ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1656

Panne bei Airport Extreme: in der Schweiz keine Zulassung!

Wenn der Zentralismus versagt...

Autor: bh - Datum: 21.01.2003

Apple hat in der Schweiz ein Problem, eine peinliche Panne ist passiert. Für Airport Extreme, die unter dem Standard 802.11g funkende WLAN-Variante mit 54 Mbps, gibt es keine Zulassung in der Schweiz. Dumm besonders deshalb, weil die Schweiz einer der wichtigsten Apple-Märkte im sonst eher schwachen Europa ist, man hält dort bei 16% Marktanteil. Wie konnte dies passieren? Die Fachzeitschrift IT Reseller Online gibt an, daß Apple Schweiz sich auf die verantwortliche Zertifizierungsstelle in Irland verlassen habe. Das Bakom - die für Frequenzangelegenheiten zuständige Stelle - hat uns leider noch keine Auskunft gegeben, was gegen eine Zulassung von 802.11g spricht. Danke an Wizard und Andreas!

Die Peinlichkeit vergrößert der Umstand, daß schon beim ursprünglichen Airport erhebliche Probleme in Frankreich aufgetreten waren. Damals verließ man sich wohl ebenfalls auf irgendeine zentrale Stelle und vergaß, daß die entsprechende Frequenz dem französischen Militär vorbehalten war. Als typischer US-Konzern wird Apple aber wohl leider nicht daraus lernen, denn Zentralismus wird dort als Allheilmittel gehandelt. Wobei die Entwicklung der Europäischen Union ja auch nicht gerade durch Föderalismus glänzt...

Kommentare

Frequenz

Von: oli2000 | Datum: 21.01.2003 | #1
Ich habe als Laie irgendwie im Hinterkopf, dass 802.11b, 802.11g und Bluetooth alle auf der gleichen Frequenz (oder zumindest dicht beieinander) funken. Muss dann wohl eine reine Bürokratiefrage sein, hoffe ich für die Schweizer.

*Tz

Von: Mister Mike | Datum: 21.01.2003 | #2
Es ist typisch für unser Land, und trotzdem hebt es sich damit nciht gross von den anderen ab.

Funkfrequenzen sind noch immer mehr oder weniger militärische Sache, was auch auf den Entwicklungsstand der betroffenen Behörden schliessen lässt.

Dieses Zulassungszeugs ist der absolute Witz, denn es geht gar nicht um die wirklichen Frequenzbereiche oder dass es knapp wäre oder zu Interferenzen käme (diese können schon auftreten, aber nicht beim derzeitigen Deckungsgrad). Es geht um Politik.

In der Schweiz gibt es auch private Radiostationen, denen man seit jahren sagt es habe keine Frequenzen frei, wenn man in dem Gebiet aber einen Frequenz-Scan unternimmt, entdeckt man mehr als 27 "Löcher" im Band. Diese Löcher werden dann von der BAKOM auch gerne für einige Zeit vermietet - was ja schon zeigt dass es kein Problem wäre.

Mir egal - wenn ich n Airport extreme brauche, dann hole ich mir einen im Ausland. Das kratzt mich nun WIRKLICH nicht, es freut mich sogar noch !

*ggg*

altmodische bürokraten

Von: raffael | Datum: 21.01.2003 | #3
ich habe sehr viel mit apple und was dazu gehört, zu tun. hatte schon mehrmals das vergnügen, als es um zertifizierungen ging. das bakom ist eine insitution, wie man sie auch vom film kennt: die beutlins in mittelerde, die haben's gut - ja nicht wecken oder aufwühlen....wobei natürlich die aus dem film wesentlich sympatischer sind....

Da hätte man wohl jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt

Von: stö | Datum: 21.01.2003 | #4
Hallo Apple
Meine Daten habt Ihr ja schon lange, bei jedem Download registriere ich mich brav als Schweizer - meldet Euch doch mal bei mir :-)
Gruss
stö

Frequenz?

