ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2140

Ein spätes Opfer einer Apple-Einkaufstour?

Casady & Greene am Ende

Autor: flo - Datum: 01.07.2003

Wie heute auf Macnews zu lesen ist, gibt die amerikanische Mac-Softwareschmiede Casady & Greene zum 3. Juli nach 19 Jahren das Geschäft auf. In den letzten drei Jahren, so auf der Homepage zu lesen, sei das Geschäft zu schlecht gelaufen. C&G vertrieb in erster Linie kleine, unspektakuläre Helferlein als Shareware, die wohl zu wenige wirklich als kaufenswert empfanden. Bevor sich nun ein jeder fragt: Was hat denn der mit seiner Firma, wer ist denn das überhaupt? "ConflictCatcher" ist vielleicht so manchem eingefleischten OS9-User noch ein Begriff. Die weitaus erfolgreichste Software des Hauses war aber ohne Frage SoundJam MP, seines Zeichens der "Vater" von Apples bester iApp "iTunes". Die Entwickler waren seinerzeit eingekauft worden um rund ein halbes Jahr später, Anfang 2001, iTunes 1.0 zu präsentieren. Das letzte Update für SoundJam gab es im Sommer 2000 - vor just drei Jahren... Vielleicht kommt also der Hinweis auf die "schlechten letzten drei Jahre" bei C&G nicht von ungefähr. Ohne jetzt den Finger heben oder Schlussfolgerungen über die tatsächlichen Gründe der Pleite ziehen zu wollen, werden sich jene, die den Aufkauf kleiner Softwareschmieden (respektive das Abwerben der Chef-Entwickler) durch die "Großen" der Branche schon immer kritisch beäugt haben, ihren Teil denken.

Kommentare

kein Wunder

Von: McNeely | Datum: 01.07.2003 | #1
Mich wundert das nicht, ich benutze nun seit langen TimeSlice und seit Maui-Soft das Teil an C&G abgetreten hat habe ich nur Probleme mit dem Teil, schlechter Support (Ich konnte die ersten OSX Version mehr als ein Jahr nicht brauchen - lief einfach nicht) dann das chaos mit den Serial-Nummen und die abartige Preisgestaltung welche echt der Hammer war (bei TimeSlice).

Schade um SoundJam

Von: Armin | Datum: 01.07.2003 | #2
Ich hatte mir SoundJam noch lange als Alternative zu iTunes gewünscht, da dieses nicht auf älteren Systemen läuft. SoundJam spielt auch auf meinem uralten PowerMac 6100/60 mit OS 8 noch anstandslos mp3! Außerdem gabs dort ein paar Features, die ich mir heute noch in iTunes wünsche, z.B. hierarchische Playlisten.

Das Apple Hersteller Sterben geht weiter...

Von: deadoralive | Datum: 01.07.2003 | #3
Schade, wieder ein Entwickler und Hersteller für die Apple Plattform weniger.

Ich denke dies wirft ein düsteres Licht auf die Apple Plattform und läßt sehr unzweifelhaft erkennen dass es sich kaum noch rentiert für die Apple Plattform zu entwickeln.

Wundert auch wenig wenn man bedenkt, das Apple immer mehr Tools und Programme selber in die Hand nimmt und kostenlos an die Kunden weitergibt. So wird es für viele Hersteller sehr schwer die Features zu toppen für die der geneigte Nutzer bereit ist ein Mehrgeld auszugeben.

iTunes, iMovie, iPhoto aber auch kommerzielle Programme wie FinalCut LE / Pro etc. sind das beste Beispiel hierfür.

Hoffen wir das sich das zukünftig bessert, die Hoffungen sehen aber eher düster aus...schade !

Was anderes

Von: Locutus v.Borg | Datum: 01.07.2003 | #4
he leute......
war es nicht so, das eigentlich atari damals den ersten 64bit falcon rausgebracht hatte? und auch die console namens- jaguar. jetzt weiss ich endlich wo die crew von atari abgeblieben ist!!!

deadoralive...

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 01.07.2003 | #5
Na, so ist's wohl sicher nicht. Wenn man sich die Tools von C&G ansieht und die Preisgestaltung... Von ungefähr kommt's Ende nicht. Sie hatten nun mal ein (mit ConflictCatcher zwei, aber ein OS9-Tool ist nun mal zum Sterben verurteilt) Zugpferd und dann kam nichts mehr.

