ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1361

Keine Apple-Teilnahme an MacWorld SF?

Vertrottelte Messepolitik Apples

Autor: bh - Datum: 20.10.2002

Nach Apples Weigerung, mit nach Boston zu übersiedeln, will IDG Expo nun den Computerhersteller von der MacWorld San Francisco ausschliessen. Es ist nur mehr peinlich: der Streit zwischen Apple und dem Messeveranstalter IDG Expo wird nur mehr in den Medien ausgetragen. Die MacWorld im Sommer fand früher immer in Boston statt, wurde aber aus Platznöten dann nach New York ins Jacob Javits Messecenter verlegt. Nun hat Boston aber mit einer schönen neuen Messehalle nachgelegt und IDG Expo wird die MacWorld Expo im Jahr 2004 wieder nach Boston rückübersiedeln. Apple war sauer - obwohl laut IDG keinerlei Einwände erhoben wurden - und sagte für Boston ab. Wenn man für 2004 Boston absagt, könne man aber auch gleich 2003 New York absagen, so die unmißverständliche Drohung an IDG. Nun schlägt IDG zurück - wie bei Onkel Heinz nachzulesen, überlegt der Messeveranstalter nun, Apple nicht einmal für die Januar MacWorld in San Francisco zuzulassen. Wie blöd kann der Streit noch werden? Die beiden Partner brauchen einander, eine Messe ohne Steve Jobs ist wie Weihnachten ohne Baum und Boston viel geeigneter für die Messe als New York. Eine Stadt mit europäischem Flair ganz im Zeichen des Apfels ist nun einmal spannender als eine von hundert täglichen Messen im Big Apple zu sein. Apples Messepolitik läuft Gefahr, völlig lächerlich zu werden. Seit Jahren ist Apple nicht mehr auf der CeBIT vertreten - die größte Computermesse hat man offenbar nicht nötig. Finanzielle Gründe? Klar, mit nur 4,3 Milliarden Dollar in der Kasse würde ein Messeauftritt dem Konzern sicher den Todesstoss versetzen. Auch den lokalen Niederlassungen sind Meseeauftritte eigentlich untersagt - nur wird diese Regelung jährlich umgangen. Einmal gibt Apple Deutschland einem Computerversender billigere G4s, damit wenigstens irgendwelche Macs auf der Messe rumstehen. Dann wieder "unterstützt" Apple Österreich einen Händler, für den ein Messeauftritt sonst eine Nummer zu groß wäre - alles gute Aktionen, aber die pragmatische Handhabung verdeckt, daß das Grundkonzept schwachsinnig ist. Seit Jahren meldet sich Apple für die MacWorld GB an und sagt in letzter Minute ab. Eine MacWorld für Deutschland sei möglich, ließ IDG Expo jüngst wissen, man prüfe derzeit Konzepte. Na das wär doch mal was! Die eingeschworenen Freaks warten doch nur darauf, sich irgendwo unter dem Banner scharen zu dürfen. Doch Apple pflegt lieber die Tradition und schießt sich mit weiteren Reduktionen der Messetermine ins Knie - wo eigentlich mehr Einschußlöcher als Knie sein muß...
Es wird Zeit, daß die Niederlassungen in Europa der Zentrale freundlich vermitteln, daß Messen notwendig sind. Ja, wir haben mitbekommen, daß Steve Jobs auf den letzten keynotes nur abgelutschte Phrasen gedroschen hat. Es ist uns nicht verborgen geblieben, daß er sich nach Paris bemüht hat, nur um ein schlecht gecodetes iCal zu zeigen, das langsam und eigentlich beta ist. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und es wird wieder fette Messen geben. Zudem geht es ja nicht bloß um die Eröffnungsrede, sondern um die breite Palette an Software, Hardware und Lösungen, die man drumherum präsentiert bekommt. Eine Messe ist der Ort, um abseits des Web zu zeigen, daß es eine community gibt. Vielleicht könnte Apple mit einer ordentlichen community-Show überdecken, daß man derzeit produktmäßig etwas aus der Spur ist? Von diesem Geplänkel beleidigter Leberwürste rund um Boston und New York will doch keiner etwas wissen - vielleicht ist die Zeit auch für Apple endlich reif und man macht ein neues Messekonzept? Es verkauft sich nichts mehr von selbst - weder warme Semmeln noch Macs, aber das dürfte noch nicht durchgedrungen sein - das reality distortion field wirkt doch hoffentlich nicht auch nach INNEN?

Kommentare

Füsse stillhalten

Von: cws | Datum: 20.10.2002 | #1
Das wird wohl eher ein Sturm im Wasserglas sein.
apple braucht die macWorld und umgekehrt.
Da treiben sicherlich zwei Spielchen miteinander.

Christian

Beinpinkler

Von: eRob | Datum: 20.10.2002 | #2
Es zeigt sich mal wieder wie besch... es ist, wenn ein Monopolist wie die IDG entstanden ist. Es würde mich nicht wundern, wenn es dem Charlie Greco Beinpinkler genauso ergehen würde wie ATI ... und dann wurde Nvidia ins Boot geholt...

Ich schätze mal Jobs wird sich beim allem Dilemma nicht gerne erpressen lassen und das gibt heute oder morgen eine kräftige Retourkutsche. Und bei der Historie an "Elefant im Porzellanladen"-Aktionen die Jobs so in seiner Letztzeit bei Apple verbrochen hat - Ich denke da an den Education-Bereich - würde es mich nicht wundern, wenn hier wieder mal nur einer auf der Strecke bleibt - Apple selbst.

Ich meine, klarerweise könnte Apple ja parallel in Boston ausstellen, muss ja nicht unter dem IDG-Mantel sein, bzw. kann ja Apple mal die Loyalität seiner Hersteller nach dem Motto prüfen: "Wer bleibt mit mir in New York und geht nicht zum bösen Buben nach Boston?"

Ich frage mich, wie lange wohl die Shareholders, die Direktoren auf Apples Board zuschauen werden. Irgendwann werden die es ja auch checken, dass nicht jeder Computeruser zum Videoprofi gemacht werden kann/will. Oder geht es so lang bis Stevie gekränkt ist und/oder sein Motto "milk the cow as you can" aufgegangen ist.

Schade... bei Apple ist ein bisserl wie bei den Osbornes, viel Kohle auf der Kante macht das Leben auch nicht einfacher :-)

Äh, nun ja :-)

Von: MacZeit | Datum: 21.10.2002 | #3
Quelle: Apple Streng Vertraulich! Von Owen W. Linzmayer, Seite 13.

”Wir waren echte Schmalspur-Unternehmer, wie jemand, der nebenbei Kunstgewerbeartikel verkauft.”

Steve Wozniak über die Anfänge von Apple

he, he :-)

Ciao!

Toni

maczeit.de

Is doch cool!

Von: ks | Datum: 21.10.2002 | #4
Apple ist im Gespräch, wenn auch nur in USA.

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