ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1531

Schau mir in die Karten, Kleines!

Grafikkarten ATI Radeon 8500 und 7000 im Test - Teil 1

Autor: wp - Datum: 11.12.2002

Sollte mal jemand gesagt haben, die MacGuardians wären doch Weicheier, Warmduscher oder anderweitig minderbemittelte Liebhaber femininer Computer - spätestens jetzt wird er eines Besseren belehrt! Absolut gründlich und kundig hat Redakteur Kai die Grafikkarten Radeon 8500 und 7000 der beinahe einmal ultimativ ge-steve-ten Chipbäcker ATI sich zur Brust genommen und getestet. Alle Grafikfreaks, Spielesüchtigen und sonstwie von der Nadel der Grafikkartenleistung Hängenden - aufgepasst! Bei MacReview ist er zu lesen: der Test, und zwar gleich in mehreren Teilen. Teil 1 heute, die weiteren (man bemerke die Mehrzahl) in Bälde.

Was lange währt, wird endlich gut, und endlich, nach vielen vielen Stunden harter Testarbeit (und Warten! ;-) gibt es hier den zwar späten, aber sehr umfangreichen Test der Radeon 8500 und der Radeon 7000 zu lesen.

Das Auspacken

Das Auspacken war sehr erfreulich, denn ATI liefert bei beiden Karten nicht weniger als drei Adapter und zwei Kabel mit, und das sind teilweise Adapter und Kabel, die keinesfalls eine Selbstverständlichkeit sind und für die man einzeln teilweise eine Menge zahlen müsste. Da findet sich: ein DVI-to-VGA-Adapter, mit dem es einem ermöglicht wird, zwei VGA-Monitore anzuschliessen; ein S-VHS-to-Cinch-Adapter, so dass man auch garantiert jeden TV daran anschließen kann und letztendlich als mehr als nette Dreingabe ein VGA-to-D-Sub-Adapter, um alte Mac-Monitore mit 15-pol D-Sub anschließen zu können. Die Kabel sind lobenswerterweise extrem gut geschirmt und richtig dick für beste Bildqualität: ein Cinch-Kabel und ein S-VHS-Kabel.

Ein paar kleinere Dinge fielen negativ auf, und zwar dass das Handbuch zwar schon für die Mac-Version ist, die beigelegte Registrierkarte allerdings als Ankreuzmöglichkeit beim benutzten OS zwar sämtliche Versionen von Windows, Linux und sogar Exoten wie OS/2 angibt, aber MacOS generell fehlt. "Unix" entspricht zwar zumindest OS X, aber ich denke nicht, dass ATI das damit gemeint hat!

Die zweite geringfügige Enttäuschung war, dass die Radeon 7000 zwar 66MHz PCI unterstützt, aber eine kurze Karte ist und somit kein 64bit-PCI ausnützt! Meines Wissens nach war der weiße G3 der letzte Mac, der kein 64bit-PCI hatte, aber ATI wollte als Zielgruppe diesen und die alten 7x00, 8x00 und 9x00 mit G3/G4-Upgrade und die b/w-G3/Yikes-G4 mit dem 32bit/66MHz PCI für Grafik wohl auch noch mitnehmen, also ist es leider nix mit 64bit-PCI! Diese Halbierung der theoretisch möglichen Durchsatzrate macht sich leider in begrenztem Datendurchsatz bemerkbar, wie wir später noch ausführlich sehen werden.

Beide Karten haben zwei Anschlüsse für Monitore (einen VGA und einen DVI, VGA-Adapter wird wie gesagt mitgeliefert!) sowie einen TV-Ausgang, wobei immer nur jeweils zwei in beliebiger Kombination für getrennte Desktops genutzt werden können.

Das VideoRAM wird beim Betrieb mit 2 Monitoren allerdings halbiert. Bei der 8500 ist das mit 32MB pro Monitor noch ausreichend für alle Spiele, aber mit den 16MB pro Monitor der 7000 wird's schon knapp! Für optimale Performance wird also empfohlen, den Rechner mit nur einem angeschlossenen Monitor zu booten.

