ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1443

Apple = Microsoft?

Die TAZ über Parallelen in den Firmenpolitiken von Cupertino und Redmond

Autor: dd - Datum: 10.11.2002

Unglaublich, da wagt es einer, Apple und Microsoft über einen Kamm zu scheren, den harmlosen Apfel mit der gefährlichen Krake zu vergleichen! Und dann ist derjenige auch noch selber Mac-User - Verräter! Aber vielleicht sollten auch wir uns wieder einmal kritisch mit dem Obst-Produzenten aus Cupertino auseinandersetzen...
In der TAZ vom 7.11. findet sich ein Artikel, der einen wunden Punkt Apples anspricht: die Parallelen zwischen der Firmenpolitik von Apple und der von Microsoft.
Der Autor Niels Boeing hat nicht ganz Unrecht, wenn er unserem Lieblings-Computerhersteller aus Cupertino vorwirft, ein vertikales Monopol zu besitzen, das sollte auch der verblendetste Mac-Fanatiker einsehen. Seit der Einstellung des Clone-Geschäfts ist man als Mac-User wieder alleine auf das Wohlwollen von Apple (manche würden sagen von Steve Jobs) angewiesen, was neue Hardware anbelangt. Vielleicht wären Macs heute günstiger und schneller, wenn ausser Apple noch andere Hardware bauen würden, auf der MacOS lauffähig ist?
Die iApps sind toll - ich benutze selbst iTunes, iCal, iSync und iChat - machen aber vor allem kleine Software-Entwickler platt, denn wer interessiert sich noch für Alternativen, wenn die mitgelieferte Software alle Wünsche erfüllt? Genau dafür war Microsoft doch angeklagt worden. (genützt hat es nichts, wie wir inzwischen wissen). Allerdings: Apple bemüht sich nicht, ihre Programme untrennbar ins Betriebssystem zu integrieren. Wer möchte, zieht die iApps auf den Papierkorb und weg sind sie. Windows dagegen funktioniert ohne Explorer gar nicht mehr, denn auch der Windows-"Finder" greift auf ihn zurück (zumindest behauptet das Microsoft).
Gross war das Geschrei in der Community Mitte dieses Jahres, als Apple erstens Jaguar als kostenpflichtiges Update ankündigte und zweitens iTools in ".Mac" umbenannte und ebenfalls Geld für dessen Dienste sehen wollte. Werden damit die Benutzer schamlos ausgenommen? Meine Meinung dazu habe ich hier schon mehrfach kundgetan und will sie deshalb nicht noch einmal ausführen. Nur so viel: ich halte sowohl den Preis für das Update wie für .Mac für gerechtfertigt. Mir scheint allgemein, dass Apple nicht primär abkassieren will, wie Microsoft das mit ihren immer neuen Lizenzmodellen tut. Es gibt viel mehr kostenlose Updates von Apple als es sie von Ballmer&Co gibt (ok, zählt man auch die Sicherheits-Bugfixes für Windows dazu, sieht das anders aus) und auch für die Hardware zahlen wir schon lange keine Premiumpreise mehr.
Als einzigen Unterschied zwischen Apple und Microsoft streicht der Autor die Offenlegung des Source Codes von Darwin heraus: "Hier zeigt sich, warum Apple und nicht Microsoft zurecht als Innovator gilt." Denn dadurch können beispielsweise Unix-Programme auf MacOS X portiert werden. Dies sei jedoch das einzige, wofür Apple noch Respekt verdiene.

In meinen Augen gibt es einen weiteren grossen Unterschied zwischen den beiden Firmen, für den Apple Anerkennung gebührt: Steve Jobs hat einmal in einem Interview gesagt "We want to make the best computers in the world" und von diesem Leitgedanken ist Apple nicht abgewichen. Von Ausnahmen abgesehen hat man als Anwender bei Apple immer noch das Gefühl, bei der Entwicklung neuer Produkte im Zentrum zu stehen. Die iApps sind hier das beste Beispiel: Mit ihnen demonstriert Apple ihre Überlegenheit in Sachen Benutzerfreundlichkeit, die möglicherweise nicht garantiert wäre, wenn Apple nicht die volle Kontrolle über das Zusammenspiel der Hard- und Software hätte.

Kommentare

iApps

Von: christian | Datum: 10.11.2002 | #1
es ist zwar richtig, dass die iapps eine starke konkurrenz für softwareentwickler darstellen, jedoch sind unter anderem auch diese programme und ihre perfekte einbindung in ein elegantes und durchdachtes system ein grosses plus für den anwender. apple betreibt eine unglaublich stringente designpolitik, hard- und software bilden eine vollkommen überzeugende einheit und sind in dieser kombination allen anderen herstellern meilenweit voraus. durch das natürlich in gewisser weise vorhandene monopol wird das erst möglich. selbst wenn es von anderen herstellern ähnlich gelungene hardware gäbe, fehlte immer noch die darauf genau abgestimmte software. insofern würde ich auch das monopol in frage stellen, es wird ja niemand gehindert, eine ähnliche kombination von hard- und software zu verkaufen, amiga, atari, be, next etc. könnte es ja auch noch geben. apple stellt ein produkt her, das computer heisst, es besteht aus gerät und passender software. das ist bestimmt keine falsche oder verwerfliche vorgehensweise, solange die kompatibilität mit anderen systemen gegeben ist, und um diese kompatibilität bemüht sich apple (zwangsläufig) mehr als andere monopolisten.

iApps

Von: Karl | Datum: 10.11.2002 | #2
die iapps machen nicht unbedingt andere hersteller "platt". iviewmedia pro z.B.: hat funktionen die dem kostenlos mitgelieferten iphoto schlichtweg fehlen. .mac ist erst dann in deutschland interessant, wenn der preis gesenkt und auch bankeinzug möglich ist. ansonsten macht apple alles richtig.

freeware für macintosh:
http://software.fellbeisser.info

Trotzdem...

