ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1349

Der Hecht verläßt den Karpfenteich

Cancom stellt Apple in die Ecke

Autor: dk - Datum: 16.10.2002

Pressemitteilungen sind manchmal Kunstwerke rethorischer Augenwischerei. So ein Meisterstück flatterte heute in unser Postfach. "Cancom mit Strategieerweiterung - verstärkter Fokus auf Media-Kunden im PC-Umfeld" lautet die Überschrift, die aus einem Elefanten wieder eine Mücke machen soll. Das scheint bei vielen Newsdiensten auch funktioniert haben. Aber doch nicht bei uns, Jungs! Was steht da also eigentlich wirklich? Da wird vom lukrativen und wettbewerbsschwachen Marktsegment gesprochen, in dem man sich nun stärker engagieren möchte und daß der neue Katalog unter dem Thema "X und XP" läuft. Unsere Übersetzung dieser wohlklingenden Rundformulierung: "Uns ist der Apple-Markt zu kantig. Wer uns so behandelt wie Apple, den schmeißen wir aus dem Programm."

Lediglich Zucker für die Medien-Affen ist die Versicherung, daß man auch weiterhin beide Systeme anbieten werde. Aber eigentlich ist klar, daß demnächst allen Macianern PCs ans Herz gelegt werden, weil man damit mehr Gewinn erwirtschaften kann. Zudem hat Apple Cancom, so wird gemunkelt, die Pistole auf die Brust gesetzt: "Entweder Ihr schluckt unsere Bedingungen oder Ihr könnt sehen, wo Ihr bleibt."

Tja, der Dreh- und Angelpunkt einer solchen Hop- oder Topnummer ist die anzudrohende einschneidende Repressalie. Denn die Geräte demnächst nicht mehr zu den alten Konditionen zu bekommen, kann nicht als ernst gemeint Drohung durchgehen. Schließlich sind Apples Margen bekannterweise wie die Temperaturen am Polarkreis im Sommer: mit viel Glück knapp über Null. Spannend wird sein, wie Apple in Zukunft die Stückzahlen rausschaufeln will, die sonst Cancom in den Markt kanalisiert hat. Denn bei aller Liebe, aber die kleinen Fachhändler schaffen das auf keinen Fall.

Es hat sich also der Hecht aus dem Teich verabschiedet, in dem jetzt nur noch muffige Karpfen dümpeln. Denn selbst schäumende Expansionsträume Einzelner werden sich bestimmt nicht gravi-s-erend auf den Marktanteil auswirken. Und während sich Cancom zu HP gesellt und davon spricht, nun die eigene Kompetenz in die gemischte IT-Welt einbringen zu wollen, liegt Apple in Deutschland weiter im Dornröschenschlaf und darauf wartet, wachgeküßt zu werden. Doch bei diesen rauhen Lippen wird man wohl lange auf den Prinzen warten…

Kommentare

und Apple macht 45 Mio $ Nettoverlust

Von: Dölf | Datum: 16.10.2002 | #1
Gruss,
Dölf

wo ist das problem?

Von: didimac | Datum: 16.10.2002 | #2
cancom meint, den apple-markt weitgehend ausgereizt zu haben; mehr wachstum geht nur mit weiteren produkten im it-bereich, also pc´s. ich sehe darin keine katastrophe. andere anbieter, wie zb cyberport, machen das schon lange so - und als kunde fahre ich sehr gut damit; denn es garantiert mir, dass sie durchhalten.

Mal sehen...

Von: Grasaffe | Datum: 17.10.2002 | #3
Zuerst mal noch ein Link zur CP:

Auch die haben das gut erkannt.

Seit gestern sind auch beim 2. Distributor die Einkaufspreise für die Händler nach oben gegangen, Ingram hat das schon früher gemacht. Ein Händler ohne Applevertrag (wie es Cancom wohl geblüht hätte) kauft dort G4s ca. 3% unter Apple-Listenpreis, wenn er eine keine Einstufung nach Apples Beurteilungssystem hat. Je besser er ausgestattet ist, desto höher sind die Rabatte und so kann ein kompetenter Händler trotz höherer EKs durch Rabatte genauso oder vielleicht sogar besser einkaufen als vor dem 1.10. Mailorder wird als eigenständige Niederlassung betrachtet und schlecht bewertet und zieht somit die Einstufung nach unten. Die Alternativen für Cancom waren: Mailorder zumachen (nicht machbar), Vertrag nicht unterschreiben (keine Direktbelieferung mehr, diverse Rabatte fallen weg, schlechte EKs) und Vertrag unterschreiben (Direktbelieferung, nicht ganz so schlechte EKs, 1-2% zusätzlichen Rabatt). Konsequenz ist so oder so: Cancom kann nicht mehr mit einer agressiven Preispolitik (Rechner zum EK schieben) den Markt kannibalisieren, sprich andere Händler plattmachen, da alle anderen eh' bessere EKs haben. Unter EK können sie nicht verkaufen, und da sie als AG wachsen müssen, ein Wachstum im deutschen Applemarkt aber nur durch Verdrängung=Kannibalisierung möglich ist, müssen sie ihre Strategie umstellen. Dummerweise gibt's auch im PC-Bereich genügend Wettbewerb im Mediabereich (auch wenn Cancom das anders darstellt). Und aus meiner Erfahrung sieht das hier bei größeren Kunden so aus: die Hardware wird durchgeschoben, verdient wird an der Dienstleistung. Aber wie Cancom im PC-Bereich Dienstleistung mit Schwerpunkt Media anbieten will, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft, insbesondere, wenn das ganze auch noch deutschlandweit sein soll...

Time will tell...

Argh, der Link war weg :-(

Von: Grasaffe | Datum: 17.10.2002 | #4
Hier nochmal:

http://www.computerpartner.de/News/index.cfm?pid=41943&fkr=8

Jetzt klappt's hoffentlich...

Würde ich auch machen

Von: Toni from CH | Datum: 17.10.2002 | #5
Wenn sich Apple soo verhält, würde ich das auch machen, schliesslich geht's um Geld und wirtschaftliche Überleben.

Oder spendet Ihr mehr Geld der Kirche als Ihr schon Kirchensteuern zahlt?

Es ist halt eine Frage des Geldes nix anderes.

ich sach doch - Apple ist doof

Von: maiden | Datum: 17.10.2002 | #6
wundert mich überhaupt nicht. Apple ist zu doof.
Und doof bleibt doof.

Apple's Marge

Von: Patrick | Datum: 17.10.2002 | #7
Die Marge läßt sich anhand der Bilanzen recht leicht feststellen: im Schnitt bleiben ca. 28% für Apple hängen.

mitarbeiter?

Von: der_misstrauische | Datum: 17.10.2002 | #8
na, duerfen hier den mitarbeiter eines grossen versandhauses fuer apple-produkte waehrend der arbeitszeit emails schreiben?

nur so mal zum nachdenjen...

verstehe ich nicht...

Von: Dirk | Datum: 17.10.2002 | #9
@der_misstrauische:

Ich verstehe nicht, was Du sagen willst. Drück Dich deutlich aus.

dk