Von: Kai | Datum: 21.01.2003 | #5
Die Frequenz bei AE ist doch dieselbe wie beim alten Airport! Wenn das geduldet war, wieso gibt's bei dem neuen ein Problem?
Intel könnte mit ihrem 802.11a Centrino Probleme haben! ;-) Aber die waren wahrscheinlich nicht so doof, keine Lizenz zu beantragen..

Frequenz Egal, mitnichten!

Von: Wizzard | Datum: 21.01.2003 | #6
Hallo Kai,
in der Schweiz ist alles eben ein bisschen anders.
Neues Gerät, unbekannt und demzufolge bevor der päpstliche (hust...) Bakom Segen nicht erteilt ist ketzerisch, und damit verboten.
Rein rechtlich, wenn man die Bakom Unterlagen studiert, müsste ein Modem, um ein Bespiel zu geben, wieder neu geprüft werde wenn z.B die Version der mitgelieferten Fax oder Treibersoftware geändert (sprich aktulisiert) wurde.
Der Segen wurde ja schliesslich NUR mit Modem Version X und Software Y erteilt!. Alles andere könnte ja wieder gefährlich sein, da unbekannt – siehe oben.
(Glücklicherweise hat man begriffen dass sich die Treiber schneller ändern als die Gewohnheiten der Prüfherren, und verzichtet auf eine Nachprüfung wenn sich an der Hardware keine Schraube geändert hat.)

Wizz

16 % Marktanteil? schön wärs

Von: DOSEnFreddy | Datum: 21.01.2003 | #7
16 % Marktanteil, das wäre ja traumhaft! AUs welcher Quelle stammt den das? Wenn ich internetkurse gebe und frage was die Leute so zu Hause benutzen: Wenn ich das 5 % komme ist das schon hoch. Oder Webseits auf die nur Schweizer zugreifen (weil nur vom lokalem Interesse) dann liegt der Mac-Anteil zwischen 2-3 %

Aber ich hätte nichts dagegen wenn ich michkorrigieren müsste *g*

Frequenzen in der Schweiz

Von: Andreas Mueller | Datum: 22.01.2003 | #8
Frequenzen in der Schweiz sind fast nie eine militaerische Angelegenheit. Im Gegenteil: wir haben Fernsehsender auf Frequenzen, die von militaersichen Funkgeraeten gebraucht werden (man kann mit den Funkgeraeten den Fernsehton empfangen), oder wir muessen fuer militaerische Zwecke neue Hardware beschaffen, weil die Flugueberwachung oder die Satellitentelefonie die bisher verwendeten Frequenzen beanspruchen. Als wenn jemand nachgeben muss, dann wohl am ehesten das Militaer.

Aber natuerlich ist das Bakom ein unheimlich formalistischer Verein. Unsere erste Anfrage ueber ein Kataster der GSM-Antennenstandorte (existiert) wurde mit Datenschutzerwaegungen abgewuergt (die Standorte sind aus den oeffentlich ausgeschriebenen Baubewilligungen ersichtlich, also nicht einmal vertraulich). Die haben dort am Bielersee einfach immer etwas laenger, bis sie merken, wie der Hase laeuft.

802.11b/g Frequenzen

Von: Andreas Mueller | Datum: 22.01.2003 | #9
802.11b und g verwenden das Frequenzband 2.4-2.4835GHz, bei gleicher Sendeleistung und im Kompatibilitaetsmode gleicher Modulationsart. Einziger Unterschied, 802.11g kenn zusaetzlich zu DSSS die OFDM Modulation. Einen technischen Grund fuer die fehlende Zulassung kann es also kaum geben. Infos: http://www.wlana.org/pdf/highspeed.pdf

Frequenzen hin oder her

Von: maiden | Datum: 22.01.2003 | #10
Apple hat gepennt und basta. Einfach zu dumm.