ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 185

KPNQwest ohne Geld - Branche in der Krise

Auch Auswirkungen auf CHELLO

Autor: bh - Datum: 05.06.2002

KPNQwest ist insolvent: lange prognostiziert, nun ist es wahr geworden. Der Kabelnetzanbieter scheitert an Schulden in der Höhe von 1,8 Milliarden Euro. (Die Deutsche Telekom machte das dreifache an Verlust in einem Jahr.) Das Joint-Venture aus der niederländischen Telefongesellschaft KPN und dem US-Unternehmen Qwest wurde zuletzt immer wieder mit AT & T in Verbindung gebracht, nachdem die Mütterfirmen nichts mehr zuschiessen wollen. Dummerweise leidet aber die gesamte Branche, auch bei UPC Telekabel (ebenfalls Niederlande) muß man sparen. (UPC hat übrigens Knotenrechner von KPNQwest gemietet und warnt Kunden bereits vor Problemen, die Ende Juni auftreten können.) Retter ist somit für KPNQwest keiner in Sicht, Colt und WorldCom kämpfen, Lucent und Nortel geht es schlecht - und alle reden von ‹berangebot. Man habe zuviel verlegt, könne zu wenig nutzen, der Markt ist schuld und die Kundschaft überhaupt.
Ich träume davon, daß ein Manager vor die Presse tritt und sagt: "Leute, wir haben uns verrechnet. Klar, bei der allgemeinen Phase des aggressiven Wachstums und der Expansion wollten wir mit dabei sein - jetzt ist die Luft raus. Wir haben das etwas zu spät gemerkt, unsere Produktpalette nicht rechtzeitig umgestellt, nun ist es zu spät. Das Managment hat sich verspekuliert, auch mit der Ausgabe neuer Aktien, und deshalb tritt der Vorstand jetzt geschlossen zurück. Unsere Abfertigungsansprüche in Höhe von 50 Millionen Euro nehmen wir nicht an, die Summe verbleibt im Unternehmen, das durch das kommende Insolvenzverfahren hoffentlich gerettet werden kann."
Ja, ich werde weiterträumen. Einstweilen geht bei KPNQwest das Licht aus und bei einigen anderen wohl auch. Geld hat in dieser Phase nur Bill Gates, und der wird gut einkaufen. An der UPC Telekabel und den führenden US-Anbietern ist er ohnehin schon beteiligt - soviel zur "selbstregulierenden Kraft des Marktes".

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