ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1533

Mal wieder: MacOSX auf x86

Gähn

Autor: thyl - Datum: 11.12.2002

in diesem Artikel wird wieder einmal über die Möglichkeit spekuliert, eine MacOSX Variante für x86-Prozessoren herauszubringen. Was mich immer wieder erstaunt, ist nicht nur die Hartnäckigkeit, mit der sich solche Gerüchte wiederholen, sondern auch das kurze Gedächtnis, dass offensichtlich viele Redakteure haben. Oder liegt es daran, dass das Internet weiter boomt und ständig junge Leute nachkommen, die die Geschichte einfach nicht kennen? Nur einige Anmerkungen dazu, ohne dass ich natürlich besser wüsste, was Apple vorhat:
-MacOSX kommt von der intel Plattform! Die meistverkaufte Version des unmittelbaren MacOSX-Vorgängers, OPENSTEP, war die intel-Version.
-Es dürfte trivial sein, anzunehmen, dass Apple einen internen Port von MacOSX pflegt, zumal das mit nicht sehr viel Aufwand verbunden sein dürfte. Darwin/intel gibt es, und der Rest ist ein einfaches Recompile. Bei NeXT Haben damals zwei Mitarbeiter in ihrer Freizeit die jeweils aktuellste Version von OPENSTEP auf die Prototypen der geplanten, aber nie erschienenen RISC-Maschinen portiert. Null Problemo, OPENSTEP/MacOSX ist leicht portierbar.
-Apple hat mit NeXT eine Technologie namens Fat-Binaries eingekauft, die es ermöglicht, simultan für mehr als einen Port Binnaries von Cocoa-Programmen zu kompilieren und zu integrieren. Also: Recompile ist nötig, aber trivial.
-Das Gegenargument, es wäre unmöglich, die ganze Hardwarebreite der intel-Welt zu unterstützen, läuft ins Leere, denn niemand kann Apple daran hindern, eigene Rechner mit intel/AMD-Prozessoren zu entwickeln, die NICHT zur intel-Plattform kompatibel sind, so dass Apple Anwender gleichzeitig gezwungen würden, weiterhin bei Apple ihre Hardware zu kaufen.
-Das Dementi von AMD zu dem Thema zeigt nur, dass Apple nicht mit AMD verhandelt hat. Steve Jobs hat aber sowieso die engeren Bindungen an intel.
ABER! (JETZT DAS GROSSE ABER):
-Der Port war offiziell angekündigt (Mitte 1997) und ist dann zurückgezogen worden. Ich kann nicht erkennen, warum sich die Gründe für einen Rückzug, welche das auch immer waren, maßgeblich verändert hätten. Sicher, die PPCs sind etwas stärker zurückgefallen, was den Leidensdruck erhöht, und die Palladium Initiative von Microsoft könnte ein zusätzliches Argument für mögliche Switcher sein, aber wird das ausreichen für einen so drastischen, risikoreichen Strategiewechsel? Die ganze BlueBox/MacOS 9 könnte Apple nämlich nicht sinnvoll mitnehmen, und wie es mit den Carbonisierten Programmen aussieht, weiss ich auch nicht. Apple hätte einen neue Plattform, aber keine Applikationen mehr. Wären die Entwickler besser auf Cocoa angesprungen, sähe die Sache möglicherweise besser aus, aber solange wir uns mit dem ganzen Carbon-Schrott rumschlagen müssen, und solange die Mehrheit der Anwender noch MacOS9 verwendet, meine ich, sehe ich keine Möglichkeit für Apple zu einem solchen Strategiewechsel.

Kommentare

Mike Senf #1

Von: Mister Mike | Datum: 11.12.2002 | #1
Meines Erachtens beisst sich der Qualitätsanspruch von Apple am x86 Hardware-Pool die Zähne aus. Du kannst kein so stabiles OS haben, wenn die Hardware sich so unterscheiden kann! Wir reden von 10K+ verschiedenen Motherboards, mit denen der eine oder andere Pentium ein OSX86 laufen lassen könnte.

Das mit dem "ein Klick"-Recompile könnte überlesen werden. Denn es ist naheliegend, dass das bestenfalls auf Microsoft, einige Shareware Autoren und sonstige Randgruppen zutrifft. Meiner Meinung ist ein einfaches Recompile das schlimmste, was man einem OS antun kann.

Andererseits muss ich mir ja gleich selbst widersprechen, denn die mangelnde Optimisation heutiger Programme lässt wahrlich Zweifel aufkommen, ob es noch einen Programmierer gibt, der sich um effizienten Code kümmert!

