ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 1999

Microsoft lizensiert UNIX

Autor: thyl - Datum: 19.05.2003

Bekanntlich ist die (nun muss man fast sagen: ehemalige) Linux-Firma SCO nach Erwerb der Original-UNIX-Rechte (bzw. Aufkauf der gesamten Rechteinhaberin SCO durch Linux-Distributor Caldera und dann Umbenennung in; eben SCO) vor einigen Wochen ins Rampenlicht getreten, als sie erst IBM wegen Verletzung von Rechten an UNIX durch deren Engagement bei Linux verklagte und dann behauptete, in Linux seien Rechte von SCO verletzt.

Ganz offensichtlich ein verzweifelter Versuch, einem Konkurs zu entgehen, indem mit rechtlichen Mitteln und nicht mit Produkten geglänzt wird. Als Patentanwalt kann ich das natürlich nur gutheissen ;-). Psychologisch aber sicher eher nachteilig für die Verkaufszahlen des SCO-Linux in der Linux-Gemeinde.

Folgerichtig hat dann SCO den Vertrieb von Linux auch ganz eingestellt, "bis zur Klärung". Als Rechteinhaber hätten sie sich natürlich selbst eine Lizenz für den Verkauf von Linux geben können und wären aus dem Schneider gewesen, aber das wäre weder so werbewirksam noch in Übereinstimmung mit dem wahrscheinlichen Verkaufseinbruch ihres Linux gewesen.

Und jetzt kommt der neueste Schachzug: Microsoft hat eine Lizenz am Original-UNIX von SCO erworben, wie anscheinend vom Wall Street Journal berichtet (ich hab es hierher). Über Hintergründe und zeitlichen Zusammenhang kann man nur spekulieren.

Betrifft uns Apple-Anwender das? Vermutlich nicht direkt, da MacOSX auf "BSDlite" zurückgeht, eine Nachimplementierung von UNIX, aus der (hoffentlich) alle Original-Sourcen von At&T entfernt worden sind. Andererseite zeigt es das anhaltende Bemühen Microsofts, Linux zurückzudrängen, was bei Erfolg auch auf die Entwicklungsaktivitäten für MacOSX zurückschlagen dürfte, da viele MacOSX-Programme ursprüngliche Linux-Programme sind oder auch in Linux-Versionen erhältlich sind, beispielsweise das Fink-Projekt.

Hintergrund-Primer: UNIX wurde von At&T entwickelt und sie waren lange Zeit der Rechteinhaber. SCO (Santa Cruz Operation) ist ein Unternehmen gewesen, dass ein PC-UNIX entwickelt hat und teils Microsoft gehörte. Nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen landeten irgendwann die Rechte an UNIX bei SCO, denen das aber auch nicht mehr half und die dann vom Linux-Distributor Caldera aufgekauft wurden. Caldera nannte sich etwas später wieder in SCO um, vermutlich, weil der Name SCO renommierter ist.

Kommentare

Hatten die nicht eh schon eine Lizenz?

Von: q*bert | Datum: 19.05.2003 | #1
So eine Lizenz müßte Microsoft doch eh schon haben, schließlich gab es vor Urzeiten schonmal ein PC-Unix von Microsoft. Daß sie sowas ohne entsprechende Lizenz verkauft haben sollten glaube ich nicht...

@Kai

Von: Thyl | Datum: 19.05.2003 | #2
So könnte es tatsächlich gelaufen sein. Zum Glück ist 1. das Urheberrecht im Allgemeinen recht eng, d.h. dass vermutlich bereits kleinere Änderungen an den Konzepten des Source-Code reichen sollten, um aus dem Schutzbereich des Ursprungs-UNIX rauszukommen, und 2. das alles national verfolgt werden müsste; in jedem Land einzeln, was sehr aufwendig wäre. Wie es mit Patenten aussieht, weiss ich nicht, aber da UNIX schon ziemlich alt ist und AT&T die Entwicklung schon lange abgegeben hat, sind vielleicht gar nicht mehr so viel gültige Patente da.

OSI-ARtikel zur SCO-Anklage

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 20.05.2003 | #3
Hallo,

Ein Kollege hat mich gerade auf die Erwiederung derOSI (Open Source Initiative) higewiesen.
Interessant zu lesen:
http://www.opensource.org/sco-vs-ibm.html

Bis dann

R"udiger