ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1559

Der Sharp Zaurus

Ein neuer HP 41?

Autor: thyl - Datum: 18.12.2002

Mangels interessanter Neuigkeiten von Apple und Umgebung gucke ich heute mal etwas über den Zaun. Der Anfang des Jahres auf den Markt gekommene Linux-PDA SL-55000 entwickelt sich zum Spiel- und Experimentierwerkzeug für UNIX-Freaks, obwohl er auch als normaler PDA lanciert worden ist. Anfang der achtziger Jahre des letzten Jarhhunderts führte HP mit dem Modell HP-41 den ersten nicht nur numerisch, sondern auch alphanumerisch (mit Zeichenketten) arbeitenden programmierbaren Taschenrechner ein. Der HP-41 war mit vielen vorprogrammierten oder frei programmierbaren Speichermodulen und zahlreicher Peripherie, wie Magnetkartenleser, Drucker, Casettenlaufwerk etc. über vier Einsteckplätze erweiterbar. HP hatte ein Gerät geschaffen, dass leichte Bedienung und technischen Anspruch in sich vereinte. Der HP-41 war tatsächlich so etwas wie ein Computer für die Westentasche, und im Vergleich zu damals erhältlichen Computern richtig erschwinglich.

Innerhalb kurzer Zeit setzte ein Boom um diese Geräte ein. Hunderte Programme wurden geschrieben und verschiedene Peripheriegeräte von anderen Herstellern kamen auf den Markt, teils recht speziell. Als dann auch noch die interne Programmierung des HP-41 "geknackt" wurde, was die Möglichkeiten deutlich erweiterte, wurde der HP-41 zum Kultgerät. Er hatte die richtige Mischung zwischen Vielseitigkeit, Offenheit (bezüglich Erweiterungen und Programmierung), Produktqualität und Unterstützung von HP. Die Geeks wurden angezogen und konnten sich austoben, zum Nutzen aller Anwender und auch von HP.

Mein HP-41 steht hier neben mir und wird noch täglich für einfache Berechnungen verwendet. Die Einführung der PCs wurde allerdings irgendwann eine zu starke Konkurrenz und hat - ganz allgemein - programmierbare Taschenrechner in Nischenmärkte abgedrängt.

Ein wirklich vergleichbares Produkt hat es danach nicht mehr gegeben. Auch der Newton war, trotz aller Raffinesse, in erster Linie ein Consumer-Produkt. Und nun hat im März dieses Jahres Sharp seinen PDA SL-5500 auf den Markt gebracht, als Konkurrenz zu PalmOS und PocketPC. Mittlerweile gibt es noch weitere PDAs von Sharp mit derselben Architektur, teils nur in Japan.

Der Zaurus SL-5500 hat einen SD- und einen CF-Slot, USB, Serielle und IrDa Schnittstelle und hinreichend Hauptspeicher. Er weist eine Reihe cleverer Designlösungen auf, beispielsweise Wechselakkus und eine eingebaute Tastatur. Das Beste am Zaurus ist aber sicher die Verwendung von Linux als Betriebssystem und die Freigabe der Quellcodes durch die Entwickler: Damit können Fehler gefunden und behoben werden und das Gerät kann an verschiedene Einsatzzwecke angepasst werden. Es gibt bereits alternative Kompilationen des Betriebssystems und der GUI. Die graphische Oberfläche ist übrigens QTopia von Trolltech, die kompatibel mit dem Qt Toolkit ist, das es unter anderem auch für MacOSX gibt. Der Zaurus ist ein PDA, der mehr ist als nur eine Erweiterung des PCs, er ist auch als ein eigenständiger Rechner konzipiert, der in TCP/IP-Netzwerke integrierbar ist und ein selbständiges Backup auf Speicherkarten erlaubt (O.K., das können auch andere).

In den letzten Monaten sind bereits einige hundert Programme erschienen, vielfach Portierungen aus der Linux bzw. Qt-Welt. Einige der Programme sind klassiche PDA-Programme, andere sind aber auch eher verrückte UNIX-Sachen, wie Apache ("der Webserver für die Handtasche") oder VNC. Viele Leute basteln an den Geräten rum oder versuchen sie zu erweitern. Ich sehe hier tatsächlich so etwas wie eine Kultur entstehen, die der des HP-41 ähnelt, mit der bei Linux üblichen Experimentierfreude, der gegenseitigen Unterstützung und intellektuellen Fähigkeiten.

