ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1326

Der 1GHz Über-Cube

Wie Dr. Frankenmac lernte, den G4 Cube in 12 Minuten auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen...

Autor: wp - Datum: 09.10.2002

 

Teil 1

Nach einiger Abstinenz hat's den Dottore nun also doch wieder gepackt. Nein, diesmal geht es (noch) nicht mit dem großen, schwarzen PowerMacincube weiter. Sondern mit dem kleinen, feinen G4 Cube, der Dr. Frankenmacs Arbeitsplatz ziert. Auch wenn es die 500 MHz schnelle Version von Steves Ex-Lieblingswürfel war, mittlerweile ist das Designerstück doch performancetechnisch ein wenig in die Jahre gekommen. Dem musste und konnte abgeholfen werden. Denn seit kurzem bietet ja Powerlogix zwei deftige Upgrades an: einen 800MHz 7450er und eine 1GHz-Version. Mit 256KB L2- und vollen 2MB Level 3 Cache. Von der Papierform her also eine feine Sache. Was auch der Test bei meiner oft zitierten Macschrauber-Pflichtseite XLR8YOURMAC nachdrücklich demonstriert hatte. Jedenfalls ist die 1GHz-CPU inklusive bebilderter Einbauanleitung und 80mm-Panaflow-Fan vor wenigen Tagen bei mir eingetroffen. Nachdem ich etliche Wochen auf der Warteliste von OWC gestanden hatte. Immerhin: Zwischenzeitlich wurde das Upgrade von 1 auf 2MB L3-Cache aufgewertet und der Preis zugleich um $100.- gesenkt. Vorbildlich! Auch wenn $696.- immer noch eine Stange Geld sind. Übrigens: Seit kurzem bietet OWC auch das nagelneue Powerlogix 2x800MHz Upgrade ("PowerLogix PowerForce Series 100 Dual G4") für den Cube an, für $790.-. Wenn es also jemandem aus dem Auditorium in den Fingern juckt? Aber zurück zu meinem 1GHz-Transplantat...

Die Operation beginnt

Bild1

Die OP-Schwester hat Torx10-Dreher, einen Flachschraubenzieher und einen Kreuzschlitzdreher zurechtgelegt. Nach erfolgter Anästhesie (Lösen vom Stromnetz, dito alle Kabel) legen wir den Patienten kopfüber auf den OP-Tisch und entnehmen vorsichtig am praktischen entriegelten Rastgriff den "Warp-Kern", sprich: die funktionalen Innereien des Cubes.

Bild2

Bis dahin ist das kein Akt für einen operationserprobten Chirurgen. Zumal die Anleitung (es liegt sogar eine DVD mit einem umfänglichen QT-Movie bei!) recht anschaulich ist. Als Nächstes wenden wir den Cube und lösen die insgesamt 8 Schrauben der Deckplatte. Diese wird abgenommen (Kabel vom Startsensor abziehen!) und gibt den Blick frei auf den mächtigen zentralen Entlüftungsschacht (Mitte), das DVD-Laufwerk (vorne) und die diversen Platinen von Mobo (für die Mac-Chirurgie-Erstsemester: das Motherboard), Stromregulierung und Videokarte (hinten).

Bild 3

Auf dem Weg zum Herzen

Nun geht's ans Eingemachte. Wir drehen den Cube erneut um 90 Grad, so, dass Videokarte und Mobo oben liegen. Wir lösen mit ruhiger Hand die Videokarte inklusive dem Winkeladapter, in dem sie sitzt, aus ihrem Slot. Natürlich nachdem wir die beiden außen sitzenden Schrauben an der Anschlussleiste des Cubes vorher gelöst haben. Vorsicht: Das zweiadrige schwarze Kabel, das vom Mobo zur Videokarte führt, muss ebenfalls aus dem Steckverbinder auf der Videokarte gelöst werden! Und die eine Halteschraube gleich vorne rechts wird herausgedreht. Naja, dafür sind vorerst keine Arterienklemmen nötig ;-) Ebenfalls aus seinem Sockel raus muss das kleine ganz rechts sitzende Stromregelungsmodul. Nun müsste der Patient etwa so vor uns liegen:

Bild4

Ah ja! Nachdem die peripheren Organe nun aus dem Weg sind, eröffnet sich dem Doktor ein erbaulicher Blick auf das durchaus intakte Herz des Patienten. Nun gilt es, die insgesamt vier Torx-Schrauben und zwei Flachbandkabel zu lösen, mit denen das Paket aus Mobo und CPU-Subplatine im Cube befestigt ist. Ein Tipp an dieser Stelle: Man kann sich das sehr mühsame Lösen des breiten Flachbandkabels sparen, wenn die OP-Schwester eine angemessen dicke Unterlage bereitgelegt hat, um das Mobo rechts zu stützen, während es links noch am Kabel hängt! Der Doktor empfiehlt hierfür den "Kompaktatlas Chirurgische Operationen" von Marc A. Reymond, 1. Auflage 2002, 700 Seiten, gebunden, erschienen im Urban & Fischer Verlag, München...

