ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1946

Warum OS X auf Intel eine Schwachsinnsidee ist

Dvorak und Kopfrechnen

Autor: kai - Datum: 28.04.2003

John Kheit hat auf MacObserver einen interessanten Artikel geschrieben in dem er Dvoraks OS X-on-Intel Artikel mal richtig weiterspinnt und einfach nur mal die Zahlen durchrechnet. Um sein derzeitiges Business beizubehalten müsste Apple somit in kürzester Zeit im schlimmsten Fall 25% Marktanteil erreichen damit sich die Sache rentiert und im idealsten Fall "nur" 10%, sie müssten zehn mal soviel OS X verkaufen wie momentan um die entgangenen Einnahmen bei der Hardware zu kompensieren. Zwei Dinge berücksichtigt John (Kheit) jedoch nicht: Erstens dass sein hypothetischer Verschlüsselungs-Dongle, der Apple ermöglicht zu kontrollieren, auf welcher Intel-Hardware ihr OS läuft wahrscheinlich schneller geknackt wäre als man schauen kann und zweitens, dass "carbonisiert" nicht bedeutet, dass man das ganze auf x86 laufen lassen kann. Cocoa sollte weitgehend problemlos sein, aber soweit ich weiss, ist gerade bei Carbon sehr viel auf PPC getrimmt dass dazu weit weit mehr als ein "simpler Recompile" nötig ist.
Nichtsdestotrotz ein lesenswerter Artikel, schade, dass Dvorak und seine Brüder im Geiste niemals soweit denken wenn sie ihre Hirngespinste zum besten geben..

P.S.: Ach ja: Guten Morgen Herr Dvorak: Dell lässt nur seine Laptops in Fernost fertigen (Taiwan, nicht China), ihre Desktops werden in Amerika von Häftlingen zusammengeschraubt! Umfangreiches Hintergrundwissen offenbart sich da, was natürlich ungemein zur Glaubwürdigkeit ihrer OSX-on-Intel Prognosen beiträgt!

P.S.2: Hier gibt's eine ungemein interessante Sezierung von John Dvorak im Allgemeinen und seinen OSX-on-Intel-Artikeln im Speziellen. Herzlichen Dank an Sören für den Link!

Kommentare

PPC ist tot.

Von: mactrix | Datum: 28.04.2003 | #1
Nun spekulieren kann man in viele Richtungen. Tatsache ist, dass man dachte die X86 Eintwicklung laufe in eine Sackgasse, weil CISC basierend und die PPC RISC Prozessoren seien überlegen. Waren sie damals, sind sie aber nicht mehr, vielleicht auch nie richtig gewesen. Unabhängig davon ist die PPC Allianz nicht mehr das was sie einmal war. Es könnte - vor allem wegen Motorolla - zu Ende gehen. Intel ist der stärkste Prozessorhersteller mit dem größten Budget für die Entwicklung und auch AMD ist weitaus innovativer als das was man vor allem von Motorolla geboten bekommt. Apple wird daher auf Intel gehen, nicht aber X86, sondern Itanium. Da ist auch nix mit hacken damit OS X auf nem Aldi Rechner läuft, denn unabhängig vom Prozessor ist da ja noch das komplette Boarddesign sowie Komponenten wie Gigaethernet, FireWire, Airport, etc.
OS X wird daher weiterhin nur auch Macs laufen und obs von nem PPC oder Itanium oder AMD angetrieben wird, ist ziemlich schnuppe. Auch das umcompilieren ist nen Kinderspiel. Das ist an nem Tag gemacht. Es ändert sich auch nichts. Alles wie vorher, nur hat man einen zuverlässigeren Chip Lieferranten. Das ist alles. Ist doch egal was unter der Haube schnurrt. Itanium? Wunderbar. Hauptsache schön schnell.

Thyl:

Von: Kai | Datum: 28.04.2003 | #2
Wenn Apple Intel-Macs baut und das ganze nicht auf "normalen" PCs läuft wie soll Apple dann noch seinen Marktanteil verbessern?
Fakt: 95% der Rechner da draussen sind x86. Solange Apple sich diese Klientel nicht erschliesst, können sie das mit der Marktanteils-Steigerung vergessen! Dell, ALDI, Lidl & Co werden immer unterm Strich (iBooks!) billiger bei der Hardware sein! Warum? Weil sie nichts selbst entwickeln!

Und dass Power970 eine "Übergangs"-CPU wäre ist wohl auch Hirnriss pervers: Warum sollte man radikal die CPU wechseln und VIELE ZIG MILLIONEN in Chipsätze und neue Boards investieren wenn man sowieso was ganz anderes plant? Im übrigen wird sich IBM sicher freuen, für Apple mit viel Aufwand eine "Übergangs-CPU" entwickelt zu haben. V.a. weil so eine "Übergangs-CPU" ja auch sicherlich unbedingt das für IBM nutzlose Altivec braucht! Dass der Power980 mit SMT und anderen feinen Features jetzt schon in IBMs Labs läuft ist ja auch völlig irrelevant! Dvorak hat da komplett einen an der Klatsche wenn ihr mich fragt wenn der solche vollkommen realitätsfernen Theorien aufstellt!