Von: RollingFlo | Datum: 10.11.2002 | #3
...war das mit Watson/Sherlock nicht in Ordnung.

Ansonsten ist der Bericht hier wesentlich ausgewogener als der der taz.

In diesem Sinne: Apple Fan sein? Ja, aber nicht blind jeden Scheiß akzeptieren.
Aber ich glaube da besteht ohnehin keine Gefahr, sind doch gerade Apple-user i.d.R. "kritische Geister".

is ja jut

Von: lars | Datum: 11.11.2002 | #4
Kai,

die Diskussion "Monopolist" hatten wir schon vor nicht allzulanger Zeit. Ja, Apple ist kein Monopolist (ach, dürfen Apple-Clones hergestellt werden?). Ist gut. Aber der Artikel ist trotzdem gut und wir haben alle verstanden worum es geht. Auch wenn Ferrero kein Monopolist ist (Nutella), denn es gibt auch Nuspli und Nutoka und und und.
Aber einen Umax gibt es nicht mehr und auch kein OS Cross oder OS ICHS.
Hinkt vielleicht etwas, aber der geneigte Leser wird wissen, was ich meine. Darauf kommt es an. Dann kann man auch schon mal das Wort Monopolist in den Raum werfen.

Lars

PS: das mit Watson wußte ich noch gar nicht.

was für eien schwachsinn!

Von: rafi | Datum: 11.11.2002 | #5
Apple muss sich gegen die restlichen 97% wehren, da können sie doch nicht noch Rücksicht auf UMAX usw. nehmen! Und wenn sie es getan hätten, wäre der Umsatz kleiner und Apple gebe es jetzt schon lange nicht mehr.

Apple ist KEIN Monopolist weil Apple 97% Konkurenz hat, deren User glauben Apple tauge nichts!

Apple hat in seinen 3% Marktanteil villeicht ein Monopol aber man kann doch nicht 3% mit 9x% vergleichen! das ist schwachsinn, blödsinn! da kann man noch so "nicht-verblendet" sein, wer das nicht einsieht sollte mal 20 Minuten seine hirnzellen mit dem Heissluft-Fön auftauen!

@patrick

Von: mattin | Datum: 11.11.2002 | #6
wenn, hätte, würde - naja. dann kannste auch sagen: wenn die amis keine atombomben geworfen hätten, hätten die japaner irgendwann eine geworfen - hätten die deutschen damals... ok lassen wirs lieber :/

ein schlechtes argument, damit kannste ja alles entschuldigen. Apple ist nun mal nicht so mächtig wie M$, und wären sie so mächtig,... tja was weiss ich, ...hätten wir bessere software... ;-)

cu
mattin

iApps...

Von: mattik | Datum: 11.11.2002 | #7
Das sind ja alles nette Gedanken, aber bei den iApps kann ich nicht ganz folgen. Abgesehen davon, daß sie (wie schon öfter erwähnt) keine Sonderstellung im System einnehmen und sich so leicht entfernen oder durch andere Programme ersetzen lassen, sind sie selbst doch nicht der springende Punkt, sondern die Mechansimen, die dahinter stecken: QuickTime für iMovie und iTunes, ICA für iPhoto etc. Und die sind (zumindest für diese Anwendungen) bestens dokumentiert. Die eigentlichen iApps sind doch nur (mäßig schöne) Oberflächen. So wird die Eigenentwicklung solcher Programme zum Kinderspiel. Apple macht es Konkurrenzentwicklern nicht schwer, sondern leicht! Eher nervt mich die künstliche Verkrüppelung von iMovie...

Hardware-Dongle

Von: Hagen | Datum: 12.11.2002 | #8
"und auch für die Hardware zahlen wir schon lange keine Premiumpreise mehr"

Naja, (hihi) nach 5 Jahren Computerzufriedenheit durch
Apple-Nutzung bin ich der Meinung, dass ich hier ein wirklich
gutes Betriebssystem benutze. Unerfreulich ist nur,
dass die nicht ohne diesen teueren Hardware-Dongle mit
dem Apfel-Symbol drauf zu kaufen ist... :-)
Gutes Nächtle

@wintelspacken

Von: mattin | Datum: 12.11.2002 | #9
preis/leistung der apple hardware ist gut bis sehr gut. kann man z.b. auch in der äusserst apfel kritischen c´t nachlesen.

cu
mattin

Mac Clones

Von: Frank Wassmann | Datum: 12.11.2002 | #10
Einige Worte zu den Mac-Clones.
Ich habe das zweifelhafte Vergnügen, Mac-Clones und den billigen Mac 4400
öfters mal auseinander zu nehmen um neue Festplatten oder Karten einzubauen.
Das was ich da an Geld bei den Geräten gespart habe, hat es mich an Zeit und Nerven bei der Bastelei wieder gekostet.
Ein hoch auf Applegehäuse (7200-7600 Desktop und B/G+W Rechner). Die Entwicklung solcher durchdachten Gehäuse kostet sicher einiges an Zeit und Gehirnschmalz, was ich dann halt auch mitbezahlen muss. Ob die größe des Preisunterschiedes dann gerechtfertigt ist, muß jeder Benutzer für sich entscheiden.