ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1585

Haste Töne?

Professionelle Film-Soundtracks für 50 Dollar!

Autor: wp - Datum: 01.01.2003

Maestro - ehrfurchtbeladener Titel wirklich großer Könner, meist Tonschöpfern und/oder -künstlern zugedacht, insbesondere wenn sie nicht nur mit ihrer Kunst, sondern auch (oder gar zuvorderst) mit ihrer Persönlichkeit beeindrucken. Man denke da an Pultkoryphäen wie Arturo Toscanini - mit einem italienischen Namen dahinter hört sich "Maestro" ohnehin am besten an - oder von Karajan. Komponisten kann man sicher auch so betiteln, und wenn es sich um Musikschaffende der Filmindustrie handelt, die ja bekanntlich im wesentlichen im englischsprachigen Ausland beheimatet ist (Wie heißt noch das Land, in dem sie Ödipus zum Präsidenten gemacht haben?), dann ist "movie maestro" die passende Sprachschöpfung.

Aber halt, schon belegt! SmartSound Movie Maestro heißt ein Programm von Sonic Desktop Software, und das ist eine (ich zitiere) "schnelle und intuitive Lösung für die Erstellung eines guten Soundtracks". Das Zitat stammt von Roland Müller, dem das Tool zwischen die Finger gekommen ist und der kurz vor der Abreise zur MacWorld noch einmal für MacReview in die Tasten gehauen hat - Maestro Mulinario (sorry, kann kein Italienisch, aber das könnte doch gut Müller heißen, oder?) ist ja auch ein Virtuose des Keyboards, wenn auch, so weit wir wissen, eher dessen mit den Buchstaben auf den Tasten.

Wer also privat und/oder professionell auf den Pfaden eines Sergio Leone wandelt, aber nicht gleichzeitig auch Ennio Morricones Fähigkeiten mitbringt, sollte der folgenden freundlichen Empfehlung unseres Redaktionssystems Folge leisten:

iMovie und Movie Maestro - ein Dream-Team?

Hin und wieder bekommt man als Redakteur eine Software in die Hände, bei deren Test man sich wundert, warum nicht längst jemand auf diese Idee gekommen ist. Um es vorweg zu nehmen: SmartSound Movie Maestro von Sonic Desktop Software ist ein solches Programm. Denn es löst auf einen Schlag und überaus elegant die vielleicht größte Schwäche von Apples ansonsten genialem iMovie - keine schnelle und intuitive Lösung für die Erstellung eines guten Soundtracks mitzuliefern.

Wo bitte geht's nach Hollywood?

Movie Maestro ist also eine Software zum Kreieren von Soundtracks. Der Knaller ist, wie sie das tut. Startet man das Programm, öffnet sich ein bemerkenswert simples, übersichtliches und intuitiv zu bedienendes Interface, bestehend aus einem zentralen Movie-Fenster, links davon drei große Buttons für "Save Sound", "More Sound" und "Tutorial", unten die fünf üblichen Buttons zum Steuern des Filmclips, darunter eine Timeline mit Ein- und Ausblendreglern, einem Zoom-Regler und dem Button "Add Music", mit dem aus der umfangreichen auf mehreren CDs mitgelieferten Soundbibliothek ein Musikstil ausgewählt werden kann.

Start

Einfacher geht's nimmer

Was ist nun zu tun, wenn man seinem iMovie-Machwerk einen professionellen Soundtrack verpassen will, der - wie alle Kinogänger wissen - aus einem Amateur-Clip erst einen Film macht? Ganz einfach: Movie Maestro fragt nach dem Start, ob man einen Film vertonen will, Musik ohne Film komponieren will, ein bereits gesichertes Projekt öffnen oder ein Sample-Projekt öffnen will. Klickt man auf "Create Music for a Movie", kann man den gewünschten Quicktime-Film über die übliche Finderfunktion öffnen.

Bild 2

Er erscheint dann im Filmfenster und lässt sich dort mit den Laufwerkstasten beliebig vor- und zurückfahren, während er zugleich darunter als Timeline abgebildet wird. Nun klickt man auf "Add Music" und sucht sich unter Anleitung eines dreistufigen "Wizards" über Musikkategorie, Stil und Soundtrack von einer der vorher eingelegten oder besser noch auf die Festplatte überspielten Sound-CDs das musikalische Rohmaterial aus, mit dem man den Filmclip unterlegen will.

