ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1872

Windows only

Nur was "das Zeichen" trägt wird verkauft

Autor: kai - Datum: 25.03.2003

Ein weiteres wunderschönes Beispiel für Monopolsmissbrauch liefert uns The Inquirer:
Die US-Kette "Office Depot" hat ein Memo an ihre Lieferanten rausgeschickt, dass in Zukunft nur noch Soft- und Hardware verkauft wird, die von M$ offiziell für Windows XP zertifiziert ist. Es genügt also nicht, nur "Windows-kompatibel" zu sein, nein, man muss seine Soft/Hardware nach Redmond schicken und mit vielen zigtausend Dollar M$ dafür bezahlen, sich seine Soft/Hardware anzuschauen (und sich gegebenenfalls davon "inspirieren" zu lassen!) und schon ein paar Monate später bekommt man das ersehnte Siegel, ohne das man wohl, wenn dieses Beispiel in Zukunft Schule macht, seine Soft/Hardware nicht mehr absetzen kann. Noch besser: Bei Firmen, die auch Linux- oder Mac-Treiber bzw. -Versionen machen oder sonstwie Redmond "stören" (z.B. indem sie es wagen, konkurrierende Software zu machen) qualifiziert sich das Produkt dann eben 'leider' nicht für Windows XP oder die Zertifizierung dauert dann mysteriöserweise leider 'etwas' länger, was in manchen Bereichen (die, in denen noch Konkurrenz herrscht!) durchaus schon das Aus bedeuten kann! Volle Kontrolle. Das war's, was M$ ja schon immer wollte in der PC-Branche! Nachdem man den Markt vollkommen kontrolliert kann man jetzt derartige Massnahmen, mit denen normalerweise kein anderer Hersteller (nicht mal Apple!) durchkommen würde durchdrücken. Die Hersteller haben ja keine Wahl, aber das ist wohl letztendlich grösstenteils auch ihre eigene Schuld, man werfe nur mal einen Blick zwei Meldungen weiter unten: Es gibt durchaus Firmen, die sich gerne zu willfährigen Wasserträgern machen und "PC empfehlen"! Solange, tja, solange, bis M$ zum Konkurrenten wird, denn dann kann man den Laden eigentlich zumachen. Diese Erfahrung mussten schon sehr viele machen und es wird in Zukunft auch nicht aufhören, als nächstes steht der CRM-Markt an, Siebel & Co werden sich freuen, v.a. nachdem sie gerade noch schön brav im DotNOT-Streichelzoo mitgespielt haben! Auch Peter Dewald, seines Zeichens ex-Apple-Chef Deutschland wird sich freuen, dass M$ ihm auch bei seinem neuen Arbeitgeber Sage schon wieder schlaflose Nächte bereitet! Tja, niemand entkommt dem Imperium. Wie heisst's so schön? "Früher oder später kriegen wir sie alle!"

Das Motto in Redmond lautet also scheinbar: Linux (und andere potentielle Konkurrenten) mit geballtem Machtmissbrauch abwürgen, bevor sie überhaupt eine Chance bekommen, sich zu etablieren. Ein Hoch auf das "freie" Spiel der Kräfte der "freien" Marktwirtschaft! Man reiche mir einen Eimer...

In Deutsch behandelt das Thema Heise.

P.S.: Wie leicht sich mit einer solchen Kontrolle ein DRM-Schema wie Palladium/TCPA durchdrücken lässt bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung!

Kommentare

Nun...

Von: Lars | Datum: 25.03.2003 | #1
Marktmacht benutzen oder ausnutzen, da ist schon noch ein (kleiner) Unterschied bei. Missbrauch ist es doch aber wenn ich Konkurenten mit Gewalt behindere, obwohl (oder weil?) sie bessere Produkte anbieten! Die Kontrollsucht die M$ an den Tag legt um User zu gängeln und in gewünschte Richtungen zu drängen ist einfach nur würg...

Apple macht das leider auch...

Von: Olli | Datum: 25.03.2003 | #2
Leider ist Apple in bestimmten Bereichen auch dazu übergegangen, nur "genehme" Hersteller zu akzeptieren.
Frage: Was unterscheidet ein Grafiktablett (USB) von einem Grafiktablett (USB)?
der Hersteller!!!
außer Wacom bleiben alle anderen Tablets, obwohl als solches erkannt im HID-Protokoll aussen vor und können ncht entsprechend registriert werden, sondern arbeiten lediglich im "Maus-Modus"
Dann wird immer auf den Hersteller verwiesen, aber es hat noch keiner einen Tabletttreiber hingekriegt, weil Apple da offensichtlich eine Schwierigkeit "reinprogrammiert" hat.

Ansonsten arbeite ich seit 2 Jahren soweit es geht, und seit 10.1 fast ausschliesslich im X und finde es KLASSE!

Hetzrede, wie immer...

Von: Mark | Datum: 26.03.2003 | #3
"und mit vielen zigtausend Dollar M$ dafür bezahlen, sich seine Soft/Hardware anzuschauen und schon ein paar Monate später bekommt"

Teuer und langwierig - das sind harte Vorwürfe - gibt es dafür auch Beweise? Oder ist es nur die übliche Hetzrede?

Wie wär's mit Heise..

Von: Kai | Datum: 26.03.2003 | #4
..zum Anfang:

"Wohl unnötig zu erwähnen, dass die Prüfung mit Gebühren verbunden ist."

Man kann sich in dem Zusammenhang auch mal diese Klage von Verbraucherverbänden wegen dem M$-Zertifizierungszwang anschauen.
Zum Thema Missbrauch von Zertifizierungen bitte hier lesen!

Aber danke...

Von: Kai | Datum: 26.03.2003 | #5
..dass du mir mit "Hetzrede" mangelnde Recherche und mangelndes Hintergrundwissen unterstellst! ;-)
So was freut immer ungemein!..

...

Von: Mark | Datum: 26.03.2003 | #6
Heises lakonisches "wohl unnötig zu erwähnen, dass die Prüfung mit Gebühren verbunden ist" sagt weder aus, dass es "zigtausende" kostet, noch dass es "Monate" dauert. Das hast Du erfunden (Hetzrede) und außerdem ist es falsch (mangelndes Hintergrundwissen).