ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1889

Fischertechnik am Mac

Dank breiter Unterstützung sowohl unter OS 9 als auch OS X hat das USB Interface unendlich viele Anwendungen.

Autor: mike - Datum: 06.04.2003



Man stelle sich vor: Ein fischertechnik-kompatibles USB-Interface, das nicht nur rein technisch am Mac läuft, sondern auch software-technisch! Ich hatte mich als langjähriger Elektronik-Bastler natürlich nur für das Interface interessiert, aber höhere Gewalt beschied mir ein komplettes StarterKit. Mit Motörchen und Lämpchen zum Selber zamstecken.
Doch seht selbst her ;-) Meine ganze Kindheit haben mich die Klötze verfolgt! In allen Farben und Formen versperrten sie den angenehmen Durchgang durch mein Zimmer. Lego. Inmitten dieser Erinnerungen klingt es wie Blasphemie, wenn ich von Fischertechnik zu reden anfange. Jaja, es gab Lego ODER Fischertechnik, das war äusserst polarisierend! Doch warum Fischertechnik?

Seit kurzer Zeit gibt es für Fischertechnik ein USB-Interface, das nicht nur rein technisch am Mac läuft, sondern auch software-technisch. Sprich es gibt TREIBER! Ich hatte mich als langjähriger Elektronik-Bastler natürlich nur für das Interface interessiert, aber höhere Gewalt beschied mir ein komplettes StarterKit. Mit Motörchen und Lämpchen zum Selber zamstecken. Um es gleich vornewegzunehmen: Das Interface funktioniert auch mit Lego, wenn gleich es sich wegen dem Design nicht "einbauen" lässt.




Nach dem Auspacken liegen also erst mal Fischertechnik Teile vor mir, verteilt in 2 Experimentier-Kisten (auf deren Deckel man dann die Objekte verankern kann). Eine überschaubare Auswahl an verschiedenen Bauteilen und Zahnrädern lädt zum experimentieren ein.

Doch jetzt das Interface. Wo ist es denn nur? Ah ja des ist schon ne Weile am USB Port des PowerBooks angeschlossen ;-)

Auf der mitgelieferten Software-CD befinden sich nebst deutschsprachiger auch englische Software; und das Angebot unterstützt sowohl OS 9 als auch OS X. Das ist sehr nett, denn OS 9 ist wichtig: Für die reinen Steuerungszwecke reichte ansich ein Ur-PowerMac schon lange (mit PCI für eine USB Karte). Doch was genau ist auf der CD? Viel, kann ich da sagen. Denn der Erfolg eines Produktes ergibt sich auch aus der Breite der möglichen Anwendungen:

  • RealBasic
  • FileMaker Pro
  • Project Builder & CodeWarrior
  • RagTime
  • AppleScript & AppleScript Studio
  • MM Director


  • Prinzipiell kann man jedes Program zur Zusammenarbeit bewegen, das AppleScript unterstützt - RagTime ist dabei nur ein Beispiel. Die RealBasic Beispiele liegen als Programme und als Sourcecode für eigenen Adaptionen bereit, wobei man mit den bereits kompilierten Test-Progrämmchen das Interface sofort ansteuern kann. Man merkt bald, dass der StarterKit nicht alle gewünschten Teile enthält, aber wer mehr will, schaut sich besser die Robotik-Systeme an, welche auch weitaus fordernder und komplexer sind.


    Das Interface per se stellt eine Luxus-Ausführung dar. Es kommt in einem Fischertechnik-kompatiblen Look daher und erweckt einen robusten Eindruck. Es besitzt die Anschlüsse für Computer (USB sowie RS232) und Netzteil und die eigentlich interessanten Anschlüsse: Nebst 2 analog ausgeführten Ports zu Messzwecken (Die Auflösung liegt bei 8Bit) stehen uns 8 digitale Ein/Ausgänge zur Verfügung und 4 sogenannte Motor-Controls, die speziell auf das Ansteuern von Motoren ausgelegt sind - sich aber in jedem Fall auch für andere Zwecke anwenden lassen.

    Und hier wird es meiner Meinung nach erst Interessant! Ich kann nicht genug betonen, dass sich mit dem Kästchen alles schalten lässt, was irgendwie mit Strom funktioniert. Nicht dass man den Tumbler *direkt* ans Interface hängen sollte, aber Ihr wisst wie ich es meine (Denn was sind Kaffeemaschine, Tumbler und Videorekorder gemein? Nein, nicht der Lärm. Sondern die zeit- und triggergesteuerte Motoraktivität!).
    Wer mehr I/O Ports braucht, kann das Interface entweder kaskadieren, oder sich etwas mit binären Rechenoperationen herumschlagen: Die 8 ports können ja auch 8 Bit sein, woraus sich bei gescheiter hard- und software-technischer Verschaltung 256 Möglichkeiten ergeben. Das reicht für manche SPS Anwendung. Ach das ist ja wie früher beim C=64 ;-))





    Es dürfte also mittlerweile aus dem Text hervorgegangen sein, dass der Ansatz, den die Fischerwerke mit ihrem Robotik-System gehen, sehr nüchtern ist, und sich viel mehr aufs Experimentieren stützt als beispielsweise Lego. Das MindStorm System ist meines Erachtens das bessere Robotiksystem, aber in diesem Bereich auch "gefangen", während die Fischertechnik Lösung breiter angewendet werden kann, und vom Anwender viel mehr Kreativität, Verständnis und Zeit erfordert. Schlicht anspruchsvoller - wenn man sich die Zeit nimmt.