Bild 3

Stil

Track

Movie Maestro "komponiert" dann den Soundtrack bis auf 0,5 Sekunden genau auf die Länge des ausgewählten Filmteils oder auf die Gesamtlänge des Clips. Man kann also locker innerhalb eines längeren Film-Machwerks verschiedene Szenen mit verschiedenen Soundtracks belegen. Die Länge der Tracks kann jederzeit per Drag und Drop verändert werden. Die Komposition wird von Movie Maestro automatisch nachgebessert! Was durch das Musikkomponenten-Bausteinsystem ermöglicht wird, dessen sich Movie Maestro wie sein großer Bruder SmartSound Sonicfire Pro bedient. Dann braucht man nur noch die Länge der Ein- und Ausblendungen festzulegen, natürlich - wie sich's gehört - per Regler, und das war's eigentlich schon!

time line

Und raus damit zur Filmförderung

Exportiert wird das Ergebnis des cineastisch-kompositorischen Schaffens als Quicktime Movie File oder direkt auf Videotape, Video-CD oder DVD. Das Ergebnis ist absolut Top für ein Produkt, das gerade mal 50 Dollar kostet. Die mitgelieferten 26 verschiedenen Tracks sind zwar nur mit 22 kHz gesampled, aber trotzdem von sehr guter Qualität. Sie reichen stilistisch von New Age über Orchestrales, Rock und World Music etc. Dazu gibt es sechs weitere Sound-Libraries mit je 10 weiteren Tracks. Kostenpunkt: 30 Dollar je CD. Will man echte CD-Qualität, gibt's einen ganz einfachen Trick: Movie Maestro kann genau so gut mit den CDs aus der High End Smart Sound Bibliothek umgehen, die mit 44 bzw 48 kHz Tonstudio-Niveau erreichen. Es gibt mittlerweile Dutzende davon mit Musik jedes nur denkbaren Stils! Wobei beim Ansehen bzw. Anhören des fertigen Films jeder Nicht-Profi schwören wird, der Soundtrack sei speziell für diesen Film komponiert worden! (Aber pssst! Ich habe den Test selbst gemacht - bei der Produktion eines Messevideos für einen IT-Kunden...)

Die technischen Voraussetzungen

Movie Maestro läuft unter OS 9 und OS 10, letzteres native! Und auf jedem G3 oder G4 Mac, der halbwegs mit iMovie klarkommt. Unter www.sonicdesktop.com kann man sich schlau machen oder bestellen. Anfang 2003 wird es einen deutschen Vertrieb geben, so dass mir nur als Fazit für jeden iMovie-User zu empfehlen bleibt:

Kaufen, kaufen, kaufen!

Kommentare

Hier gibts eine Demo

Von: Norbert | Datum: 01.01.2003 | #1
http://www.weskampundpartner.de/HTML/Produkte/SonicDesktop/Maestro3.html

Danke, Norbert!

Von: Roland | Datum: 01.01.2003 | #2
...hatte ich in der hast vor unserem Aufbruch zur MWSF 2003 ganz vergessen zu erwähnen!

w/kind regs (Roland)

harnoncourt

Von: Bert | Datum: 01.01.2003 | #3
Also Nikolaus Harnoncourt (der uns heute ein wunderschönes Neujahrskonzert beschert hat) meinte bei der Anrede mit Maestro einmal: "Was soll das? Bin ich ein italienischer Friseur?"... Gruß, Bert

Und was ist mit editierbaren Lautstärkekurven

Von: Joker | Datum: 01.01.2003 | #4
denn das vermisse ich in iMovie am allermeissten. Es ist echt ein Alptraum wenn man Kommentar, Soundtrack und Clip O-ton mischen will
Gruss Jochen

Ausprobiert

Von: ThorsProvoni | Datum: 02.01.2003 | #5
Ich habe gerade die Demo ausprobiert... nicht schlecht. Das Programm ist wirklich gut, wenn man fertige Filme hat, die man nachvertonen möchte. Ich werde es mit aber dennoch nicht zulegen:

1. Die Musik klingt halt wie typische lizenfreie Hintergrundmusik. Nicht mein Geschmack.
2. Ich arbeite anders mit iMovie: ich lege eine Sequenz erstmal grob fest, suche dann die passende Musik und schneide dann erst die Sequenz fertig.

@Joker: Das ist für mich auch das größte Problem. Hoffentlich wird das mal verbessert. Momentan extrahiere ich jedesmal den Ton, peppe ihn in einem Audioprogramm auf und importiere ihn dann wieder. Ziemlicher Aufwand. Und dann habe ich noch nicht das Problem mit den Lautstärkekurven gelöst...

Maestro jetzt mit 5 zusätzlichen CDs

Von: marek | Datum: 23.09.2003 | #6
@thors: Typische Hintergrundmusik? da irrst Du gewaltig!
Bisher gab es 6 themenbezogene Audio-CDs. Jetzt sind weitere 5 Cds hinzugekommen. Eine bessere als die andere. Einzige Einschränkung: MovieMaestro ist nur für den Heimgebrauch erlaubt. Also keine öffentliche Aufführung od. kommerzielle Nutzung. Aber wer das will, kann zur Profiversion SonicFirePro wechseln mit über 50 Audio-CDs und erlaubter kommerzieller Nutzung.
In Deutschland kann man die CDs und Software hier online bestellen:
[Link]