ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1713

Apple's Deal mit LG Electronics

Hinter dem "Schnäppchen" versteckt sich ein Geschäft

Autor: mike - Datum: 08.02.2003

Während der Grundtenor ob der neuen Preissenkungen deutlich positiv war, konnte er dennoch nicht über die Existenz einiger Oberwellen hinwegtäuschen: Dass die neuen Cinema Displays von Apple preislich so deutlich nachlassen konnten - allen voran das Topmodell - muss doch irgendwo seine Ursache haben. Klar, billiger eingekauft, zunehmende Verbreitung, etc.

...but wait, there's more !

In der Industrie versucht eine Firma, möglichst viel extern bei möglichst wenigen Lieferanten einzukaufen. Zu einem guten Preis, versteht sich. Zwar bringt das den Nachteil ein, dass man einen Teil der Qualitätskontrolle verliert, und bei Lieferengpässen oft nur zusehen kann, aber auch keine Entwicklungskosten. Oder doch ?

Apple arbeitet schon länger mit LG Electronics zusammen, einem südkoreanischen Kühlschrank-Fernseher-Receiver-Mobilfunk-LCD-Hersteller, und der Grossteil der Röhren-iMacs entstammt selbiger Produktion. Auch die Cinema Displays kommen teilweise von LG, wie beispielsweise das grosse Monster Display.

Es kann nur so kostengünstig angeboten werden, weil Apple einen neuen Deal mit LG ausgehandelt hat, der enthält, dass Apple Teile der entstandenen sowie die gesamten zukünftigen Entwicklungskosten von grossflächigen Panels ab 23 Zoll übernimmt. Dafür rücken die Asiaten die gefertigten Glasplatten zum Einstandspreis raus (Bei einem angesteuerten OEM preis von knapp 1000$ dürfte Apple pro rohem Display um die 500$ bezahlen).
Solche Deals laufen aber immer auf multilateraler Weise ab, daher: Die zukünftigen Displays laufen dann als "Apple only" und zusätzlich wird LG von der Exklusivität des Deals enthoben. Die Firma darf das 23" grosse Segeltuch auch an andere OEMs verkaufen - ab diesem März.

Apple erhält also bald Konkurrenz. Mal abwarten, was Formac, Sharp und vorallem Philips (50% Beteiligung an LG LCD) diesen Frühling so alles rausstellen. Aber beim dem Apple Preis...

Kommentare

Frage

Von: GRAVIS-is-Scheisse | Datum: 08.02.2003 | #1
was ist ein OEM Preis?

OEM

Von: Mister Mike | Datum: 08.02.2003 | #2
OEM = Original Equipment Manufacturer

Beispiel: Formac kauft bei LG das 23" Display ein (also nur das Display, ohne Gehäuse, Kabel oder gar Netzteil), und zwar in Einheiten von 1000 Stück. Die Displays werden dabei sogenannt "bulk" geliefert, das heisst ohne schöne Verpackung möglichst viele in eine Kiste. Der Verkaufspreis ist dabei natürlich günstiger. Oft findet auch weniger Qualitätskontrolle statt.

Das Display von LG wird als namenlos verkauft, und erscheint dann in einer Formac Verpackung, und ist demnach für den Endkunden ein Formac Display, auch wenn es im Innern LG ist. LG ist der ursprüngliche Hersteller, der Original Equipment Manufacturer oder OEM.

Wer wars früher ..?

Von: CiPi | Datum: 08.02.2003 | #3
Wer war eigentlich früher der Hersteller Samsung..?

Ich hoffe die Qaulität der Displays bleibt da nicht auf der Strecke ..... bei dem Preisen ...

samsung-beteiligung

Von: Bert | Datum: 08.02.2003 | #4
Was ich mich so erinnere hat Apple doch auch eine Beteiligung an Samsung - aber vielleicht war die nicht wegen Displays? Spannende Sache Mike! Bert

Doch ;-)

Von: Mister Mike | Datum: 08.02.2003 | #5
Doch, doch, völlig Korrekt!

Das war 1999, als Samsung von Apple unterstützung erhielt. Der Deal ist mir nicht mehr ganz präsent, aber es ging irgendwie um eine "bevorzugte Wahl" von Samsung LCDs im kleineren Bereich (üh, äh, so um die 15", vielleicht?) mit dem Zusatz dass Apple exklusiv Samsung Panele verbaut, solange diese welche liefern können, die gut genug sidn für Apple und der Timeline entsprechen.

Aber kurz darauf brach der Boom aus, was die Nachfrage an grossen Displays betraf. Daher konnte Samsung den Panel-Bedarf nicht mehr decken, und Apple musste sich nach anderen (asiatischen) Herstellern umsehen, z.B. Chi Mei. Dort findet sich auch bei den Portables ganz unten ein 15.4" Panel mit ziemlich passender Auflösung ;-)


Wer früher Apple's Panel-Lieferant war... ich sehe hier auf meinem Hardware Haufen Panels von Sharp, Samsung und Casio... ;-)

@Mister Mike

Von: GRAVIS-is-Scheisse | Datum: 08.02.2003 | #6
thanx für die Erläuterung. Was bedeutet das jetzt? Werden die Displays noch billiger oder wird es bessere geben?

OEMs:

Von: Kai | Datum: 08.02.2003 | #7
Also das OEM weniger Qualitätskontrolle bedeutet kann man so nicht sagen!
Das kommt allein auf den OEM an, und einige OEMs haben oft höhere Qualitätsansprüche als die Firma für ihre Endprodukte selbst!
Z.B. Sun, Apple oder sogar Compaq etc!
Die Festplatten z.B. die man bei diesen Firmen kaufen kann sind teurer als die Platten vom Hersteller, die man als Endkunde kauft, aber eben oft auch hochwertiger!
Die Bauteil-Ware ist oft genug der Ausschuss.. Das, was man so billig beim Mailoderhändler kriegt ist oft genug der "Verschnitt", der übrigbleibt wenn die OEMs beliefert sind. Bei einigen Komponenten wie Grafikkarten ist das nicht so wichtig, aber bei Sachen wie HDs und RAM schon! Und was vom RAM für paar Euro fuffzich zu halten ist, hat uns die C't ja sehr schön gezeigt!...

Qualität

Von: Alexander G. Schilp | Datum: 08.02.2003 | #8
schon die alten CRT Röhren wurden ja nur von recht wenigen Herstellern hergestellt, bei den TFT's sind es noch weniger.

Einkauf als OEM oder nur Rohware ist ein Unterschied.
Beim OEM wird halt fast das ganze Display/Monitor vom Hersteller geliefert. Je nach Vertrag mal mehr mal weniger.
Dann wird neben der Quantität denn eben auch die Qualität der zu liefernden Ware vertraglich festgelegt.

Die Produktionsstreuung ist ja enorm.

Preiswertere TFT's im Riesenformat mag es denn zukünftig vermehrt auch von anderen geben. Ich denke es ist aber doch etwas fraglich ob man bei vergleichbarer Qualität viel billiger sein kann als Apple.
Im Gegensatz zu manchem Röhrenmonitor den Apple verkaufte sind die TFT's von sehr guter Qualität

Alexander