Dass sich NeXTstep in der OPENstep Version für Intel am besten verkaufte, ist sicher wahr, aber daraus kann man nicht schliessen dass der Code x86 ist, denn für das Kompilat spielt es keine Rolle wie oft es verkauft wird. Ohne es genauer zu wissen würde ich annehmen, dass es nicht einmal halb so "x86-lastig" ist wie die Verkaufszahlen es vermuten liessen. Es kommt ja ganz klar nicht von dieser Seite. Aber DASS es das OPENstep für Intel gab ist heute ein Glücksfall für Apple im technologischen Sinne.

Just my 2 Cent

Von: sandro | Datum: 11.12.2002 | #2
Ich denke das OS X auf Intel ernsthaft in Betracht gezogen wird. Wenn Microsoft z.B. Office canclen würde, dann kann sich Apple eingraben (nicht das ich Office gut finde, aber leider geht Beruflich wie privat nix daran vorbei). Die bisher erschrumpften 2,5-3% Marktanteil sind zu wenig.
Und ein Intel OSX Verson auf der nur Cocoa Programme laufen, würde den Umstellungsprozeß beschleunigen. Heist ja nicht daß es keine PowerPC Rechner mehr geben muß. Allerdings muß es Apple schaffen sich bis dahin mehr von den Rechnerverkäufen unabhängig zu machen. Und bis dahin ist es leider noch ein weiter Weg. Auch wenn sie Ihn deutlich eingeschlagen haben mit dem iPod und den Softwareaufkäufen der letzten Monate.

Response, allerdings rätselnd

Von: Thyl | Datum: 11.12.2002 | #3
Mike, Ich bin nicht sicher, ob ich das alles verstanden habe, aber ich versuche mal darauf zu antworten:
Die Qualität der Treiber von NeXT für die intel Plattform war meines Erachtens besser als das, was derzeit geboten wird, nicht unbedingt von Apple, aber so insgesamt. Am Anfang, so mit Version 3.1 -3.2, war es ziemlich übel, aber danach hatten sie die Hardware ganz gut im Griff. Wenn man sich von Billighardware fernhielt, die teils einfach physikalisch nicht den Belastungen durch ein heftiges Betriebssystem standhielt, lief OPENSTEP extrem stabil. Ich habe seit 1994 keinen neuen install mehr durchgeführt, nur noch Updates, und das Ding läuft und läuft und läuft, trotz verschiedener Hardware-Updates. Fazit: Es geht, wenn man sich ein bischen auf gute Hardware konzentriert.

Das mit dem Recompile habe ich nicht verstanden. Bezog sich das auf das Betriebssystem? Da glaube ich tatsächlich, dass es ziemlich so war. Die ganzen Hardware-bezogenen Sachen waren in Treibern, und der Rest lag dann in der Compileroptimierung beim Crosscompilen des Restsystems. Allerdings wurde kein Schwerpunkt auf Performance-Optimierung gelegt, was sich aber nach einiger Zeit auch erledigt hatte, da die Rechner schnell genug wurden.
Das mit dem x86 Code habe ich gar nicht verstanden. Das Kompilat bei den Fat Binaries der Programme enthält natürlich alle Code-Formen (in getrennten Verzeichnissen). Dass die intel-Version die meist eingesetzte ist, schließe ich daraus, dass ich praktisch niemanden kenne, der die PA-RISC und die SPARC-Versionen einsetzt, dass nur 50000 NeXT-Rechner verkauft worden sind, und dass nach kurzer Zeit für alle Versionen bis auf die intel die Entwicklung neuer Treiber augegeben wurde, so dass im wesentlichen nur diejenigen SPARC und PA-RISC Rechner unterstützt wurden, auf die ursprünglich portiert worden ist.

Aber bitte erleuchte mich, damit ich besser verstehe, was Du meinst ;-)

Carbon = Mist ???

Von: Bodo | Datum: 11.12.2002 | #4
Diese Aussage hat das Niveau des Heise-Forums.
Stimmt so nicht.