    Was man mit dem ganzen Setup Schlimmes anstellen kann ? Im Expermientierstadium kann es vorkommen, dass man den Mac neustarten möchte, weil der USB nicht mehr so ganz tut wie er sollte. Ganz arg kann das Interface selbst ansich nicht beschädigt werden, da es seine Ports für kurzschlusssicher hält. Meiner Erfahrung nach liegt die Gefahr eher in zu hohen angelegten Spannungen an Eingängen, oder langfristiger Schaden durch zu starke Belastung - beispielsweise zu grosse Motoren. Die Chips sind gesichert, aber sie werden u.U. heiss.

    Grundsätzlich und mit Verstand arbeitend kann man jedoch nichts falsch machen! Egal was man am Interface anhängt, dem Mac tuts nicht weh, und egal was Ihr programmiert, das Interface explodiert dabei auf keinen Fall!

    Das Service USB sowie diverse Experimentier-Kästen lassen sich auf der Seite der kleinen Firma, die uns das USB Interface beschert hat, ansehen und bestellen. Empfehlenswert erscheint mir der Starter-Kit weniger - ausser man möchte mal sehen ob einen das überhaupt interessiert . Viel interessanter sind die Robotik-Experimente, zB. "Experimenta Computing".

    Schreibt mir spätenstens, wenn der selbstgebaute Roboter Euch das Netzwerkkabel hinterher trägt ! Mit Photo!

    Dereinst wollen wir diesem Artikel einen weiteren anfügen, der sich mit einem anderen Interface beschäftigt, und welches sich wegen der Grösse und dem Preis besser für den "Einbau" irgendwo eignet, dafür aber nicht so komfortabel zu bedienen/programmieren ist.

    Kommentare

    Die Kosten

    Von: Mr. Mike | Datum: 06.04.2003 | #1
    Übrigens - ich sprach ja gar nicht über die Kosten...

    Sowohl Fischertechnik als auch Lego sind unglaublich teuer - man sollte sich schon *wirklich* damit befassen wollen, sonst lonht der Kauf nicht.

    Mein Starwars Einsteiger Droid Kit stand nach dem geilen Aufbauen fast ein Jahr auf dem Tisch, bis ich ihn via eBay verkauft habe, nach die Farbe im Staub unterzugehen drohten...

    Schade

    Von: Thyrfing | Datum: 06.04.2003 | #2
    Meine Kinder sind schon zu gross für Bastelstunden und ich habe kaum Zeit für so etwas.

    Aber da sag doch mal einer für 'nen Mac gibt's keine HighTech Anwendung...:-))

    Kann das Teilchen auch eine Eisenbahn steuern?

    auch mit Mindstorms läuft's

    Von: stst | Datum: 06.04.2003 | #3
    Lego Mindstorms lässt sich auch mit dem Mac betreiben, es gibt zwei wege:

    - die reine Lehre mit Robolab unter OS 9 inkl. USB Interface
    - die Originalsoftware Mindstorms 2.x mit VPC und ohne USB Internface, z.B. mit einem Keyspan Adapter

    Mindstorms - 3. Weg

    Von: Haiko | Datum: 07.04.2003 | #4
    Und der dritte und coolste (für Programmierer) Weg ist MacNQC, eine C-ähnliche Programmiersprache für den Mindstorm mit der man mehr aus dem Ding rausholen kann als mit den Klicki-Klacki-Oberflächen

    SERVICE USB

    Von: Martin Kallenbach | Datum: 07.04.2003 | #5
    Das oben beschriebene USB-Interface heisst SERVICE USB und ist eine Eigenentwicklung der Bönig und Kallenbach oHG. Es ist näher beschrieben unter www.bkohg.com.

    Uralt

    Von: J. Klug | Datum: 07.04.2003 | #6
    Die Fischertechnik-Interfaces von Kallenbach gab es schon für den Joystick-Eingang des Apple II und für den Appletalk-Eingang der Macs. Sie konnten mit Pascal, Hypercard, Assembler usw. programmiert werden. Waren ganz brauchbar.

    nett ;-)

    Von: Mr. Mike | Datum: 07.04.2003 | #7
    Eine sehr nette Sammlung an "alter" Hardware hast Du da!

    Wenn ich nur einen Cube/Dimension hätte... ,-)