Beide Karten bieten einen Modus namens "Simulscan" für den TV-out an, der, falls ein DVI-Bildschirm (kein zweiter CRT am Adapter!) und ein CRT angeschlossen sind, dasselbe Bild auf dem CRT-Monitor und dem TV ausgibt und dabei auf denselben Framebuffer zugreift. So ist es doch möglich, alle drei Stecker gleichzeitig zu nutzen, jedoch zeigen dann der CRT und der TV dasselbe Bild. Desweiteren gibt es noch den klassischen "Mirror Display"-Modus, mit dem man den Bildschirminhalt auf den jeweils anderen Monitor (oder TV) spiegeln kann, dieser verwendet jedoch getrennte Framebuffer, kostet also extra Speicher! Hierfür müssen unter OS X beide Desktops dieselbe Auflösung und Farbtiefe haben.

Für bestes DVD-Playback haben beide Karten ein Feature namens "Video Immersion", was die entsprechende DVDs hardwaremäßig de-interlaced.

Radeon 7000

Die Radeon 7000 ist also eine 32bit PCI-Karte (mit 66MHz-Unterstützung, also besonders interessant für alle b/w-G3 & Yikes-G4 Besitzer!) mit dem Radeon 7000, was eine abgespeckte Version des alten Radeon-Chips ist, ähnlich wie die neue Radeon 9000 in den neuen G4 jetzt eine abgespeckte 8500 ist. Sie wird mit 32MB DDR-RAM ausgeliefert.

Die Radeon 7000 ist primär als günstige Zweit-(und Dritt-!)-monitorkarte positioniert, was man allein schon daran sieht, dass ihr die meisten Buzzword-Features fehlen, mit denen ATI sonst seine Radeons bewirbt. Trotzdem macht sie auch in 3D teilweise eine gar nicht so schlechte Figur, wie wir später noch sehen werden. Leider konnte ich es nicht ausprobieren, aber 66MHZ-PCI-Grafikslot-Maschinen (d.h. b/w G3/Yikes-G4) sollten dank des doppelten Durchsatzes mittels PCI Extreme eigentlich sogar unter Quartz Extreme vernünftig funktionieren! Hierfür übernehme ich allerdings aus ersichtlichen Gründen keine Garantie! ;-)

Ach ja: Die Karte ist lüfterlos!

Radeon 8500

Die Radeon 8500 mit 64MB DDR-RAM ist zur Zeit, bis die 9700 rauskommt, das Flaggschiff von ATI, sogar besser als die von Apple jetzt verbaute ATI 9000! Der R200-Chip der Radeon hat alles, was die Buzzword-Abteilung hergibt: "Truform", um niedrig auflösende 3D-Modelle runder zu machen (wird bisher leider nur von Ottomatic unterstützt!), "Smartshader" für programmierbare Pixel und Vertexshader (jetzt neu in OS X 10.2!), "Smoothvision" für Antialiasing (wird mittlerweile schon von einigen Games unterstützt), "Charisma Engine II" für die alten prä-Vertexshader fixed-Geometry Transformation & Lighting Sachen und "Pixel Tapestry II", die Rendering Engine für beeindruckende 2.4 Gigatexel/s Füllrate.

Der R200 hat ganze vier Pixel-rendering Pipelines, die jeweils zwei Texturen pro Pipeline in einem Durchgang rendern können. Dies bedeutet, dass man für zukünftige Games, die massiv auf Multitexturing setzen (wie Doom3) mit dieser Karte gut vorbereitet sein sollte (wobei da natürlich auch die CPU stimmen muss!). Hier liegt übrigens auch der grosse Unterschied zur "Sparversion" Radeon 9000: Diese hat nämlich nur eine Textur pro Pipeline! Im Gegensatz zur böse kastrierten Geforce 4mx behält die 9000 jedoch weiterhin ihre Shader-Funktionalität, was den Radeon Mobility 9000 im neuen Powerbook auch so außergewöhnlich macht. Die Radeon 8500 hat einen kleinen Lüfter auf der GPU, der jedoch sehr leise ist und selbst unter dem ziemlich leisen Gehäuselüfter eines G4-400 überhaupt nicht heraussticht. Völlige Lautlosigkeit gewohnte Cube-Besitzer hingegen könnten sich vielleicht schon daran stören, aber ich denke selbst für Cubisten bewegt sich die Geräuschentwicklung in vertretbaren Grenzen.

Die Testumgebung

Für OS 9 wurden all die Standard-Tests gefahren: Speedrun, Cinebench (wann kommt das mal für OS X, Maxon?), Throughput, G4 Timedemo und KRAM. Da ich aber selbst OS 9 schon lange den Rücken gekehrt habe und es leider an Benchmarks für OS X mangelt, hab ich mich umgesehen und neben Quake zwei weitere Juwelen entdeckt: Die eine OS X "Testsuite" fand ich auf einer Apple-Entwicklerseite für 3D-Beispielcode. Einige der dort gelisteten Beispiele haben eine FPS-Anzeige, und da man davon ausgehen kann, dass dies Programme sind, die OS X-Fähigkeiten optimal nutzen, habe ich die einfach mal als Benchmark zweckentfremdet!

