ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2125

Das Sterben der Dual-x86 Mainboards?

Klappts nicht, Leute?

Autor: thyl - Datum: 27.06.2003

Während beim Mac Dual-CPU-Systeme dank Mach-Kernel einfach nur funktionieren und sich bei den Anwendern großer Beliebtheit erfreuen, scheint es auf der x86 Seite etwas anders auszusehen, wie ich durch Zufall herausgefunden habe...
als ich gewohnheitsmäßig zu Zwecken des Preisvergleichs ein mit den neuen PowerMac G5 vergleichbares x86 Gerät (mit zwei AMD Athlon MP 2600+) zusammenstellen wollte (der übrigens nicht schlecht für Apple ausfiel, wenn man als Vergleichssystem OPENSTEP mit einem vormaligen Preis von 500 € ansetzt) und bei meiner üblichen Referenz, dem Versender "Alternate" nicht wirklich fündig wurde. Ich habe daher ältere c't Hefte durchsucht und folgende Statistik aufgestellt:

c't Ausgabe Zahl der bei Alternate gelisteten Dual-Boards
1/2002 19
14/2002 10
26/2002 9
13/2003 6

Bei der von mir zuerst angesehenen c't, 9/2003, waren es sogar nur 2 Dual-Boards. Die früheren Dual-Systeme basierten meist auf dem mittlerweile veralteten Pentium 3-Prozessor; aber es gibt durchaus noch aktuelle Chipsätze für Dual-Boards mit Athlon MP- und Pentium 4 Xeon-CPUs. Wieso werden diese nicht angeboten? Einen prominenten Hersteller von Dual-Boards, Tyan, hat Alternate ganz ausgelistet. Wieso gibt es anscheinend keine Nachfrage? Funktioniert die Dual-Technik bei x86 nicht und hat sich dies mittlerweile herumgesprochen? Oder sind die x86-Anwender zufrieden mit einer CPU (bzw. gleich unzufrieden mit einer und mit zwei ;-)? Oder liegts am Betriebssystem? Merkwürdig....

Bei der jetzt vorhandenen Systembandbreite könnte ich mir übrigens durchaus auch Quad-Prozessor-G5s vorstellen. Genug Luft also nach oben, egal was intel/AMD machen.

Kommentare

Hä ?

Von: Tiamat | Datum: 27.06.2003 | #1
Auf der Alternate Page gibts doch Dual Boards ohne Ende ?

Stimmt, mysteriös

Von: Thyl | Datum: 27.06.2003 | #2
Auf der Website von Alternate gibt es tatsächlich eine ganze Menge Dual-Mainboards, auch noch die von Tyan, und viele von intel. Da ich davon ausgehe, dass Alternate in der gedruckten Ausgabe der Werbung die meistgefragten Produkte auflistet, ändert das allerdings meines Erachtens nichts an meiner Aussage. Die Dinger scheinen nicht so reissend verkauft zu werden.

Das Problem ist der Preis

Von: EuliX | Datum: 27.06.2003 | #3
Da an 'normalen' Arbeitsplätzen in Firmen die Leistung nicht erforderlich ist, und die Dual Boards bei den privaten Gamern für den Preisaufschlag zu wenig (viel weiniger als eine gute GK zum selben Preis) bringen, sind die Dual Systeme in der x86 Welt fast nur bei den Servern vertreten, und die machen halt nur einen kleinen Prozentsatz aus.

Bei Apples Klientel, in Grafik, Musik, Video und anverwandten Bereichen macht sich das Mehr an Leistung eben stärker positiv bemerkbar und die Preisaufschläge sind nicht so extrem.

Ich denke das wird der (vermutlich einzige) Grund sein.

Gruß EuliX

Xeon-Preise

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 27.06.2003 | #4
Hallo,

Ich denke, dass liegt eher an den Preise und der Verfügbarkeit der DP-Xeons.

Der PIII war noch von Hause aus Dual-fähig. Damit könnte man mit ein und demselben Proz Single und Dual-Boards bestücken. Somit blieben nur die Mehrkosten für die Borads und AFAIK waren viele der Chipsätze (z.B. Intel legendärer BX-Chipsatz) Dualfähig. Damit hielten sich die Mehrkosten für Dual-Kisten im Rahmen.

Der P4 war nun von hause aus nicht Dual fähig, dafür gab es dann zwei verschiedene Xeons, nämlich den "normalen" Xeon, der nur Dual-Betrieb zulässt und den Xeon-MP.