Wie man an Sherlock/Watson sieht, können Dritthersteller durchaus neben den Apple-Produkten bestehen. Auch diverse MP3-Player oder -Tools (MP3Rage) halten sich ja gut und zeichnen sich oft durch eine schlankere Programmierung oder einen größeren Funktionsumfang aus.

Die Übernahme der SJMP-Entwickler durch Apple war ja noch human gegen andere Beispiele in der Softwarewelt........ wo weder Unternehmen noch Software danach weiterlebten.

XServe mit 4 x 60 GB in eBay ab 1,- EUR

Von: deadoralive | Datum: 01.07.2003 | #6
Apropos Apple.

In eBay gibt es zur Zeit ein XServe Special ab 1 EUR,

Für alle die es interessiert...


[Link]

Nicht schön

Von: Murdock | Datum: 01.07.2003 | #7
@deadoralive
So etwas gehört vieleicht noch ins Forum, aber nicht als News-Kommentar! Da kann jeder kommen und für seine Auktionen werben und bald heißt es dann: MacGuardians - Guarding the Mac - Shop of the Community

Warum nur

Von: kick-ass online | Datum: 01.07.2003 | #8
warum fällt der Aktienkurs von Apple so rapide……Wer weiss die Antwort, wer kennt die Fragen? Wo doch alles so gut sich entwickelt.

Casady & Greene - Entwickler?

Von: Kilian | Datum: 01.07.2003 | #9
Also, so wie ich das mitgekriegt hatte, waren C&G nur Distributoren, die die Software halt verkauften, die anderswo entwickelt wurde.

Und seit Jahren haben sie nicht ein Angebot für OS X.

Typischer Fall von Dinosaurier. Good riddance!

@flo

Von: deadoralive | Datum: 01.07.2003 | #10
Naja, ich sehe das etwas anders Floh.

Ich kann mich noch sehr gut an diverse Shareware Entwickler erinnern, die völlig frustriert das Handtuch geworfen haben.
Ich glaube gerade letzte Woche Stand bei Onkel Heise mal wieder ein entsprechendes (trauriges) Posting.

Ich denke es ist immer sehr einfach als unbeteiligter Externen seine klugen Kommentare abzugeben. Aber die Praxis sieht doch offensichtlich oft weniger rosig aus als es so mancher meint.

Aber jedem der so klug spricht bleibt es offen es selber besser zu machen :-)

Kilian

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 01.07.2003 | #11
Zumindest was SoundJam MP angeht, saßen die Entwickler direkt bei C&G oder waren sogar die Leute, die C&G ausmachten.

Wie ich es verstanden habe, bot C&G Entwicklern sozusagen die "Infrastruktur". Ob man nun die Entwickler als "zu C&G gehörig" oder als "im Namen von C&G entwicklend" schimpft, ist daher mehr oder minder egal.

Wie auch immer, eigentlich sollte der Artikel als Nachruf auf die Firma verstanden werden, die uns mehr oder minder iTunes beschert hat.

Ich versteh den Vorwurf an Apple nicht ...

Von: gradus | Datum: 01.07.2003 | #12
... was hat denn Apple zur C&G-Insolvenz beigetragen? Die haben das Überleben der Firma durch den SoundJam-Einkauf wahrscheinlich eher verlängert als verkürzt - schließlich kam damit eine (unbekannte) Menge Geld in die Kasse. Die andern C&G-Programme waren einfach zu schäbig, um damit länger am Markt zu bleiben. Ich hab mir zu OS 9-Zeiten in meiner Blödheit ConflictCatcher gekauft, ein maßlos überschätztes, stupides, unsinnig teures Programm, das mir nicht ein einziges Mal bei der Fehlersuche behilflich war (Neustart - "Ist der Fehler jetzt weg: Ja / nein /weiß nicht" - Neustart - "Und jetzt?"), sondern immer nur selber Systemkonflikte verursacht hat.
Dieser Mythos, dass Apple alle Programmierer platt macht, hat sich bisher eigentlich nie bestätigt. Welchen iMovie-Konkurrenten haben sie denn aus dem Geschäft gedrängt? Keinen, weil es keinen gab. Statt dessen hat sich um ihr Programm eine richtige kleine Shareware-Industrie gebildet (Ezedia et al.). Ok, Apple hat mit FinalCutPro und Shake diese arme Ein-Mann-Firma, die hinter Premiere und AfterEffects steht, um Marktanteile beklaut - aber das ist momentan das einzige Beispiel, das mir einfällt. :)

SoundJam/CC war nicht das einzige von C&G

Von: AppleRedX | Datum: 01.07.2003 | #13
Spell Catcher und Grammarian waren ebenfalls Top Programme von C&G ... die OSX Version von Spell Catcher benutze ich heute noch.

