ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1853

Frühlingserwachen auf dem Mac

Rethinking the Interface

Autor: dd - Datum: 17.03.2003

Immer wieder gibt es schlaue Köpfe, die sich Gedanken machen, wie man die Schnittstelle zwischen Computer und dessen Benutzer intuitiver gestalten könnte. Der wohl bekannteste GUI-Denker, Jef Raskin hat erst kürzlich wieder durch ein auf Kommandozeile basierendes Konzept auf sich aufmerksam gemacht.
In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Schweizer Sonntagszeitung über eine Oberfläche der drei P... Diese drei P stehen für people, places und products, die von auf dem Monitor verteilten Bildern repräsentiert werden.

Robb Beal fand selbst "Aqua" nicht intuitiv genug und schrieb deshalb eine GUI nach seinen Vorstellungen: Im Vordergrund stehen nicht Programme, sondern die Aufgaben, die der Benutzer erledigen will. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte, die älteren unter uns erinnern sich vielleicht, OpenDoc von Apple, das aber leider irgendwann ende der neunziger eingestampft wurde.

In "Spring", so der Name von Beals Interface, stellt der Benutzer mittels drag&drop Verbindungen zwischen Personen, Orten und Produkten her, ähnlich wie er Dinge in seinen Gedanken verknüpft, und kann dann aus einem aufspringenden Menü eine Aktion auswählen.

Neugierig? Dann klicken Sie hier und/oder hier.

Kommentare

Problem dabei

Von: Sören Kuklau | Datum: 17.03.2003 | #1
Es wird sich nicht durchsetzen. OpenDoc war allem damaligen überlegen. Weitaus überlegen. Cyberdog war ein tolles Beispiel. Man schreibt ein Textdokument und möchte als Beleg für eine These eine Quelle raussuchen. Kein Problem: einfach eine Komponente von Cyberdog einfügen, per Suchmaschine die richtige Adresse finden, diese in das Textdokument einbinden. Jetzt möchte man auch noch einen Graphen der Entwicklung. Da hilft das Graphikmodul von RagTime 4 doch gern!

Usw. Es kann sich aber nicht durchsetzen, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Dem muss man schon sagen: "Ab heute sind traditionelle GUIs out." und dann hört er vielleicht. ALLE müssen diese Nachricht verbreiten - was Apple nicht erreichen können wird. Anders kann es nicht klappen.

Leise rieselt der Kalk

Von: flynn | Datum: 17.03.2003 | #2

Nachdem ich mir vor kurzen THE (the humane editor) angeguckt habe, ist mir klar das Jef auch nicht jünger wird.

Fand ich höchst unintuitiv und gar nicht "humane". Eher ein Fall für die Genfer Konvention...

THE - hui...

Von: JCBone | Datum: 17.03.2003 | #3
Meine Herren!

Das ist ein System für Sekundenfuchser, echt wahr...

Mag ja sein, daß das hocheffizient ist, aber das ist vi auch :-). Ich kannte mal nen Informatiker, der kein Problem darin sah, sich die letzten 10 Kommandos im Kopf zu merken. So in etwa.

Ich weiß ja nicht. Dann doch lieber was mit ner KI und ordentlicher Spracheingabe.

JCBone

Innen UI aussen PFUI

Von: AppleKing | Datum: 17.03.2003 | #4
Die Ottos dieser Welt, die absoluten Normallos eben sind halt keine Geeks, die werden zu solchen UIs einfach den Rücken kehren, oder diese nicht einmal ausprobieren.

I'm a Mac addicted Geek on my T-Shirt you can read: "Obey me I'm the Root" or "Resistance is Futile"

THE - hui...

Von: chris | Datum: 17.03.2003 | #5
ich hatte mich auch ein bißchenn länger mit "THE" beschäftigt und fand' die idee und das konzept prinzipiell gar nicht schlecht. - allerdings _nur_ als alternative zur tcsh. - aber: der liebe raskin hat leider übersehen, dass z.b. FAST auf "außer-amerikanischen"-tastaturlayouts nicht bedienbar ist. :-(

Probleme von GUI allgemein..

Von: Udo | Datum: 17.03.2003 | #6
Ich hatte mir auch mal ein paar eigene Gedanken gemacht und kam zu dem Schluss, dass ein Hauptproblem der GUI (egal welche) das Platzangebot auf dem Monitor ist. Für eine intuitive Bedienung dürften sich einfach nicht so viele Dinge überlagern und überlappen. Der Ansatz ein Dokument im Dock abzulegen ist zwar gut aber nicht so intuitiv wie es einfach zur Seite zu schieben um Platz zu machen. Hätten Monitore eine (geschätzte) Auflösung von 10000x10000 könnte man sich richtig austoben und könnte die GUI entsprechend auf diese Möglichkeiten anpassen.. ist nur so eine Idee (die in der Praxis auch ergonomische Probleme aufwirft).

Gar nicht schlecht

Von: Thyrfing | Datum: 17.03.2003 | #7
kann sich dieser Ansatz für Firmen rausstellen, die immer wieder die gleichen Abläufe im Prozess haben. Der Benutzer kann sich schnell auf die von ihm auszuführenden Arbeiten einschiessen und wird nicht von den anderen Dingen abgelenkt.
Sofern die Oberfläche ordentlich angepasst ist.
Sollte hierbei geschlampt werden, kann das natürlich auch furchtbar ins Auge gehen.

manche Ideen sind vernünftig

Von: iSee | Datum: 17.03.2003 | #8
Jefs Buch "The Humane Interface" ist großartig. "THE" ist m.E. im aktuellen Zustand nicht zu brauchen, auch wenn einige Konzepte wohl überlegt sind.

Intuitivität liegt, wie Jef dort erläutert im Auge des Betrachters, es gibt aber objektive Kriterien und nach denen sollte man sich richten, wann immer man eine Schnittstelle gestaltet.

eben das gilt für die Benutzerführung bei vi nicht.
Laut Jef Raskin sind verschiedene Modi schlechtes Interface-Design, weil der menschliche Verstand nunmal so funktioniert, dass er vergisst, in welchem mode der Computer/das Interface gerade ist. Und eine Spracheingabe entbindet auch nicht von einer guten Benutzerschnittstelle.

Als Apple den Mac herausgebracht hat, waren die heute üblichen Ansätze so ungewöhnlich und unvorstellbar, wie einige Ideen im THE heute sind. Das spricht nicht grundlegend gegen die Durchsetzbarkeit solcher Ideen. Zum Beispiel sind die Routinen für das arbeiten in Textfeldern in OS X nur einmal vorhanden, d.h. einmal geändert würden sie überall zur Verfügung stehen?

Ich stimme mit Jef nicht in allen Aussagen überein, aber hier liegt er richtig und verdient größten Respekt. Viele von den Dingen die beim Mac gut sind, verdanken wir ihm.

iSee

früher...

Von: Bernhard | Datum: 17.03.2003 | #9
...haben die Leute einfach nur versucht eine bessere Mausefalle zu bauen...

... moderne Zeiten ;-)