ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1606

Die Keynote die niemand erwartet hat.

Zitat Brian Transeau: "When do you guys stop thinking of cool stuff?"

Autor: kai - Datum: 07.01.2003

Zusammenfassend war es eine Keynote, die sehr überrascht hat. Sogar einige Gerüchte/Wünsche, die sich zum Teil schon seit vielen Monaten halten wurden erfüllt.
Aber hier zum zeitlichen Ablauf: Um 18.12 betrat Steve nach minutenlanger Joni Mitchell-Tortur die Bühne. Zuerst gibt's natürlich -wie gewohnt- Erfolgsmeldungen en gros: 68% aller Apple-Web-Besucher sind Windows-User; 50% aller Applestore-Kunden sind Windows-Switcher (das deckt sich lustigerweise fast genau mit der Zahl, die die letzte Heise-Umfrage ermittelt hat!). Es gibt mittlerweile 51 Applestores. iCal wurde 1.1 Mio mal heruntergeladen. 250.000 User für .mac (Steve gibt jedoch zu, dass die Resonanz auf .mac nicht gerade freundlich war). Der iPod hat sich im relativ kurzen Zeitraum von 14 Monaten extrem gute 600.000 mal verkauft (da lag ich mit meiner Schätzung über 400.000 wohl ziemlich daneben - oder ich hab das Weihnachtsgeschäft 2002 unterschätzt!) und ist in Japan und den USA der #1 mp3-Player, in Japan mit einem Marktanteil von 42%!
Steve erwähnt, dass es sogar einen grossen Markt allein für iPod-Zubehör gibt, mittlerweile gibt es sogar Snowboard-Wear mit eingebauten iPod-Taschen und -knöpfen(!), was den Kollegen dazM wohl sehr freuen sollte! ;-)

Als Steve über die (verlängerte) "Office Party"-Aktion redet, in der M$ Office zusammen mit Macs erheblich günstiger verkauft wird, wird klar, dass es mit dem lange erwarteten Appleworks-Update wohl diesmal nichts wird.
Bisschen Softwarevorstellung (QuickBooks, Nascar Racing und Virtual PC 6), danach eine etwas hastige ProTools-OS X-Demo von DigiDesign-Mitarbeiter Dave Lebolt.
Danach die erste Vorstellung von Apple selbst: Final Cut Express. Eine etwas abgespeckte Final Cut Pro-Version mit vielen interessanten Features, die zwischen iMovie und FCP angesiedelt ist und die ambitionierten Hobby-Filmer ansprechen soll. Abgespeckt auch im Preis, denn es kostet statt $999 für FCP nur noch $299.
Steve kündigt an, dass alles von Apple in Zukunft nur noch in einer OS X-Version erscheinen wird. Etwas unklar war für mich, ob Steve jetzt wirklich gesagt hat, dass alle Macs nur noch OS X booten werden oder nicht.
Zumindest einen lustigen Versprecher leistete er sich als er sagte "we're focussing everything on Nine!"

