ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1402

Real stellt Player-Quellen unter Opensource

Hättet ihr das mal ein paar Monate früher gemacht, hätten wir nicht so lange auf den RealPlayer warten müssen!

Autor: kai - Datum: 30.10.2002

Ich hab mich immer gefragt, was Real tun wird. Von rechts kommt Feldherr Microsoft auf dem Windows-Streitwagen angeprescht, mit einer Menge Hardwarehersteller Kooperationsverträge im Sack, vor den Karren gepsannt das DRM-Dreiergespann Valenti/Rosen/Hollings und links verbarrikadiert sich Apple gerade in seiner MacOS-Trutzburg, nachdem sie sich gerade aus ISO-Konformität und damit verbundener Industrieunterstützung einen zweiten Schutzwall gebaut haben. Und mittendrin Real, weder Fisch noch Fleisch, ohne eigene Plattform, zwar mit einer Rüstung aus Kooperationsverträgen mit grossen Seiten wie z.B. CNN, die jedoch langsam zu rosten anfängt, weil solche Verträge nun mal selten langfristig geschlossen werden (kann von dem Szenario mal bitte jemand einen Cartoon zeichnen? Ich seh das gerade extrem deutlich vor meinem geistigen Auge! ;-)...
Tja, aber bei Real ist man nicht doof und hält sich für unbesiegbar (wie einige andere!) also was macht Real? Schlau, schlau: Sie schmeissen alles was sie haben ("Helix DNA") ausser ihren Kronjuwelen als Opensource unter's Volk! Und wenn, dann schon richtig so dass auch kein Free Software-Advokat meckern kann: Zwei Lizenzmodelle: Entweder ein GPL-ähnliches (ja, mit extra viel "viralem" antiamerikanischem Krebs, M$!) namens RPSL oder ein BSD-ähnliches, geschlossenes Modell namens RCSL, das zwar den Vertrieb ohne die Offenlegung des Quellcodes erlaubt, dann allerdings Lizenzkosten pro ausgeliefertem Player kostet. Streaming-Techniken wie RTSP, RTP, RTCP und SDP sind mit drin, Codecs gibt's auch en Masse (MP3, H.263, NB-AMR und 3GPP), 600 APIs alles in allem, allein ihre Schätze RealAudio und RealVideo werden nur als Binaries ausgeliefert. Ärgerlich, weil dann immer noch proprietär, aber verständlich, irgendwo muss man seine mühsam erarbeiteten Patente & IP ja auch schützen. Aber sie verfolgen nicht nur die "hier ist der Code, macht mal!"-Strategie, nein, es soll sogar eine Community-Seite geben, in der man direkt bei den Real Ingenieuren persönlich nachfragen kann!
Ein schlauer Schachzug. In Retrospektive der einzig richtige, aber wie Real mit einem grossen Paukenschlag "reinen Tisch" macht ist schon beeindruckend. Die Opensource-Community ist bekannt für ihren Portierungswahn, wenn sie mal den Sourcecode haben (Openoffice & Mozilla auf OS/2! Linux auf der Armbanduhr!), ein Aspekt, der Real wohl gut zum vorteil gereichen könnte. Auch Apple hat mit der Offenlegung des Quicktime Streaming Servers ja schon in die Richtung geliebäugelt.
Einen Nachteil sehe ich allerdings noch: Es dauert in der Regel ein Jahr oder mehr, bis die Opensource-Community aus einem ex-closedsource-Projekt etwas, mit dem man opensource arbeiten kann gemacht hat! Das ist ein Jahr, das vielleicht kritisch wird für Real.
Trotzdem scheint sich Real mit dieser Aktion schon die Unterstützung von einigen Hardwareherstellern wie Hitachi, NEC, Nokia (Hallo Symbian!), Philips TI uvm gesichert zu haben.

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