ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2178

iTunes Music Store vs. PhonoLine

... bis einer am Boden liegt

Autor: lars - Datum: 13.07.2003

Die deutsche Musikindustrie hatte einen Traum: Ein gemeinsames Musikportal an dem alle Labels gleichermassen verdienen. Tatsächlich kommt aber eher die bittere Wahrheit ans Tageslicht. Die grossen der Branche, die immer wieder andere Gründe für die Misere in der Branche verantwortlich machen, schaffen es angeblich nicht sich auf einen technischen Dienstleister zu einigen. Universal beharrt, bei der technischen Umsetzung auf seinen Popfile-Partner Telekom, den anderen Majors sei das Telekom-Angebot aber zu teuer. Seit über eineinhalb Jahren schon arbeiten auch deutsche Plattenkonzerne hinter den Kulissen an dem eigenen Online-Dienst. PhonoLine, so der Projekttitel, soll das Repertoire aller deutschen Plattenfirmen, auch der unabhängigen Labels, enthalten, die Musikstücke dürfen auf CD gebrannt werden und erhältlich sind nicht nur Single-Asukopplungen sondern ganze Alben.
Möglich wird das Modellprojekt durch eine deutsche Besonderheit: Die deutschen Plattenfirmen wickeln ihren CD-Vertrieb schon seit 1991 über ein gemeinsames elektronisches Warenwirtschaftssystem ab. In der gemeinsam betriebenen Phononet GmbH ist bereits das Repertoire von 120 Plattenfirmen gesammelt, das von 500 Handelsunternehmen abgerufen werden kann.
Unter anderem geht es, so berichtet Der Spiegel, um eine prozentuale Umsatzbeteiligung des Technik-Dienstleisters in Höhe von 15 bis 20 Prozent pro verkauftem Song. Bei den voraussichtlich erzielbaren Download-Preisen von rund einem Euro würde das zu verteilende Stück vom Kuchen für Plattenfirmen, Künstler sowie Handels- oder Medienpartner auch angesichts offener GEMA-Forderungen immer kleiner. Wenn man bedenkt, dass Apple in den USA ca. ein Drittel des Kuchens bekommt, dürften die Konzerne sich über diesen geringeren Anteil eigentlich nicht ärgern.
Gleichzeitig gerät das lang diskutierte Projekt PhonoLine auch durch Mitbewerber unter Zugzwang: Neben dem voraussichtlich für Oktober geplanten Europa-Start des Apple-Stores soll der britische Anbieter OD2, der bereits bei Karstadt und MediaMarkt mit im Boot sitzt, kurz vor der Erweiterung seines eigenen Shops stehen. Angesichts der Unstimmigkeiten soll bei der nächsten Vorstandssitzung des Bundesverbands am 2. Juli die Rettung von PhonoLine als wichtigster Punkt auf der Tagesordnung stehen. Bis dahin will sich der Bundesverband - so die Auskunft auf eine entsprechende Anfrage von musikwoche - in Schweigen hüllen und auch Meldungen nicht kommentieren, die Mitgliedsfirmen schickten sich inzwischen Briefe mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und man habe deshalb die geplante "Elefantenrunde" im August auf der Popkomm abgesagt.
Ob Apple nun seinen Store auch in Deutschland starten wird ist daher weiterhin ungewiss. Wer jetzt gegenhält und mit etwas von nur 3% Marktanteil erzählt, dem sei entgegenzuhalten, dass Deutschland das zweit wichtigste Land im Muikbusiness ist.
Wie dem auch sei, wir werden die Popkomm besuchen und vielleicht gibt es dort trotzdem noch die ein oder andere Info zu ergattern.

Kommentare

Massen

Von: nothingface | Datum: 13.07.2003 | #1
-- Die deutsche Musikindustrie hatte einen Traum: Ein gemeinsames Musikportal an dem alle Labels gleichermassen verdienen. --
;)
Tja, so wie es aussieht, wird die MI allerdings diesen Weg gehen müssen und sich von dem Massenverdienst verabschieden (und ab jetzt nur noch in Maßen verdienen), oder die Leute holen sich immer mehr ihre Musik für Lau aus dem Netz... Apple machts vor, nur scheint hier das Kompetenzgerangel dafür zu sorgen, dass es weiter mit der MI bergab gehen wird...

ITMS sollte mal schleunigst nach Europa kommen

Von: AppleKing | Datum: 13.07.2003 | #2
Die MI ist ein dickes fettes Heulweib. Die verdienen sich dumm und duselig, die Leute ziehen zwar die Mucke aus dem Netz, aber warum? Meiner Meinung nach, weil das Angebot Mist ist.. Die Zeiten, wo ich mir ein ganzes Album kaufte sind vorbei, die Alben haben meistens nur noch einen Hit drauf, den Rest kann man in den Müll kloppen, und Single CDs sind einfach zu teuer. Ergo, ich warte auf den ITMS Europa und kaufe mir dann die Musik.

Nuff said

AppleKing

Najanaja...

Von: Schnapper | Datum: 13.07.2003 | #3
.. sind wir mal ehrlich: Hätte ich ne Quasi-Monopol-Stellung (was sagt eigentlich das Kartellamt dazu? Würden die Mineralöl-Konzerne was ähnliches aufziehen, würde das Kartellamt noch am selben Tag an die Tür der Oilnet-GmbH klopfen).. äh.. *fadenverlorenhab*..ahjagenau.. hätte ich so eine Quasi-Monopolstellung, würd ich den Ar*** auch nicht aus dem Bett bekommen. Warum sollte ich einen zusätzlichen Vertriebskanal aufbauen, der mich
a) beim Einrichten Geld kostet und dann
b) meinen anderen Vertriebskanälen das Wasser abgräbt?

Warum sollte ich einzelne Songs zu Dumpingpreisen anbieten, wenn die Leute dumm genug sind, die teuren Alben-CDs im Laden zu kaufen, auch wenn ihnen nur ein Lied gefällt?

Und nun kommen die Apfels aus Amerika plötzlich an und sagen: Ei gugge mal da, wir machen nen Shop online. Is voll einfach und voll beliebt. Da rollt der Rubel und kullert der Euro. Just think different.

Und anstatt zu sagen: "Hey, das nimmt uns ne Menge Probleme, wir brauchen keine eigene Infrastruktur mehr, müssen uns um nix sorgen, wo müssen wir unterschreiben?", zieren die sich wie die Jungfrau beim ersten Mal.

Ich meine.. wo ist da das Problem in Deutschland gewesen? Diese Phononet GmbH hätte einfach nur Kopfnicken müssen und der ITMS wär in Deutschland online gegangen. Aber das wär wohl zu einfach gewesen....

@schnapper

Von: Zaggo | Datum: 13.07.2003 | #4
"Aber das wär wohl zu einfach gewesen...."

Ja!

Land der Paragraphen

Von: Thilo Ettelt | Datum: 13.07.2003 | #5
Hier darf nix einfach sein. Wir sind doch schon ausgestoßene mit unseren Macs ;)


Gruß, Thilo

PS: DIN- vielleicht sollte man da ein paar absurde Normen hinzufügen.

Schapper:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 14.07.2003 | #6
..sagt dir "OPEC" irgendwas? ;-)