Es geht nicht ganz ohne Gewalt

Nun wird's ein wenig rabiat. Denn um das Mobo inklusive der Platine des 500Megaherzens aus der Verklebung mit dem zentralen Kühlkörper des Cubes zu lösen, müssen wir das Stemmeisen ansetzen: "Schwester, den Flachschraubenzieher bitte!" Vorsichtig diesen in den schmalen Schlitz zwischen Blech und Kühlkörper einführen und sensibel aufhebeln! Ist das getan, mindestens ebenso vorsichtig - "Schwester, bitte den Schweiß abwischen, danke!" - das Paket aus Mobo und Subplatine mit der alten CPU von den beiden hinteren Sockelschrauben ziehen, in die es mit zwei halbrunden Aussparungen auf der gegenüberliegenden Seite eingesetzt ist. Ab hier empfehlen sich trockene Fingerchen. Oder besser noch OP-Handschuhe. Und natürlich permanentes Erden des behandelnden Arztes. Statik wollen wir doch keine auf die Hauptplatine übertragen, wenn wir nun das Mobo vor uns auf den OP-Tisch legen, gell?

Bild 5

Das alte Herz ist raus!

Jetzt werden die drei mit Spiralfedern ausgestatteten Halteschrauben herausgedreht, die die CPU-Platine auf dem Mobo fixieren. Ist das getan, lässt sich die Subplatine mit ein wenig Nachdruck leicht aus ihrem Pin-Sockel ziehen. Wer mag und die notwendige chirurgische Neugierde besitzt, kann nun noch die Stahlklammer lösen, die den schwarzen Alukühlkörper auf dem G4/500 festhält. Schließlich ist es legitime ärztliche Neugierde, die uns gebietet, noch einen Blick auf das gute alte Herz zu werfen, bevor es in die medizinische Asservatenkammer wandert - also bitte nicht im ersten Überschwang zusammen mit den alten Blinddärmen in den Orkus spülen! Falls, ja falls das neue Transplantat nicht wie vorgesehen funktioniert, ist es gut, notfalls noch einmal darauf zurückgreifen zu können...

Bild 6

Fortsetzung folgt!

Kommentare

da bin ich auch gespannt....

Von: spoto | Datum: 10.10.2002 | #1
...was den speed des "neuen" cubes angeht...:)

Hört sich nicht schlimmer an

Von: macmercy | Datum: 10.10.2002 | #2
...als das Zerlegen des alten iMac. Das war damals auch Fummelsache. Erden via Heizung reichte damals... Hab geglaubt, ich krieg das Teil nie wieder zusammen - halbe Stunde später rannte er mit großer Platte und SCSI-Anschluss.
An meinen neuen iMac G4 trau ich mich aber (noch) nicht ran... ;-)

ich nehme ihn ...

Von: Neo | Datum: 10.10.2002 | #3
... wenn er ihn nicht zusammen bekommt, oder gegen eine kleine Gebühr helfe ich ;)

Gruss Neo

Keine Chance…

Von: Roland | Datum: 10.10.2002 | #4
…liebe MAChirurgie-Praktikanten. Der Patient ist wohlauf und erfreut sich bester Gesundheit ;-)) – trotzdem wird Teil 2 recht spannend zu lesen sein…

(Roland "Dr. Frankenmac" Mueller)

Cool, und wie steht's mit dem Lüfter?

Von: Reto | Datum: 10.10.2002 | #5
Sind die laut? Und könnte man den Lüfter mit einem Verrax- oder Papst-Lüfter ersetzen?

/Reto

Lüfter Antwort an Reto

Von: karl | Datum: 11.10.2002 | #6
Mit der Karte wird ein Panaflo Lüfter mitgeliefert. Soweit ich mich informiert habe, hat der eine Größe von 80X80X15. Alle anderen Lüfter haben eine Bauhöhe von 25 statt 15, was beim Cube ein Problem ist, da man dann bei diesen Lüftern was wegschneiden muß (der Kühlkörper hat sonst keinen Platz). Was ich gehört habe, soll der Panaflo recht leise laufen, da er eine niedrige Drehzahl hat. In Europa bekommt man den Panaflo (von Fa Panasonic) leider nicht, ich hab ihn nur bei digikey usa gesehen.

12V Lüfter mit 7.5V

Von: Luxo G4 | Datum: 11.10.2002 | #7
Ich habe einen 12V Lüfter in den dafür vorgesehenen Platz geschraubt und betreibe diesen nur mit 7.5 Volt. Dies ist die Spannung bei der fast alle 12V Lüfter zuverlässig anlaufen, und dennoch entwickeln sie dabei kaum Geräusche, wegen der verminderten Drehzahl.

Zumindest war die HD "lauter" als der Lüfter und trotz der Drehzalreduktion kam oben ein schöner (warmer) Luftstrom raus.

vernünftige Videokarte im Cube?

Von: Jürgen Friedmann | Datum: 04.11.2002 | #8
hat jemand eine gute idee, welche grafikkarte im cube mehr als 1024x768 pixel bringt, ohne den kunststoff zu verschmurgeln?

jürgen