ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2071

Unix-Trademarkstreitigkeiten: Apple vs Open Group

Autor: kai - Datum: 13.06.2003

Abseits von der SCO-Seifenoper tut sich auch was in Richtung Apple: Die Open Group, Trademarkinhaber und -verwalter des Markennamens "Unix" (es geht hier allein um den Namen, nicht was dahintersteht wie bei SCO!) und Apple werden wohl Im Februar 2004 vor Gericht ziehen. Grund: Apple verwendet auf ihrer Homepage desöfteren den Namen "Unix" (besonders scheint sich die Open Group an dieser Grafik zu stören!). Apple argumentiert, dass der Begriff "Unix" generisch sei und nicht (mehr) markenrechtlich schützbar. Die Open Group hingegen fordert von Apple, sich einer Unix-Zertifizierung zu unterziehen und max. $110.000 für das Namensrecht zu bezahlen, wie die Businessweek berichtet. Deshalb hat man Apple vor 18 Monaten verklagt und wollte sich eigentlich aussergerichtlich einigen.

Was mich jetzt ziemlich verwirrt ist das hier: "The Open Group wants Apple to have Mac OS X undergo testing to certify that it complies with its standards for software bearing the Unix name".

Soso. Kann mir dann bitte jemand erklären warum Apple auf der What is Unix?-Seite der Open Group als offizieller Unterstützer der Single-Unix-Spec gelistet ist? Soweit ich das bei einem Check auf der Wayback-Machine ersehen kann ist die erste Erwähnung von Apple dort vom 30.September 1999, lange vor OS X Veröffentlichung im März 2001 aber wiederum nach der Veröffentlichung von MacOS X Server im März 1999 (das war das ohne Aqua!). Oder ist die Zertifizierung noch von A/UX, Apples Uralt-Unix für 68k-Macs?
Aber egal welches Apple-Unix damit gemeint ist: Apple hat seinen Obulus für die Namensrechte offensichtlich (laut Open Group selbst!) schon entrichtet, nur neu zertifizieren müssten sie aktuelle OS X-Versionen eventuell nochmal..

Kommentare

Endlich kann ich kai mal korrigieren

Von: Sören Kuklau | Datum: 13.06.2003 | #1
mirror.apple.com läuft auf den Network Server series. Die haben kein A/UX (das gibt es nämlich nur für 68k, weshalb es auch eingestellt wurde), sondern AIX (von IBM). AIX hat keine System7-GUI sondern ist ein ganz normales kommerzielles UNIX wie z.B. HP/UX oder Solaris.

Okay, werd's gleich korrigieren! ;-)

Von: kai | Datum: 13.06.2003 | #2
Aber das mit der System7-GUI, das hab ich doch nirgendwo behauptet oder täusch ich mich da?

Noch ne Frage zur Klärung:

Von: kai | Datum: 13.06.2003 | #3
Die Network Server Series waren also Macs mit AIX drauf? Waren die irgendwie speziell oder nur standard-Macs mit redundanten Netzteilen?

Unix ist ein Teekesselchen.

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 13.06.2003 | #4
Hallo,

Wie ich schon vor ein gestern bei heise im Forum geschrieben habe (isdoch schön wenn man seine Kommentare recyclen kann ;-) ) :


Auch hier scheint es sinnvoll zu sein auf das
OSI-Paer zu SCo vs IBM hinzuweisen.(speziell auf:
http://www.opensource.org/sco-vs-ibm.html#id2791343)

UNIX ist nämlich mittlerweile ein Teekesselchen,
mit drei Bedeutungen:

1. Unix bezeichnet eine Familie von Betriebsystemen, die bestimmte
Eigenschaften teilen, z.B. prinzipieller Aufbau
von Kernelschnittstellen, prinzipieller Aufbau
des Userland Tools etc.
Die OSI nennt das ein family-Unix.

2. In engerem Sinn bezeichte UNIX ein
Betriebsystem das sich (über meherer
Stationen) von Ur-UNIX der Bell-Labs ableiten
lässt.
Die OSI nennt das genetic Unix.