AppleRedX

Nicht zu vergessen:

Von: at | Datum: 01.07.2003 | #14
C&G war der erste Anbieter von Postscript-Fonts -- noch vor Adobe.

SoundJam = Father of iTunes - Also antreten zum Gebet!

Von: Hagen | Datum: 02.07.2003 | #15
Moin moin,
also mir tut es immer weh, wenn eine Firma mit einem
guten Konzept kaputt geht, weil ein Grosskonzern ihr
bestes Knowhow auf- oder wegkauft. Der Grosskonzern
ist in diesem Fall Apple - und ehrlich - so sehr ich Apple
seinen Erfolg mit iTunes wünsche, Soundjam war und
ist das schlankere und "mächtigere" Programm im Vgl.
mit iTunes, dessen einziger Vorteil ist, dass man damit
in USA Musik online kaufen kann. Mich hat der Kauf von
SoundJam, bzw. seinen Entwicklern auch deshalb so
berührt, weil ich das gleiche bereits mit Xing erleben
musste. Wie vielleicht keiner weiss, hat Real Xing auf-
gekauft und damit einen der schlankesten Mp3-encoder
aufgekauft, der am Markt war, ohne die wäre Real
Mp3-mässig kastriert, genauso wie Apple ohne Soundjam
Mp3-mässig kastriert wäre.
Nur leider habe ich für beide Programme Geld (ca. 60 $)
gezahlt und bisher keine kostenlose Upgrade-Möglichkeit
der beiden "Multimedia-Spezialisten" erhalten.
Soundjam läuft auf einem PowerBook 5300, dagegen ist
iTunes das XP der Mac-MP3-Encoder, viel Optik, aber
kaum Fortschritt und riesen Hardwareanforderungen.
Beide Programme laufen auf MacOS 8.1, was im Vgl. mit
den heutigen Real- und Apple-Programmen schon als
unglaubliche technologische Innovation gelten muss.
Boa ey, so schlank?! Und die können das alles auch?
Wie beschissen es um die Innovationen der IT-Branche
Branche bestellt ist, sieht man doch wohl daran, dass
Apple, - als "Innovator" schechthin -, eben mit keiner
Eigenentwicklung, sondern mit dem aufgekauften
Produkt SoundJam als "Innovator" gilt. Da ich mir mit
meinem Erbrochenem nicht die Hose vollkleckern will,
erspare ich mir die Erwähnung dieses anderen Betriebs-
systems, dessen Name mir gerade nicht einfällt.
(You don´t link to it? - I don´t think of it!)
Und wer motzt hier über Conflict-Cacher ab? Das Teil
hat zwar auch Geld gekostet, aber konnte jahrelang
mehr, als dieses bräsige "Erweiterungen Ein/Aus"-
Kontrollfeld von Apple. Ich würde sagen, dass Apple
dies zwar nicht gekauft hat, aber wenigstens die Ver-
nunft besass, die Funktionalität von Conflict Catcher
abzukupfern und in "Erweiterungen Ein/Aus" rudi-
mentär zu integrieren.
Wer war also hier der Innovator?
Von Spell Catcher, von dem hier auch schon die Rede
war, ganz zu schweigen...
Es mag ja sein, dass Cassady & Greene den Sprung zu
OSX nicht gepackt haben.
Aber allen Bräso-Kids, die meinen, weil Sie sich einen
G4 (bald G5) gekauft haben, alle anderen, die "dat
nich können", als rückständige Idioten ansehen zu
müssen, sein gesagt, dass "ihre" Technologie nur "oben"
ist, weil sie auf den Schultern von Riesen steht.
Einer davon ist gerade gestorben.

- Schweigeminute -

Ich hoffe derweil auf ein Simple-Text, das einen G7
mit 15 GHz zum Starten braucht.

Gute Nacht

Hagen
braucht.