Das eine Programm ist "OpenGL FastTexDemo", was (wie Quartz Extreme, aber schon im alten Standard-Quartz!) OpenGL für schnelle AGP-Blits auf den Bildschirm verwendet. Damit sind mit meinem guten alten G4-400 Frameraten möglich, die ich in Quartz vorher noch nie gesehen habe! Das andere Programm ist Stencil Shadow Volumes, ein Test, der wie ich vermute nur für GeForce 3/4 Karten und deren Shaderfunktionalität gedacht ist. In Ermangelung einer solchen Karte konnte ich das nie überprüfen, aber wir interessieren uns ja auch nur für die fps-Zahl im Eck! ;-) Wer will, kann den Source der Programme selbst downloaden und, Entwicklertools vorausgesetzt, im Projectbuilder kompilieren.

Die zweite Testsuite war SPECviewperf von der SPECopc, was im Profibereich schon lange der Standard OpenGL-Benchmark ist um die Performance von Systemen für Profi-3D-Anwendungen zu messen. Da dieser Test zwar im Source ausgeliefert wird, aber trotzdem an nicht offiziell unterstützte Systeme angepasst werden muss fand ich nach ein bisschen Suchen diese Seite hier mit SPECviewperf 6.1.2-Adaptierungscode und Instruktionen, um diesen auf OS X laufen zu lassen. Das ganze kommt übrigens von Marcel Bresink, der bei OS X Usern ja schon durch sein exzellentes ungemein praktisches Tinkertool und den NFS-Manager bekannt sein sollte. Vorsicht: Der Patch-Code läuft scheinbar nicht mehr richtig mit 10.2, höchstwahrscheinlich, weil dessen BSD-Userland massiv aktualisiert und geändert wurde! Schon gepatchter Code kompiliert allerdings immer noch unter 10.2!

Diese beiden "Testsuites" (ist ja nur eine davon eine 'richtige'!) testen die Performance von 3D unter Quartz. Dies war mir sehr wichtig, da Spielebenchmarks ja sowieso schon von anderen zur Genüge gemacht werden und Spiele leider in der Regel im Fullscreenmodus laufen und als solches Quartz umgehen und nicht aussagekräftig für die Performance von Cinema, Maya, Lightwave oder ähnlichen 3D-Programmen sind. Zum Testen wurde ein G4-400 verwendet, und als klar wurde, dass dieser das Radeon 8500-Rendermonster nicht vernünftig "füttern" kann, um wirklich ein qualifiziertes Urteil zu fällen, wurde kurzerhand von Lars "Mr. Orga-nice" Heidemann ein Dual 800 mit schnelleren CPUs, schnellerem RAM, 4xAGP und schnelleren Caches von Apple organisiert. Dies freute mich besonders, weil ich schon lange mal die Dual-Föhigkeit mancher Programme testen wollte - wusstet ihr z.B., dass die iTunes-Visualisierung voll von Dual-CPU profitiert? ;-) Mein besonderes Interesse galt auch Quake bzw. dessen Dual-Fähigkeiten, mehr über die überraschenden Ergebnisse später im Test! Verglichen wurde jeweils mit einer GeForce2mx sowie beim G4-400 auch mit der Rage 128 Pro. Die Rage 128 im Dual 800 wurde ausgelassen, da dieser Rechner nie mit dieser Grafikkarte ausgeliefert wurde und es mir schleierhaft wäre, warum jemand die default-GeForce2mx durch eine Rage ersetzen sollte.

Die Vergleichsbasis G4-400 und Dual 800 sollte den Lesern, die die Frage bewegt, welche Karte sie sich kaufen sollen um ihren guten alten G4 (oder G3 bei der 7000) eine Frischzellenkur zu verpassen, gerade jetzt wegen Quartz Extreme die Entscheidung erleichtern und Besitzern einer schnelleren Maschine zeigen, ob es sich lohnt auf die Radeon 8500 zu upgraden.

