ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 187

Real vs Quicktime - the MPEG showdown!

Real in Bedrängnis

Autor: kai - Datum: 05.06.2002

Es gibt eigentlich nur noch zwei für die Masse der Mac-User wichtige Programme, die für OS X noch fehlen und über deren Portierung auch von Herstellerseite noch gar nichts konkretes zu hören war - Quark und RealPlayer.

Bei Quark soll's ja angeblich fehlende OS X Druckfunktionalität sein (was fehlt denn da noch? Bitte um Aufklärung!) und bei Real weiss niemand irgend einen Grund, warum auch 15 Monate nach Release von OS X noch nichts von einem Realplayer zu hören ist, das letzte Gerücht das mir zu Ohren kam besagte, dass erst 2003 (!) damit zu rechnen ist.

Auf OS-Opinion vermutet jetzt Ben Wilson von Newsfactor, dass wir vielleicht gar nicht warten müssen: Laut einem eLine-Entwickler (eLine baut Software, die auf Quicktime aufsetzt) verliert Real gerade kräftig Marktanteile an Windows Media und von der anderen Seite kommt gerade die Dampflok Quicktime 6 mit ISO-standardisiertem MPEG4 (auch streaming), einem kostenlosen Streaming Server der auch noch 4000 statt 100 Streams liefert (die 100-Stream-Version kostet bei Real lockere $6000!) und einer wesentlich besseren Eignung für alle Bereiche als das primär Schmalband-orientierte proprietäre Real-Format!

Es hat mich ja schon verwundert, als Real ankündigte, auf MPEG4 setzen zu wollen, denn ein offener Standard ist letztendlich der Tod für den Hersteller proprietärer Codecs. Wenn Quicktime und RealPlayer auf ISO-MPEG4 basieren, wozu sollte man sich dann noch RealPlayer installieren, dessen GUI sowieso legendär enervierend, hässlich und überladen ist (Achtung! Dieser Satz wurde mit einer guten Prise persönlicher Meinung verfeinert!)?
Als aber Real dann mit markigen Sprüchen wie "Same quality at half the bit rate of MPEG-4" bei der Vorstellung ihres tollen neuen gewohnt proprietären Realvideo 9 kam, ergab das ganze dann doch wieder mehr Sinn.
Eine verzwickte Lage für Real: Wenn sie auf ISO-Standard MPEG4 setzen machen sie sich damit selbst überflüssig, wenn sie weiterhin proprietäre Codecs verwenden konfrontieren sie sich auf der einen Seite mit Microsoft, deren Codec zwar auch proprietär ist, der aber durch satte 95% Windows-Marktanteil schnell ins Volk "geleveraged" bzw "commingled" (Microsoft-Prozess-Termini!) werden kann und auf der anderen Seite Apple, die zusätzlich zum MacOS die Macht des ISO-Standards und einer ganzen Industrie, die auf diesem Standard aufbaut hinter sich haben. Beide Konkurrenzhersteller haben ein eigenes OS, das als schönes Aushängeschild für das eigene Mediaformat dienen kann, nur Real sitzt irgendwie zwischen den Stühlen, weder Fleisch noch Fisch.
Aber gerade dann wäre es doch wichtig, so viele Betriebssysteme wie möglich so schnell wie möglich zu unterstützen, oder? Also, warum gibt's dann noch keinen Realplayer für OS X?
Komisch finde ich allerdings, dass Real bei Realplayer für das Handy aber dann doch auf MPEG4 setzt - Das kennen wir doch schon von damals bei der Quicktime live Keynote! Haben die UMTS/3G Standardisierungsgremien ihre Entscheidung für ein Streamingformat etwa schon getroffen?

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