3. UNIX ist eine System, das bestimmte
Spezifikationen des Trademarkeigner, d.h.
der OpenGroup erfüllt.
Die OSI nennt dies eine Trademark UNIX.

Nun ist Linux zum Beispiel ein family-UNIX aber nicht genetic oder tradmark UNIX.

MacOS X ist demnach wohl auch als Family
UNIX anzusehen, vielleicht auch genetic
UNIX (falls BSD als gentic UNIX gilt, wobei ich
mir da nicht sicher bin), aber nicht Trademark
UNIX.

Aus Anwendersicht ist damit MacOS X ein
UNIX, aus juristischer Sicht (da zählt wohl nur
das Trademark) nicht. Und damit sitzt Apple in
der Zwickmühle, da ihre Werbung einerseits die UNIX-Freaks erreichen und den (sorry) DAUs
Stablilität und Zuverlässigkeit (zu recht)
suggerieren soll, die zu OS X wechelen soll,
andereseits aber auch juristisch sauber sien muss.

Bis dann

R"udiger

@Kai

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 13.06.2003 | #5
Hallo,

Wenn ich mich richtig erinenre, waren die Network-Server 500 und 700 im wesentlichen PowerMacs 9500 in einem anderen Gehäuse mit
mehr Laufwerkslots, redunanter Stromversorgung etc. Sollte woll der Einstige in den richtigen "Servermarkt" werden, bzw. es hatte sich die Erkenntnis bei Apple durchgesetzt, das OS 7.5 als
Server OS nicht wirklich taugt. Daher liefen die Kisten unter AIX 4, Leider wurden sie wohl nicht angenommen und verschwanden recht schnell ohne Nachfolger.

Bis dann

R"udiger


PS: Ein Link dazu: http://www.theapplemuseum.com/index.php?id=tam&page=server&subpage=net_700&skin=specs

@ kai

Von: Sören Kuklau | Datum: 13.06.2003 | #6
" Aber das mit der System7-GUI, das hab ich doch nirgendwo behauptet oder täusch ich mich da?"

A/UX (Apple UniX) war eines der letzten "klassischen" UNIX-Systeme (also auf AT&T-Code basiert). Neben den klassischen Bootformen CLI und X11 konnte man es auch mit der klassischen Mac OS-GUI booten und gar 32-bit-System 7-Programme laufen lassen. Ganz besonders interessant ist IMHO "Commando", eine GUI für CLI-Tools wie "ls" etc. Ein guter Bericht ist bei http://www.applefritter.com/ui/aux/ zu finden.

A/UX war IMHO vieles von dem, was Mac OS X heute (etwa zehn Jahr später) erst allmählich wird: ein UNIX mit moderner GUI. Die Aktionäre sahen das leider anders - ein Port auf PPC kam nicht in Frage und A/UX musste daher sterben.

Die Network Server Series, die mirror.apple.com seit eh' und je betreiben, haben mit A/UX schon allein deshalb nichts zu tun, weil sie PowerPC-basiert waren. Vielleicht wären sie mit einem PPC-Port von A/UX erfolgreicher gewesen. Technisch waren sie für ihre Zeit gar nicht schlecht: http://www.everymac.com/systems/apple/network_server/index.html . Sie waren nur nichts Besonderes, was man nicht hätte bei Firmen wie IBM oder SUN auch kriegen können. Weil Apple auch wirklich andere Probleme hatte, als eine komplett neue Server-Produktlinie auszubauen, starb sie recht schnell.

Vielleicht kann man Xserve + Xserve RAID als losen Nachfolger sehen?

A/UX

Von: JCBone | Datum: 14.06.2003 | #7
Sagt mal... ich hab hier noch nen LC III rumstehen... hat jemand von euch noch ne Quelle, wo man A/UX zum rumspielen bekommen könnte? :-)

JCBone

Das waren richtig schöne Rechner...