Als nächstes der Digital Hub. Apple hat (fast) alle iApps überarbeitet, dass diese so gut wie möglich nahtlos zusammenarbeiten. Es gibt neue Versionen von iPhoto, iMovie (endlich!) und iDVD.
In iPhoto 2 gibt es jetzt eine Auto-Farb- und Kontrastkorrektur und eine Art Reparaturpinsel fürs Retuschieren von ungewollten "Fehlern". iPhoto kann jetzt auch aus iTunes einen Soundtrack für eine iPhoto-Slideshow übernehmen. Ausserdem hat man jetzt die Möglichkeit, direkt aus iPhoto heraus seine Bilder auf eine CD oder DVD zu archivieren (ob eine echte Photo-CD geschrieben werden kann hat Steve nicht gesagt, aber vielleicht hat Kodak ja was dagegen!). Die Geschwindigkeit sah zumindest auf Steves Rechner (sicherlich der von MOSR periodisch wiedererweckte mysteriöse Quad-G4-Mac!) jedenfalls stark besser aus als beim jetzigen iPhoto.
In iMovie 3 gibt's endlich eine verbesserte Sound-Unterstützung, die eine Lautstärkekurve für Soundtracks (natürlich aus iTunes) ermöglicht. Ausserdem kann man Photo-Slideshows aus iPhoto importieren, und diese mit einem sogenannten "Ken Burns"-Effekt (eine Art Pan & Zoom, einer Kamerafahrt über ein Foto) animieren. Ausserdem gibt's massenhaft neue Soundeffekte (Von George Lucas' SFX-Firma!), Videofilter, Titeleffekte und Blenden. Auch schön: iMovie hat jetzt ein flexibles Fenster-GUI, das nicht auf eine spezielle Auflösung optimiert ist. Sehr schön, hiermit ist der Abstand zu XP Moviemaker wieder wie gewohnt.
Die fertigen iMovie-Filme können dann direkt ohne grosses Exportieren in iDVD 3 geladen werden (inklusive der in iMovie definierten Kapitel, die direkt in ein Auswahlmenü umgewandelt werden). iDVD 3 zeichnet sich weniger durch neue Funktionalität als durch atemberaubende Layout/Design-Templates für den ambitionierten Filmer aus. Diese zugegeben sehr schönen Themes wurden dann natürlich von Steve in der gewohnten Ausführlichkeit demonstriert ("it's incredible", "very nice" usw). iDVD 3 kann natürlich auch Slideshows von iPhoto und Soundtracks von iTunes übernehmen.
Das ganze Paket aus den 4 iApps nennt sich dann ab jetzt "iLife" und als jedermann schon dachte, dass Steve gleich den von ThinkSecret prognostizierten Preis von $49 bekanntgeben würde, sagte Steve auf einmal was von "free download" (ab 24.Januar) - zwar nur für iPhoto 2 und iMovie 3 (iTunes 3 natürlich sowieso weiterhin), aber da iDVD 3 mit all seinen Themes und Material viele hundert MB gross ist (Hallo Download!) und da nur die "gesegneten" mit einem DVD-Brenner es überhaupt brauchen finde ich einen Preis von $49 für das ganze Softwarepaket auf CD mit allen 4 iApps absolut angemessen. Mit einem neuen Mac kommt das ganze natürlich weiterhin gebundled, bei DVD-R-Macs natürlich auch mit iDVD3!
Zwischendrin kündigt Apple an, den Preis seiner DVDs auf $3 zu reduzieren. Dies ist erstaunlich günstig, ich kenne mittlerweile PC-Freaks, die ihre DVDs am liebsten bei Apple kaufen, weil sie da billig super Qualität kriegen! ;-)
Fazit Steve zu iLife: "We are so far ahead of everybody - its not funny"

Dann weiter zur ersten echt grossen Überraschung der Keynote: Safari! Safari ist der lange durch die Gerüchteküchen gereichte Apple-eigene Browser, der von vielen (auch von mir!) mit viel Zweifeln bedacht wurde (an dieser Stelle einen schönen Gruss an den Kollegen Haller, der kurz vor Start der Keynote dessen Existenz noch fest leugnete! ;-).
Er wurde speziell für OS X entwickelt und voll auf Speed optimiert. In einer Testsuite war er fast 3 mal so schnell wie der Internet Explorer, und sogar noch schneller als Chimera, der bisher ungeschlagene Geschwindigkeits-König! Er basiert auf KHTML (wohl die Basis von Konqueror auf Linux?) und wird von Apple als Opensource herausgegeben, bei dieser Gelegenheit war Steve sich nicht zu schade, nochmal zu betonen, wie gerne Apple Opensource mag. Er ist leider noch nicht ganz fertig, aber was zu sehen war war echt beeindruckend, hoffen wir, das Apple die Kompatibilität gut hinkriegt und wir haben endlich den für OS X optimierten Browser, den wir schon immer wollten! Einen Download der Beta-Version mit erfreulich schlanken 3MB gibt es hier. Die von Steve beworbenen Features wie Google-Integration, "Snapback", PopUp-Blockierung und intelligentes Bookmarking waren jetzt nicht so bahnbrechend, wie er das gerne hätte, da das auf vielen Browsern schon lange Standard ist. Das soll die Freude an Safari aber nicht schmälern! Interessant wird sein, was M$ davon hält, dass Apple seinen eigenen Browser macht...
Nächster Hammer: Keynote, ein Präsentationsprogramm. Ganz der Egomane proklamiert Steve ganz gelassen, dass es speziell für ihn entwickelt wurde und dass er auch der Beta-Tester dafür war. Das macht das Programm aber keinesfalls schlecht: Volle Nutzung von Quartz, d.h. perfektes Antialiasing für Text in jeder Grösse, alles kann beliebig rotiert und skaliert werden, echte Alphakanäle für Bilder, Animationseffekte en gros (incl. 3D-Mapping), Auto-Positionierung, Diagramme aller Art, Tabellen und Themes um das ganze zu hinterlegen (wieder mal ausführlich von Steve demonstriert). Kann ex- und importieren von Quicktime, PDF und Powerpoint (!), das native Dateiformat von Keynote ist offen, so dass jeder Dateifilter oder Zusatzprogramme entwickeln kann. Preis: $99
Auch hier gilt: Direkter Konkurrent zu Powerpoint! Wie schmeckt das wohl Redmond?