Und mactrix, OS X auf Itanium ist so ziemlich die bescheuertste Idee die ich jemals gehört habe! Itanium ist a) noch lange nix für Desktops (O-Ton Intel!), b) so radikal anders dass jeder erstmal dasteht wie der Ochs am Berg, c) realitätsfern (siehe Linus zum Thema), d) für portable Rechner auf lange lange lange lange Zeit vollkommen ungeeignet (Transistormonster! Cache!), e) vollkommen Software-los und f) viel viel viel zu teuer und aufwendig in der Herstellung.

Carbon + non-PPC = n/a

Von: Sören Kuklau | Datum: 28.04.2003 | #3
"aber soweit ich weiss, ist gerade bei Carbon sehr viel auf PPC getrimmt dass dazu weit weit mehr als ein "simpler Recompile" nötig ist."

Es gibt Carbon/CFM (Code Fragment Manager) und Carbon/Mach-O.

Der Code Fragment Manager ist eine sehr PPC-nahe Technik, die bei Mac OS Classic verwandt wurde. Unter Mac OS X wird dieser _emuliert_, was viele übersehen. Deshalb ist Carbon/CFM langsamer. Dennoch sind Office, Photoshop, etc. Carbon/CFM, denn damals galt CFM als effizient, und auf Carbon/Mach-O zu portieren, erfordert gerade bei solch großen Klötzen einen gewissen Aufwand.

Auch Mozilla wurde so z.B. erst Ende letzten Jahres auf Carbon/Mach-O komplett migriert.

Zum Dvorak-Artikel

Von: Sören Kuklau | Datum: 28.04.2003 | #4
Hier gibt es einen guten, etwas längeren Kommentar, warum das Unsinn ist, was Dvorak erzählt: http://daringfireball.net/2003/04/qwerty.html

Nun ja, ...

Von: mactrix | Datum: 29.04.2003 | #5
Hi Kai,

ich hatte das mit dem jenseits der PPCs auch immer geglaubt und ehrlich gesagt ist mir das auch ziemlich egal was in meinem Mac verbaut ist, hauptsache state-of-the-art, also nicht unbedingt der neuste wasser gekühlte X86 mit 5 GHz. Aber ich habe neulich eine sehr interessante Debatte über das Thema geführt und dabei erfahren, dass es eben kein großer Aufwand sei, den Code für Itanium umzuschreiben. Ein Klacks, ähnlich wenn man ein Update für 10.3 schreiben müsste. Witzigerweise sprach ich über einen Hersteller, dessen Programm in Carbon ist. Ich verlasse mich da gerne auf die Fakten von den mir live gegenübersitzenden Quellen. Ob es wirklich so kommt, also Mac auf Itanium, sei ja mal dahin gestellt. Aber es geht.

Zum Thema Marktanteil: Wie wird der denn berechnet? Da ist doch nicht jeder Mac-Use raufgeführt. Ich schätze mal alle zwei jahre gehen die Anteilsberechner davon aus, dass die EDV komplett erneuert wird. Ist ja auch üblich bei den Aldi PCs. Aber gut und gerne die Hälfte meiner Bekannter arbeitet noch mit beigen G3 oder G3 Powerpook Modellen und die werden sicher noch ein oder zwei jahre dran hängen. Macs halten länger - zum Leidwesen des prozentuell berechneten Marktanteils. Trotzdem gibt es mittlerweile sau viele Mac User, auch jenseits der Grafikdesigner. Die Masse ist wesentlich größer. Wenn ich bedenke dass ich vor wenigen Jahren niemanden kannte mit Mac und jetzt überall Leute Macs haben, ganz zu schweigen von der Präsenz von Apple in Media Märkten, Saturm, etc. und in der Werbung, so wie den Medien generell, mit Auftritten bei Giga, Neues, Viva, etc. und nicht zu schweigen von dem immens gewachsenem Software Angebot, auch bei Spielen, da kann das mit der unatraktiven Mac Plattform ja nicht so stimmen. Kein Vergleich zu der Zeit vor noch fünf Jahren. Alles wird besser ... jedes Jahr ein Stück.

Ein "Klacks"?

Von: Kai | Datum: 29.04.2003 | #6
Ja, ungefähr so "ein Klacks" wie ein Spiel auf die PS2 zu portieren! ;-)
Ich denke, da hat dir jemand einen Bären aufgebunden! EPIC ist radikal anders als x86 oder PPC.
Klaro, "einfach durchkompilieren" geht immer, aber der Code der dann rauskommt ist bekanntermassen weit vom Optimum entfernt! V.a. wenn Intels momentante Compiler noch weit davon entfernt sind, worauf sie mit EPIC abgezielt haben, und gerade bei EPIC zählt ja der Compiler extrem!

Lies hier:
"Last summer Len Tsai, a senior systems designer at NEC, the world's fifth-largest server maker, remarked at a conference that it would take many years for programmers to learn to write the kind of code Itanium required."

(Ignoriere bitte den Rest des Artikels und die Aussagen des Autors - der Typ hat keine Ahnung, wovon er redet!)

Apples Marktanteile

Von: Hörbie | Datum: 30.04.2003 | #7
Wenn Kai mal seine eigenen (und die der c´t) Artikel gelesen hätte, dann wäre ihm aufgefallen das Apple seine Aktivitäten im Bereich Software und Lizenzen stark verstärken möchte.

Insofern fragt sich überhaupt warum Apple unbedingt gerade Hardware bauen muss. Bei NeXT war das ja auch so, erst die propriätere Plattform und dann doch die Intel NextStep Version.

Achso, ich vergass die Geschichte zuende zu erzählen - und dann die Pleite von NeXT *gg*.