ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1613

Die Sendo Story - Crimosoft schlägt wieder zu

Was ficht Sendo wirklich an?

Autor: kai - Datum: 09.01.2003

Wer die Sache mit Sendo mitverfolgt hat (Kurze Zusammenfassung: M$ will Handy-OS bauen, sucht Partner, findet Sendo, Sendo soll erste M$-Telefone rausbringen, Sendo zieht das Z100-Smartphone kurz vor Einführung zurück und verklagt M$) der stand wohl erstmal etwas ratlos da und fragte sich, was das denn jetzt soll. V.a. weil M$ sich doch 10% an Sendo beteiligt hat! M$ selbst liess sogar verlauten, dass sie "erschüttert" seien von Sendos Ausstieg. Natürlich alles Heuchelei, wie schon zu vermuten war. Mac-, CPU- und Mobilfunkexperte Andrew Orlowski vom englischen The Register hat die Antworten auf das Rätsel, das den ambitionierten M$-Kritiker schon lange beschäftigt, und folgendermassen sah es aus:
Anfang 2001 schliesst M$ eine Kooperation mit Sendo, einem relativ jungen Startup aus vielen kompetenten Köpfen in der Industrie, kauft 10% davon und verspricht ihnen, dass sie ihr Go-to-Market-Partner für M$' Stinger (=Windows für Handies, ungefähr sowas wie ein Elefant in Reizwäsche!) sein werden. Man muss dazu wissen, dass Billy vorher schon bei Nokia, Ericsson, Motorola und den anderen Mobil-Grössen vorstellig war und dass die ihm alle die kalte Symbian-Schulter gezeigt haben, was ihn tierisch aufgeregt hat. Sendo ist also einer der "sieben Zwerge", wie Bill sie damals nannte!
Weiter in der Geschichte: M$ verspricht also, dass sie im Juni Sendo ihr fertiges StingerOS liefern, so dass Sendo Ende 2001 die ersten Smartphones ausliefern kann.
Natürlich (hey - wir reden hier von M$!) war im Sommer noch gar nix fertig. Im Herbst natürlich auch nicht. Weihnachstgeschäft ist verpasst, und Sendo hat mittlerweile echte Geldprobleme, weil sie ja noch immer kein Produkt ausliefern können. Eine Bitte an M$ bezüglich einer Geldspritze wird abgelehnt (Tolle Partnerschaft, oder?). Die M$-Aktienbeteiligung wird auf anraten eines M$-Managers, der auch bei Sendo im Aufsichtsrat sitzt in einen Kredit umgewandelt, den Sendo in 3 Raten zurückzahlen soll. Das ganze Jahr 2002 geht vorbei, und Sendo kann immer noch nicht liefern, denn Stinger ist immer noch nicht fertig. Im Herbst 2002 ist die Beziehung bis unter Null (=Klagedrohungen) abgekühlt.
Was Sendo nicht wusste: All die "technischen Meetings", die M$ seit Mai immer unbedingt halten wollte verfolgten ein Ziel: Technisches und Business Knowhow von Sendo zu "extrahieren". M$ fordert von Sendo sogar 300 Z100-Prototypen.
Dummerweise enthält der Vertrag "zufällig" eine für Sendo sehr dumme Passage: Im Falle eines Sendo-Bankrotts erbt M$ alle Rechte und Patente am Z100, lizenzfrei!
Somit musste M$ nur abwarten, bis Sendo die Luft ausging, und sie hätten ein fertiges Stinger-Telefon, das sie nur an billige 3rd-Party Hersteller (z.B. HTC in Taiwan) zum Nachbau geben müssten, während man einen Carrier, der keine eigenen Telefone baut (z.B. Orange) sucht und schwupps hat man schon wieder die volle Kontrolle & Marge! Und exakt das haben sie gemacht, nur hielt Sendo leider bis zur Markteinführung von Stinger durch so dass leider viel zuviel Leute schon auf das Z100 warteten und Sendo hat jetzt sogar noch die Frechheit, sich zu wehren!
Dieser Prozess sollte jedenfalls sehr interessant werden (gesetzt den Fall, dass Sendo seine Anschuldigungen belegen kann, aber das sollte nicht schwer sein!), die ganze Geschichte erinnert stark an die Show, die M$ mit Stac und anderen "Partnern" durchgezogen hat, deren Leichen oder kärgliche Überreste jetzt Microsofts Weg säumen...
Denkwürdige Zitate Steve Ballmer CeBit 2002: "Wir müssen anderen Firmen mit Respekt begegnen" (...) "Verantwortung tragen". BlaBla.. Microsoft "durch Kartellverfahren geläutert"? Guter Witz!

Kommentare

Wär sehr arg

Von: Mister Mike | Datum: 09.01.2003 | #1
wenn mit dieser dämlichen Vertragsklausel am Ende MS das Phone zufällt. Die Klausel zeigt aber auch wie zuversichtlich und unerfahren Sendo damals war!

Das Gebärden des an Arroganz und Betrügereien nicht mehr zu übertreffenden Bug-Haufens in Redmond (DIE könnte mal einer anfliegen) erinnert mich sowieso je länge je mehr an das Verhalten von Regierungen oder Behörden. Warum nur wundert mich das nicht ?

t-mobile

Von: mattin | Datum: 09.01.2003 | #2
hat immer noch nichts gerlernt!

http://www.heise.de/newsticker/data/tol-08.01.03-005/

cu
mattin

Keine tierische Namen...

Von: Tom | Datum: 09.01.2003 | #3
Gut müssen wir bei solchen Themen trotzdem Anstand bewahren obwohl es immer schwerer fällt. Es wäre, um es beim Namen zu nennen für jedes, zum Schimpfnamen degradiertes, Tier eine Beleidiung die M$ ...Typen so zu betitteln. Also nicht mehr Schweinetypen, sondern Gatestypen oder ähnliches. Hier sind ja keine Grenzen gesetzt. Es ist unglaublich und mir geht in Sachen anständig bleiben im Zusammenhang mit M$ und Konsorten langsam das Wörterbuch aus. Diese Gatestypen (vielleicht auch Balmertypen) kann mann/frau wirklich nur noch mit ihren eigenen Waffen schlagen, oder wir alle, indem wir deren Schrottsoftware wirklich nicht mehr kaufen. Aber wenn ich meine Aufklärungsarbeit so in Sachen TCPA und Palladium betrachte, habe ich keine grossen Hoffnungen. Die rechnen ganz klar mit der Trägheit und Interessenlosigkeit der Masse und werden einmal mehr dank dem Gatesbush mit dem Scheiss durchkommen. Tja EU (wer auch immer für solches tun zuständig ist) nun seid Ihr gefragt!