Steve fing an, darüber zu reden, wie Apples Notebook-Verkäufe ständig zugenommen haben über die letzten Jahre, und dass das vor 2 Jahren vorgestellte Powerbook immer noch ungeschlagener König der Notebooks ist. Dann war die Zeit reif für "one more thing": Zeit für neue Hardware! Entgegen den Prognosen einiger, dass diese Keynote sich nur um Software drehen würde zauberte Apple doch die sporadisch kurz vor der Keynote durch die Gerüchteküchen gereichten neuen PowerBooks aus dem Ärmel: Ein 17"-Powerbook (das jetzt kein Titanium, sondern gehärtetes Aluminium ist) das nicht einfach nur wegen seiner schieren Screen-Grösse (das erste 17"-Notebook überhaupt - wieder ein Apple-Worldfirst!) atemberaubend ist sondern auch wegen seiner sonstigen Features, die so ziemlich alles (und mehr!) beinhalten, was lange die Gerüchteköche beschäftigte: Airport Extreme (IEEE 802.11g) mit 54 MBps (hierzu gibt's auch eine neue Airport-Basestation für bis zu 50 Usern, mit Bridging (nahtloses Bewegen von einer Basestation zur anderen) und USB-Anschluss für Druckersharing! Für extrem verbilligte $199!), durch Fiberoptik von innen (!) beleuchtete weiße Tastatur, die mit Licht-Sensoren die Beleuchtung der Tastatur und die Helligkeit des Displays steuert, Firewire2 mit 800 MBps, 512MB DDR-RAM (wohl leider immer noch "gebremst"!), GeForce4 440 Go 64MB DDR und Bluetooth integriert! Dann noch die "bekannten" 1GHz G4, 1MB L3-Cache, GBit-Ethernet und 60GB HD sowie Slot-in DVD-R. Das Display hat die Auflösung des 17"-iMac, also 1440 x 900m und ob der GeForce4 besser ist als der Radeon9000 Mobility im "alten" TiBook ist noch nicht ganz sicher, Shaderfunktionalität bietet bisher meines Wissens nach als einziger Notebook-Chip jedoch der Radeon. Die Anschlüsse sind komplett an die Seiten gewandert, denn die Display-Aufhängung wurde vom iBook übernommen (die alte war wohl zu fragil, desöfteren hörte man von gesprungenen Halterungen!); einer der USB-Anschlüsse ist jetzt rechts, es gibt einen alten 400 MBps Port und einen neuen 800 MBps mit anderem Stecker (gibt aber Adapter). Dank dem Aluminium-Gehäuse ist die Airport-Reichweite jetzt auch endlich so gut wie beim iBook, Akkulaufzeit: satte 4.5 Stunden mit neuartiger Batterie.
Jeder hatte schon Angst vor dem Preis, den Steve jetzt für das Ding nennen würde, aber dann fielen allen die Kinnladen runter als er einen sensationellen Preis von $3299 für diesen industry-first Luxus-Superlativ nannte. Zum Vergleich: Das originale (grosse) 15.2"-Powerbook kostete bei Einführung vor 2 Jahren satte 9299 Mark! Somit ist der deutsche Aufpreis von knapp unter 400 Euro (ja, Mehrwertsteuer miteingerechnet), der das ganze dann vorerst mal auf 4058 Euro bringt zwar schmerzhaft, aber immer noch eine Verbilligung.
Als dann alle um Luft ringend am Boden lagen zog Steve noch ein Kaninchen aus dem Hut: "One more 'small' thing": Das 12"-Powerbook! Kleiner und sogar einen Tick leichter als ein 12"-iBook, aber mit (fast) allen Features des Powerbooks!! Slot-in DVD-R (Combodrive optional), 867MHz G4, 256MB DDR-RAM (jedoch nur 1 slot wie das iBook mit 128MB fest verlötet!), 40GB Festplatte, Bluetooth eingebaut, Airport Extreme ready, Firewire 400, GeForce4 420 Go mit 32MB DDR. Akkulaufzeit 5 Stunden, Auflösung ist dieselbe wie bei den iBooks, 1024x768, aber das Ding ist noch viel mehr ein Subnotebook wie das iBook!
Auch hier der Preis gut: $1799 ($1999 mit Superdrive), das grosse 12"-iBook kostet $1299, Deutschland: 2202 Euro für die Combodrive-Version des 12"-Powerbooks(knapp 200 Euro mehr).
Dann wurden noch einige TV-Spots für die neuen Powerbooks gezeigt (die mit "Mini-Me" (Austin Powers) war ausnehmend originell!) und dann war die Show zuende.
Ich bin sehr positiv überrascht worden. Sicherlich hegte auch ich geheime Wünsche, die diesmal nicht erfüllt wurden, aber man muss das, was vorgestellt werden nur einmal ganz wertfrei anschauen und man sieht, dass Apple hier wieder einiges vorgelegt hat: 5 neue Softwareprodukte, davon 2 völlig neu und 3 neue Hardwareprodukte, so viel hatten wir schon lange nicht mehr auf einer Keynote!
Ich (und hoffentlich der Grossteil der restlichen Mac-Gemeinde) bin sehr zufrieden mit unserer Apfel-Kompanie und harre der weiteren Innovationen, die bald noch auf uns zukommen werden. Eine Bitte: Verschont mich mit Jammereien, dass kein Tablet-PC/iPhone/Pentium-Mac/AMD-Mac rausgekommen ist! Bleibt realistisch, Leute! Um so etwas wirklich erwarten zu können gab es nichtmal die geringsten Anhaltspunkte!