Sharp gibt das nicht so offen zu, aber sie fahren wohl eine zweigleisige Strategie, mit Endanwendern/Firmenkunden auf der einen Seite und den Linux-Hackern auf der anderen Seite. Ob der SL-5500 so erfolgreich sein wird wie der HP-41, weiß ich nicht, aber einige der Voraussetzungen stimmen. In Japan hat das kleinere Modell immerhin aus dem Stand einen Marktanteil von 10% erreicht und in den USA konnten vom SL-5500 70000 verkauft werden.

Leider muß Trolltech noch ziemlich an den PIM-Anwendungen basteln, die bei weitem nicht die Bedienbarkeit ihrer Palm-Gegenstücke erreicht haben und teilweise auch noch recht buggy zu sein scheinen, und es gibt noch keine Synchronisierung mit MacOSX/MacOS 9. Doch hier sind Projekte (iCal, iSync) unterwegs und sobald ein bereits inoffiziell angekündigter USB-Treiber für MacOSX endlich fertig ist, kann Trolltech auch den Desktop für MacOSX anbieten. Ein Datenaustausch funktioniert (mit Linux-typischem Basteln) über Ethernet, auch drahtlos, und über Speicherkarten mit einen am Mac angeschlossenen Lesegerät. Vielleicht also dennoch eine Alternative für Mac-Anwender, denen das PalmOS zu limitierend ist und die keinen PocketPC erwerben möchten.

Und was ich mir wünsche, ist eine Anstecktastatur im Taschenrechnerlayout für ein Taschenrechnerprogramm, mit den wunderbaren HP Kipphebeltasten; aber das wirds wohl nie geben.

Kommentare

Wieso wurde jetzt Amiga DE nicht erwähnt?

Von: Carlo | Datum: 18.12.2002 | #1
wo das doch beim Zaurus mit bei ist? Oder war das etwa nicht bekannt, daß Sharp mit Amiga nen Deal gemacht hat für den Zaurus und das Amiga DE drin sein soll. Unix und Java.

Mangels interessanter Neuigkeiten von Apple und Umgebung

Von: archibald | Datum: 18.12.2002 | #2
Mangels interessanter Neuigkeiten von Apple und Umgebung......
...warum schreibt keiner was über Erfahrungen mit dem neuen "Virtual PC 6.0 upgrade" ?
Müssen es immer gleich so abgelegene Themen wie der Sharp Zaurus sein ?

Das geilste am Zaurus ist...

Von: Titan | Datum: 19.12.2002 | #3
... meiner Meinung nach die Japanische Handschriftenerkennung. Die war erste Sahne von Anfang an. Deswegen hatte ich mir ja damals eines der ersten Teile für einen Schweinepreis gekauft.

Damit ist man immer schneller, wenn man mal schnell ein Kanji nachschlagen will, als mit jedem Wörterbuch (da muß man nämlich erst einmal anfangen, Striche zu zählen, argh...)

Hier kann jeder schreiben, was er will

Von: Thyl | Datum: 19.12.2002 | #4
im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich ;-) Ich fand den Zaurus interessant und dachte, dass es durchaus eine Schnittmenge an Leuten geben kann, die sowohl MacOSX als auch einen Zaurus verwenden wollen, da
1. Beides UNIX ist und
2. Beides nicht MS ist

Palms Betriebssystem gestattet halt einige Sachen nicht, die man mit dem Zaurus machen kann und das ambitionsmäßige Konkurrenzmodell zum Zaurus ist der PocketPC.

Davon abgesehen, hab ich VirtualPC nicht und schreiben kann ich detailliert nur über etwas, was ich testen kann. Da ich auch keinen Zaurus habe, ist das auch mehr ein Bericht über das beobachtbare Phänomen der sich entwickelnden Zaurus-Kultur als ein Einfahrungsbericht zum Zaurus.

Wieso wurde jetzt Amiga DE nicht erwähnt?

Von: Andreas Wolf | Datum: 20.12.2002 | #5
@ Carlo:

> wo das doch beim Zaurus mit bei ist?

Das stimmt nicht. Es ist mal wieder anders gekommen, als Amiga Inc. sich das gewünscht hat.

> Oder war das etwa nicht bekannt, daß
> Sharp mit Amiga nen Deal gemacht hat...

Amiga Inc. und Deals - zum Scheitern verurteilt :-P

> ...für den Zaurus und das Amiga DE
> drin sein soll.

Frag doch mal einen Zaurus-Besitzer, ob da irgendwas von Amiga Inc. drin oder drauf ist. Du wirst überrascht sein ;-)