seattlement mit dem DoJ!] wegen Ausnahmen, die die Regel effektiv negieren kritisiert worden ist", unter anderem ein Zeichen dafür, dass wohl durchaus die Möglichkeit besteht, dass sie die Einigung mit dem DoJ als nichtig erklärt und -nachdem Microsoft's neue Bush-Freunde im DoJ nicht mehr ihre Freunde sein dürfen- der ganze Prozess wieder mit vollen Segeln fährt.
Ein weiterer Grund, warum Co2Ko das ganze Seattlement platzen lassen könnte ist MS' Beschwerde, die Staaten hätten doch gar kein Recht zu klagen, wo man sich ja schon mit dem DoJ geeinigt hätte und das Gericht soll sich besser überhaupt nicht einmischen - diplomatisch äusserst wertvoll und garantiert kein "schlauer Schachzug" mit Hintergedanken! Gibt es sowas wie "Missachtung des Gerichts" in Amerika überhaupt? Wenn ich da an die gefälschten Videos, nachgewiesenermassen gelogene Aussagen und "Zeugen"aussagen, die schlicht und einfach eine Verarschung des Gerichts darstellen ("I can't remember what i meant when i wrote 'destroy Netscape', your honor!") denke, frage ich mich, warum das bisher alles komplett ohne Konsequenzen bleibt!
Ist das jetzt dieselbe Dummheit, die MS schon früher im Prozess bewiesen hat oder verfolgen sie eine schlaue Strategie, deren Tragweite sich mir erschliesst? Tatsache ist, dass sie wohl hoffentlich nicht schon wieder einen Richter wegen Befangenheit ablehnen können. Exakt dasselbe passierte übrigens bei Thomas Penfield Jackson und seinem Vorgänger Stanley Sporkin damals beim Consent Decree von 1995 schonmal! Damals hatte MS nach 2 Jahren Prozess den Consent Decree mit dem DoJ verhandelt und Sporkin weigerte sich, diesen abzusegnen weil er ihn für völlig nutzlos hielt. Daraufhin hat MS ihn wegen Befangenheit abgelehnt und Jackson wurde geholt, dessen einziger Job eigenlich sein sollte, das Ding zu unterschreiben (genauer zeitlicher Verlauf siehe hier!). Tja, wir wissen alle, was dann daraus geworden ist, Jacksons Reaktion mag was damit zu tun gehabt haben, dass MS sich einen Scheissdreck um die Auflagen des Consent Decree gekümmert hat, sieht aus als hätte Sporkin recht gehabt!
Dasselbe passiert jetzt gerade nochmal: Co2Ko's Job wäre eigentlich nur gewesen, das Seattlement abzusegnen, aber wie's aussieht wird's wohl wieder mal nichts daraus! Wir fassen zusammen: Sporkin urteilt gegen MS: Abgelehnt wegen Befangenheit! Jackson richtet gegen MS: Abgelehnt wegen Befangenheit! Wie lange wird die nette Colleen wohl noch haben bis MS auch sie wegen Befangenheit ablehnen lassen will? MS hat es jedenfalls echt gut drauf, durch ihre arrogante selbstgefällige Art alle Richter die ihnen vorgesetzt werden auf die Palme zu bringen! Hoffentlich lässt sich Co2Ko nicht zu solchen wahren, aber strategisch dummen ƒusserungen wie denen hinreissen, die Jackson das Genick gebrochen haben!
Eines steht fest: Viele Instanzen sind nicht mehr übrig, und wenn sie dann ganz oben stehen, was dann? Erklärt sich His Royal Billness himself zur allerobersten gottgleichen Instanz und beschliesst, dass alle Klagen gegen MS fallen gelassen werden?

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