Aber es ergeben sich dann Schwierigkeiten beim Portieren (bzw.recompileren unmöglich)

Carbon, Cocoa und Cross-Compilierung

Von: mattik | Datum: 11.12.2002 | #5
Ich weiß nicht, wer das Märchen in die Welt gesetzt hat, daß Cocoa nicht Rekomplilierbar sei und bei Cocoa alles mit einem Knopfdruck liefe. Sicherlich enthält Carbon einiges an Altlasten aus MacOS-Toolbox-Zeiten und sicherlich ist die Cocoa-API moderner strukturiert und dendenziell plattformneutraler, aber erstens kommt es bei der Rekomilierbarkeitsfrage nicht nur auf die API, sondern auch auf das Programm selbst an (wie legion sagt: insbesondere Programme, die etwas ins Eingemachte gehen, sind gute Problemkandidaten) und zweitens ist Carbon besser als sein Ruf (siehe Bodo). Apple hat hier eine Menge in Richtung Plattformunabhängigkeit getan und könnte sicherlich auch eine CarbonLib o.ä. für andere Prozessoren basteln.

Aber wozu sollte Apple sich ins eigene Bein schießen? Sich Ärger in der Hardwareproduktion einhandeln und gleichzeitig bei einer vermutlich geringeren Zuverlässigkeit landen? Zuverlässigkeit ist eins der größten Werte des Mac! Wer das nicht glaubt, sollte sich mal an eine Dose setzen...

Bitte weiter denken als bis zum aktuellen ALDI-Katalog!

Von: Kai | Datum: 11.12.2002 | #6
Hier wird schon wieder derselbe Fehler begangen wie bei jedem "OS X on x86"-Gerücht:
Bitte fragen welche Zukunft x86 denn eigentlich überhaupt noch hat!
Selbst Intel will x86 langfristig loswerden, und nicht erst seit gestern! Mit IA64/EPIC und Itanic wurden die ersten Grundsteine dazu gelegt! Und AMD macht mit x86-64bit rum! Also was sollte es bringen, jetzt mit erneutem Aufwand (OS X!) auf x86-32 zu portieren (AMD fällt ja flach!), wenn das noch maximal 3-4 Jahre "hält"?? Kann mir mal jemand diese Frage beantworten?
Soll man von den Entwicklern schon wieder erwarten, dass sie ihren Code auf eine neue ISA umbasteln? Wer sollte da bitte noch mitmachen?

Die Antwort auf all diese Fragen ist der Grund, warum es OS X auf x86 niemals geben wird, und selbst wenn der P4 mit 10GHz rauskommt!

Abgenudelt

Von: Tzunami | Datum: 11.12.2002 | #7
Dieser MacOS X für x86 ist mittlerweile so Abgenudelt wie:
Zur nächsten Macworld bringt Apple einen Newton nachfolger.
und:
Apple ist sowieso bald Pleite.
Beide Sprüche hört man schon seid anbegin der Zeit, aber alle dummen dinge sind ja bekanntlich 3.

Optimiert oder nicht...

Von: criss | Datum: 12.12.2002 | #8

Hier muss ich dann doch mal widersprechen - zumindest ich gebe mir stets Mühe, Programme effizient zu schreiben (und meistens ziemlich erfolgreich ;-). Ist mir wichtiger als Featuritis...

Und merke: Egal wie oft und gut Du ein Programm schon optimiert hast, es geht immer noch deutlich besser ;-)

Irgendwie finde ich das doch Schrott

Von: Thyl | Datum: 12.12.2002 | #9
Ob Carbon als solches Schrott ist, kann ich als Nichprogrammierer nicht beurteilen, aber was mich wirklich ärgert, ist die unter carbon viel einfacher gegebene Möglichkeit, ein eigenes Ding zu machen. Während Cocoa Programme den Vorgaben zu folgen pflegen, sieht man bei den carbonisierten Programmen immer noch die ganzen Auswüchse des Altbalasts, mit den ganzen Konsequenzen für Anwender, wie inkonsistentes Verhalten zwischen Anwendungen (ich nöchte nunmal für alle Programme die gleichen Dialog-Fenster und sie sollen alle gleich aussehen und sich gleich anfühlen, denn ich habe keine Zeit, mich immer wieder in krude Gedankengänge einzudenken), und mangelnde Unterstützung von Features (Services, Inhaltsinspektoren, etc).

Mein Vorbild ist da OPENSTEP. Alles sieht aus und funktioniert wie aus einem Guss. Kennt man ein Programm, kennt man alle (mehr oder wendiger).

marktanteile

Von: propago | Datum: 12.12.2002 | #10
so blöd find ich die idee macos für intelkisten gar nicht. aus redmond kommt schliesslich nichts gutes und demnächst heisst das tcpa, oder im klartext, versklavung der binären welt. da sind ansprechende, einfache und zukunftsfähige alternativen gefragt. und welche firma ausser apple hat genug kohle, um in bill's eigenem sandkasten zu wildern, sprich marktanteile zu klauen?