Systemversionen zum Testen waren OS X 10.1.5 und OS 9.2.2, März- bzw. Juni-Treiberversion beim Dual 800, August-Treiber beim G4-400. Nach Release von 10.2 hab ich testweise ein paar Benchmarks nochmal laufen lassen, um die Zahlen zu vergleichen, konnte aber zumindest auf dem G4-400 (der Dual 800 stand nicht mehr zur Verfügung) keinen großen Unterschied feststellen: Quake lief geringfügig langsamer und SPECviewperf ungefähr 2-3 fps schneller.

Quake 3

Getestet wurde mit Quake3 Version 1.30 unter OS X und dem damit ausgelieferten Demo "four.dm_66".

Es wurde zur besseren Vergleichbarkeit eine originale High-Quality Default-Config genommen, d.h. q3config.cfg komplett gelöscht und auf High-Quality gestellt! Sound blieb - im Gegensatz zu vielen anderen Q3-Benchmarks - an, obwohl er ziemlich viel CPU-Leistung zieht, da ich reale Spielbedingungen testen wollte. Die einzigen Werte, die verändert wurden, waren natürlich die Auflösung, r_smp, um im Dual 800 das Verhalten Dual/Single CPU zu vergleichen, und außerdem s_chunksize, was wohl die Chunk-Grösse ist, in der Quake den Sound verarbeitet - je höher dieser ist, desto leichter kommt es zu Aussetzern im Sound. Da aber der Sound nicht so wichtig ist wie ein flüssiges Bild, kann man das in Kauf nehmen. Und es passiert bei Werten unter 4096 relativ selten, nur wenn die Grafikkarte sowieso schon am Limit ist und Spielen keinen Spaß mehr machen würde wegen kriechenden fps. Default ist bei s_chunksize 512, Graeme Devine von id hat aber selbst empfohlen, diesen Wert auf 2048 hochzuschrauben, weil es keinen Unterschied macht (bei 2048 gibt's eigentlich nie Stotterer), aber mehr fps gibt! Mike Breeden von XLR8yourmac.com empfiehlt sogar einen Wert von 4096.

Der Fairness halber habe ich kurzerhand alle 3 Werte getestet und werde im Text bei der jeweiligen Karte Anmerkungen machen, falls und wenn ja wo es Sound-Stottern gibt. Die Tests mit den 3 verschiedenen s_chunksize Einstellungen (im Graphen in Klammern dahinter) haben noch einen anderen Vorteil: Man kann sehr schön erkennen, wann die Karte "dicht macht", d.h. wann sie ihre maximale Füllrate bzw. ihren Onboard-Speicherdurchsatz oder das PCI-Transferlimit erreicht hat, so dass es irrelevant ist ob der Sound weniger Priorität hat oder nicht, die Karte kann dann einfach nicht mehr in dieser Auflösung, Farbtiefe, Textur- und Geometriequalität!

So, die Vorbereitungen wollen erst einmal verdaut sein! Weiter geht es in Kürze mit den ersten Testergebnissen in Teil 2.

Kommentare

ATI Radeon 7000 PCI + Beiger G3

Von: Don | Datum: 12.12.2002 | #1
vor dieser karte kann ich nur warnen!!!!
in meinen beigen G3 mit G4/500 und OS 9.2.2 sowie letztem ATI-update, startet die karte immer noch in einer falschen bilschirmauflösung, die erst später plötzlich umgestellt wird, in iMovie zeigen sich quadratische artefakte, und man meint es schneit, so schlimm ist das, und zuletzt wird die myst masterpiese edition erst garnicht dargestellt, welches im iBook 500 wunderbar funktioniert. ich warne nicht nur deswegen vor dieser karte, sonder auch, weil der service dieser "firma" grottenschlecht ist!!!!!!!
macwelt hat diese karte für den beigen mac als performancewunder angepriesen aber die fanden ja auch den unbrauchbaren browser morzilla 1.2 uneingeschränkt am besten, den ich nach 5 minuten test gleich wieder gelöscht habe, weil er z.B. websites mit slices völlig falsch darstellt, was im IE 5+5.1 nicht der fall ist. generell sind die macwelt tests eine schlichte schlamperei!!!!
nun genug gemeckert.
grüße
don

ATI 7000 64 MB DDR PCI funzt prima (58 Euro !!!)

Von: mitch | Datum: 18.02.2003 | #2
Schaut mal in den www.maclife.de Forum Hardware Tread mit den vielen Lesezugriffen.
mfg
mitch

test kommentar

Von: Mr.Mike [ MG Staff ] (MacGuardians) | Datum: 25.06.2003 | #3
test von etwas ;-)