P.S.: Ein weiteres lustiges Zitat aus dem Powerbook-Werbespot: "I'm not sure with what part of the brain they [Apple]'re thinking, but it's the good part!"

Kommentare

supergeile keynote

Von: imacforever | Datum: 07.01.2003 | #1
Wow, das war wirklich eine super keynote von der ich wirklich begeistert bin. Sie kam ja auch fast ohne Gastauftritte aus. Steve in seinem Element hat wirklich einen Knaller nach dem nächsten ausgepackt. M$ wird sich langsam aber sicher von meinem Mac verabschieden. "keynote" ist schon bestellt und in Safari wird dieser Beitrag getippt.
Ich glaube Du hattest einen Dreher in deinem Beitrag. So wie ich das verstanden habe, ist in dem kleinen 12'' PB das Combo Drive serienmäßig eingebaut und das Superdrive optional. Aber egal, ich warte weiter auf den neuen iMac, der dann ja wohl mit allen neuen iApps (+iDVD 3) ausgeliefert wird und vielleicht mit Superdrive slot-in, 19 '', Firewire II und Bluetooth... *träum* Auch im Jahr der Laptops werde ich mir einen Desktop kaufen ;-) Mann, war das ein schöner Abend ... :-)

Keynote

Von: teufelchen | Datum: 07.01.2003 | #2
War die erste Steve-Keynote, die ich live verfolgte. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob Apple diese gezeigten Präsentationen nun mit M$ Office oder mit AppleWorks gestaltet?! Sah doch ziemlich gut aus und besser, als alles, was ich mit PP von M$ bisher gesehen habe!
Schönes Ding das!

Endlich!

Von: Joachim | Datum: 08.01.2003 | #3
Ich habe die Keynote auch per stream gesehen und bin wirklich begeistert! Also meine "Wünsche" sind voll erfüllt worden!
Ich finde alle (!) genannten Preise voll gerechtfertigt. Da ich iDVD (noch) nicht gebrauche, kann ich ja die anderen iApps weiterhin gratis downloaden. Und wenn ich es dann mal verwenden will, sind mir ehrlich gesagt USD 49 (oder was auch immer in EUR) für das was ich von iDVD gesehen habe wahrlich nicht zu viel. Und dann Keynote! Auf DAS haben wohl viele, mich inklusive, (schon lange) gehofft - endlich kein PP mehr!
Und noch einmal "endlich": das kleine Powerbook! Handlich wie das kleine iBook aber ein G4. Und das slot-in ist meiner Meinung nach das optimale drive für ein Notebook - ich würd meines nie mehr hergeben...
Ich "wage" vorherzusagen, dass das kleine PB ein Renner wird!

Und für Kai ein letztes "endlich" ;-) : Kein Wort der Kritik von mir - vollste Zustimmung!

Viele Grüße,
Joachim

iLive

Von: fritz winter | Datum: 08.01.2003 | #4
Ich frage mich, warum so wenige über das neue Konzept iLife sprechen. Ich habe mir die Videos für iPhoto 2 und iMovie 3 (?) angesehen und mir gleich den 25. Januar als Download-Termin eingschrieben. Es ist schon cool, wenn man in iMovie Lieder aus iTunes direkt importiert genauso wie Bilder aus iPhoto und die CD.Brenn.Funktion ist echt super. Wenn iCal jetzt auch noch so professionell wird, ist das nicht mehr zu toppen.

PS. Das Beste: iTunes, iPhoto und iMovie bleiben entgegen der Gerüchte kostenlos!