Von: conjoint | Datum: 14.06.2003 | #8
Hallo,

es ist wirklich Schade, dass die NWS Linie nicht weitergeführt wurde. Optisch - immer noch - sehr ansprechende Server. Sollten diese nicht auch den PPC 620 erhalten, welcher als Serverprozessor angesetzt war? Ich kann mich nur noch an eine Präsentation der PPC Roadmap bei einer Apple Roadshow erinnern. Die gibt es leider so auch nicht mehr, die Apple Roadshow natürlich.

Sicher gibt's die Apple Roadshow noch! ;-)

Von: kai | Datum: 14.06.2003 | #9
War letztes Jahr doch selber dort!..
Mit Workshops, Buffet, Produktvorstellungen und nettem Plausch mit Holger Niederländer danach! ;-)

Sören: Danke für die Info! Wieder was dazugelernt!..

A/UX

Von: Mr. Mike | Datum: 14.06.2003 | #10
According to the comp.unix.aux FAQ (--> http://groups.google.com/groups?hl=en&lr=&ie=UTF-8&group=comp.unix.aux), A/UX 3.01 can be installed on all of the Mac II's, the SE/30, Quadra 610, 650, 700, 800, 900, 950, and some of the Centrises. Whatever machine you choose, make sure it has a PMMU (programmed memory management unit) and an FPU (floating point unit). If you want to run A/UX on a something like a Centris 610, you'll have to install a true 68040 processor first. The 68LC040 will not do.

LCIII

Von: JCBone | Datum: 14.06.2003 | #11
Der hat nen 68030 und ne FPU... Was hatten denn die MacIIs? das war doch auch kein 68040?

.

Von: Mr. Mike | Datum: 14.06.2003 | #12
Das ist richtig, die Iier waren 68020/8030 basiert.

Es sollte gehen, aber ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, weil der LCIII ein anderes "chipset" verwendet, aber versuchen würd ichs mal!

Kann Dir nur leider nicht mit einer A7UX Kopie weiterhelfen, ich denke das ist trotz dem Alter noch nicht gratis.

übrigens, e wenele software dazu: http://www.nleymann.de/appleAUX/

doch ned sorry

Von: Mr. Mike | Datum: 14.06.2003 | #13
http://groups.google.com/groups?q=LCIII+A/UX&hl=en&lr=&ie=UTF-8&selm=265qld%2443r%40nwfocus.wa.com&rnum=2

"(...)A/UX won't run on the LCIII at all,
regardless of whether you add a math chip. A/UX requires
hardware-specific drivers, so every new machine requires special support
for A/UX to run on it. The LC machines, including the LCIII, are not
supported so A/UX won't run on them in any way, shape, or form. The
same goes for all the Classics, PowerBooks, Duos, and the new AV
machines."

Ich habs nur auf einem SE/30, IIci und einem MacIIfx selber erprobt...

Ooooch.

Von: JCBone | Datum: 14.06.2003 | #14
Schade. die kiste würd ich ja gerne nochmal mit was witzigem bestücken. Nur leider sind die verschiedenen netBSDs und Linuxe auf der Kiste wohl nicht so fähig... kein Sound, B/W...

@kai

Von: conjoint | Datum: 14.06.2003 | #15
Hmm,

hab ich hier in der Gegend leider nicht gesehen. Muss ich mal wieder darauf achten. Danke.

@kai

Von: at | Datum: 14.06.2003 | #16
> Die Network Server Series waren also Macs mit AIX drauf? Waren die irgendwie speziell oder nur standard-Macs mit redundanten Netzteilen?

Da AIX auf der RS/6000-Plattform von IBM zuhause ist und eben diese auch auf PPC/Power-Prozessoren basiert, liegt es nahe, dass es keine Macs, sondern verkleidete RS/6000-Rechner waren. Inzwischen hat IBM die Plattform in "eServer pSeries" umbenannt, außerdem gibt es nicht die Inellistation Power auf gleicher Basis.

NFS waren PPC 9500

Von: Mister Mike | Datum: 15.06.2003 | #17
Die NFS Rechner waren 9500er, die man etwas erweitert hat, um einem Server eher gerecht zu werden.

Aber die zugrundeliegende Elektronik ist die des PowerMac 9500. Aber der war ja auch nicht von schlechten Eltern damals.