ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1702

Offensive im Bildungsbereich - Händlerschädigung

AppleStore wird auf Kosten aller anderen forciert

Autor: bh - Datum: 05.02.2003

Apple bot seinen Händlern letzten Herbst neue Verträge an. Die darin enthaltenen Veränderungen sollten künftig auch die Investitionen eines Händlers berücksichtigen, denn Verkaufsfläche, geschulte Mitarbeiter und Demogeräte haben ja einen nicht geringen Einfluß auf die Reputation von Apple in unseren Breiten. Durch eine Klausel, nach der Umsatz durch Verkaufsfläche/Filialen geteilt wird, sollten die kleinen Händler mit bloß einem Geschäft wieder eine Chance haben - der Verdrängungswettbewerb durch Cancom hatte das Händlernetz schon drastisch ausgedünnt. Cancom sperrte sich, nahm auch Windows-PCs in seine Kataloge auf und wollte die Verträge nicht unterschreiben - doch Apple-Geschäftsführer Frank Steinhoff bekam von Paris Rückendeckung und setzte sich durch. Derzeit kann Cancom die Preise nicht so dumpen wie früher, die Fachhändler atmen auf. Mehrere von mir befragte Händler gaben an, daß man derzeit wieder eine Zukunft mit Apple sehe, auch wenn man sich mit den neuen Verträgen noch massiver Apple in die Hand gegeben hat - plötzliche Lagerbestandsüberprüfung und Bilanzeinsicht hier nur als Stichworte.
Steinhoff hat weiter versucht, die Lage zu beruhigen, immerhin hat Cancom eingesehen, daß die Drohgebärden mit PCs nicht wirklich ziehen. In der Windows-Welt hat niemand auf Cancom gewartet, und einen HP neben einen PowerMac zu stellen, ist a priori ein seltsames Konzept. Wer seine Kunden für blind hält, darf sich gerne derartig ins Knie schiessen. Obwohl Steinhoff die Weihnachtsfeier von Cancom mit seiner Anwesenheit beehrte, in der Sache blieb er hart - und langsam stellt sich wieder ein Gleichgewicht zwischen Versendern und Fachhändlern her.
Nun kommen aber Apples Expansionsgelüste ins Spiel: der eigene AppleStore ist in Europa längst nicht der Erfolg, der er sein sollte. In Österreich beispielsweise werden nur knapp 10% aller Macs über den Store gekauft. Um die Vorgaben zu erfüllen, hat Apple bereits für Unternehmen einen eigenen AppleStore eingerichtet - und nun nimmt man die Schulen ins Visier. Die bisherige Vorgangsweise hat durchaus Sinn: man brachte mit dem Wireless Classroom ein unschlagbares Angebot für Schulen und für alle Konservativeren mit dem eMac auch wieder einen Anreiz. Gleichzeitig verweigerte man aber allen Interessierten Demogeräte, die Händler nun auf eigene Kosten anschaffen durften. Zieht ein Fachhändler einen Kunden an Land, überzeugt also in mühsamer persönlicher Arbeit beispielsweise einen Schuldirektor - dann ist sehr rasch ein "Bildungsbeauftragter" von Apple da, der übernehmen möchte. Ein Beispiel, von dem ich nicht runtersteige: der engagierte Fachhändler Johannes Wilhelmstätter in Salzburg hat es geschafft, sieben Wireless Classrooms an Schulen zu verkaufen - und an Schulen einen Fuß in die Türe zu bekommen, ist verdammt schwer. (Ich kann diesen Händler nur allen Macintosh-Freaks rund um Salzburg empfehlen.) Anstatt aber diese Bemühungen der lokalen Händler zu unterstützen, konkurrenziert Apple seine Partner aber wieder mit Bildungsangeboten. Bis 31. März haben Pädagogen, Schüler und Studierende die Möglichkeit, ein 14" iBook um nochmal 200 Euro billiger zu erwerben. Bei dieser Preisbrecherei kann niemand mit. Ja, grundsätzlich ein guter Ansatz - aber er hätte mehr Durchschlagskraft, wenn es nur 150 Euro Rabatt wären und dafür bei jedem Händler verfügbar. Apple setzt sein mühsam erarbeitetes Gleichgewicht in der Retail-Szene wieder aufs Spiel und straft jene, die mit viel Engagement die Kontakte knüpfen, aber nun als überteuerte Abzocker dastehen. Wobei man fairerweise sagen sollte, daß dieses Angebot ein deutliches Zeichen für neue iBooks ist - und für ein mögliches Auslaufen der 14" Modelle, die nicht so gut gehen wie die kleinen Varianten. Apple kauft seit einiger Zeit 1 Ghz G3s von IBM und wird werden wohl im März/April neue iBooks damit sehen.

Kommentare

Ein Stein macht noch keine Lawine...

Von: mickel | Datum: 05.02.2003 | #1
Ich glaube. dass ist eher eine Abverkaufsgeschichte als ne Attacke auf die Händler... Die Preise haben sich ja seit dem es die neuen Verträge gibt positiv für die Händler entwickelt (zumindest haben sich die Preise sehr stark angeglichen). Mittelfristig wird aber der AppleStore eine starke Konkurrenz für die Händler werden... Dell hat`s ja vorgemacht. Obwohl die ja jetzt auch mit nem Shopkonzept wohl an den Start gehen wollen.

Gruß
mickel

tendenz

Von: Bert | Datum: 05.02.2003 | #2
Ich hab auch nur die Tendenz aufzeigen wollen - dieser Einzelfall ist keine Katastrophe, zumal jeder mitbekommen hat, dass es wohl demnächst neue Modelle gibt. Allerdings geht Abverkauf auch über Händler... aber grundsätzlich wird Apple es sich nie leisten können, ganz wie Dell zu agieren. Anspruchsvolle Kunden, die doch deutlich mehr zahlen, kann man nicht mit hauseigenen Leuten betreuen. So phänomenal ist Apples Personal nun auch wieder nicht...Gruß, Bert

...hast ja recht

Von: mickel | Datum: 05.02.2003 | #3
"aber grundsätzlich wird Apple es sich nie leisten können, ganz wie Dell zu agieren. Anspruchsvolle Kunden, die doch deutlich mehr zahlen, kann man nicht mit hauseigenen Leuten betreuen. So phänomenal ist Apples Personal nun auch wieder nicht..."

Stimmt schon, Apple ist zum Glück nicht Dell! Ich wollte nur deutlich machen, dass Apple eigentlich fürs erste dafür gesorgt hat, dass wir nicht nur noch bei Cancom und Apple kaufen können. Dennoch wird es wohl eine Hass-Liebe zwischen den Händlern und Apple bleiben... Apple braucht die Händler und vice versa...

jaja

Von: Bert | Datum: 05.02.2003 | #4
Oh ja, ich muß auch sagen, daß Steinhoff es wesentlich besser hingekriegt hat, als ich ihm zugetraut hätte. Obwohl noch jene Herrschaften an Bord sind bei Apple von denen ich kein gebrauchtes Blatt Papier kaufen würde... Gruß, Bert