Nun hinkten die Xeons der Entwicklung der P4
lange Zeit hinterher, d.h. es gan sie nur mit deutlich weniger Takt, Verbesserungen des CPU-Cores gab es erst später und sie waren vor allem Anfangs deutlich teurer und AFAIK sind die Brot-und Butter-Chipsätze nicht Dual-fähig.
Damit ist der Mehraufwand (technisch und finaziell) für ein Dualsystem deutlich größer als er beim PIII war. Und so sind auch Dual-CPU-KIsten unattraktiver, als noch zu Zeiten des PIII.

Insofern dürfte der Dual-CPU-Workstation markt kleiner werden und auch bei kleinen Server, die man früher mit Dual-CPU gebaut hat, überlegt man wieder ob es nicht auch ein Single tut.


Bis dann

R"udiger

Mac Dual-CPU einfach nur funktionieren...

Von: Sandmann | Datum: 27.06.2003 | #5
..naja, gewagte Aussage. Tatsache ist das die wenigen Mac Dual Systeme die Leistung nicht voll ausnutzen können. Dies gilt lediglich für einzelne Prozesse.

Also mal lieber nicht zu früh lachen...

"Funktionieren":

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 27.06.2003 | #6
Ein Bekannter, der viele PCs zusammenbaut hat mir letztens erzählt, dass er mit den Dual-Channel-DDR P4s sehr viel Stress hat! Instabilitäten, Inkompatibilitäten und den ganzen Kram, den man von PCs halt so kennt..

Scheint alles nicht so doll zu laufen da wie man (auf dem Papier!) immer den Eindruck kriegt!

Unterschiede:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 27.06.2003 | #7
Dual-Xeon haben 3 Nachteile was SMP angeht:
1) Sie teilen sich den Bus
2) Sie können nur 2 Speicherzugriffe gleichzeitig machen. Wenn ein dritter kommt ist der Bus belegt bis einer von beiden abgearbeitet ist.
3) Keine L3-Caches

Beim G4 ist das mit den Speicherzugriffen viel besser, das braucht dann allerdings auch Optimierung, um es richtig zu nutzen. Siehe Adobe-SMP-Performance vs Combustion, FCP o.ä.! Faktor 1.1 gegen Faktor 1.8!
Die G4 haben den grossen Nachteil des superdünnen FSB, den sie sich wie der Xeon auch teilen müssen (der Xeon hat allerdings einen fast 5 mal so schnellen FSB! 1.3GByte/s vs 6.4Gbyte/s!), allerdings haben sie auch 2MB DDR-L3-Cache pro CPU, das bringt einiges weil es viele Bus-Zugriffe überflüssig macht!

Beim G5 sieht das anders aus, der hat zwar auch keinen L3-Cache wie der Xeon, aber da teilen sich die CPUs den Bus nicht, und der Bus ist auch noch dicker! Ich weiss noch nicht, wieviele Speicherzugriffe der G5 handhaben kann, aber ich denke mal, es wird eher in G4-Regionen sein als die mageren 2 des Xeon!

Der Athlon hat dieselbe Point-to-point-Verbindung wie ein G5 und kann auch viele Speicherzugriffe handhaben, weswegen Dual-Athlons Dual Xeons in der Performance eigentlich im Regen stehen lassen sollten, tun sie aber scheinbar nicht, die beiden sind in Tests meist relativ gleichauf! Das liegt wahrscheinlich daran, dass Dual-Code auf x86 in den allermeisten Fällen auf Intel-CPUs optimiert ist und den Point-to-Point-"Bus" und die besseren Speicher-Requests des Athlon nicht wirklich nutzt!
Ich hab nie verstanden, warum AMD nicht selber Compiler-Entwicklung forciert hat um zu zeigen, wie ihre CPUs abgehen können wenn sie mal richtig gefüttert werden! ;-)
Aber mal sehen, vielleicht tut sich da ja jetzt was mit dem Opteron, wenn Intel den Lowcost-64bit-Markt wirklich ignoriert!..

Ehrlich gesagt wundert mich, wie gut ein Dual-Xeon unter vielen Anwendungen performt, denn man kriegt sicher Hirntumore, wenn man auf Assembler-Ebene auf Dual-Intel optimieren muss! ;-) Vielleicht machen da aber ja auch Intels Compiler schon ne Menge!
Auf dem G5 wird das vergleichsweise supereinfach sein, denn keine CPU kann die andere wirklich ausbremsen wenn der Code Multithreaded ist! Simples Multithreading sollte eigentlich ausreichen um einen sehr guten SMP-Faktor zu kriegen!