ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 219

Datenschutz ohne Hysterie

Alles mit Maß und Ziel - es gibt genug zu tun

Autor: bh - Datum: 21.05.2002

Grosse Aufregung bei Datenschützern - die EU will eine Identifikationspflicht für Wertkarten-Mobiltelefone einführen. Das vorsitzführende Spanien machte einige Vorschläge in dieser Sache, die bereits seit 1995 auf der "To do"-Liste der EU steht. Onkel Heinz Heise berichtet von bisher erfolglosen Versuchen der niederländischen Regierung, beim Kauf von Prepaid-Karten seinen Ausweis zeigen zu müssen. Der Plan scheiterte am Widerstand der Telekom-Unternehmen. Wie nun mit einem IMSI-Catcher doch eine Erfassung möglich sein soll, lesen Sie am besten im Heise Newsticker nach.
Datenschutz ist etwas schönes. Der Umstand, daß er kaum eingehalten wird, ist betrüblich. In Wiener Neustadt wurde jüngst ekannt, daß das Krankenhaus Patientendaten an das Büro der Bürgermeisterin weitergibt. Kaum liegt man ein paar Tage im Krankenhaus, schon flattern Genesungswünsche der Bürgermeisterin herein. Bemerkenswert: weitergeleitet wurde nicht nur, daß der Patient XY derzeit im Krankenhaus liegt, sondern auch die Abteilung, auf der er liegt. Sage mir jetzt niemand, daß von der Adressierung "Abteilung Gynäkologie" kein Rückschluß auf die Art der Behandlung möglich sei. Ein kleines Beispiel nur, aber eines von vielen. Wann meldet das Spital meine Daten dem Arbeitgeber? Erste Schwangerschaftsuntersuchung und hopp, Entlassung? (Die Bürgermeisterin rechtfertigte sich damit, daß man das jetzt schon seit Jahrzehnten so mache und nie jemand was dabei gefunden habe... - for the times, they are a-changing, wie Bob Dylan singt.)
Fakt ist, daß der Datenschutz mit Füßen getreten wird - von Vater Staat, Mutter Kirche und den großen Unternehmen sowieso. Anlaß zu Paranoia sollte dies jedoch nicht sein: kriminelle Organisationen verwenden tatsächlich nur mehr Wertkartenhandies, und sie wissen warum. Wieso soll nun im Namen des heiligen Datenschutzes die Besserstellung der Wertkartenbenutzer zementiert werden? Wer sich ein Mobiltelefon kauft, weiß genau, daß er auf 2 Quadratmeter geortet werden kann bei eingeschaltetem Gerät. Jeder, der mit Navigationssystem fährt, sollte es wissen und auch die Verwendung einer Kreditkarte hinterläßt eine Datenspur. Es ist schade, daß die Datenschützergruppen oft übers Ziel schiessen und dem mündigen Bürger die Benutzung des Hausverstandes abnehmen wollen. Handy = ‹berwachungsmöglichkeit, natürlich im Rahmen des Rechtsstaates und so weiter und so fort. Sollte die EU tatsächlich ihre Pläne verwirklichen, sind alle Handytypen gleich gut abhörbar - so what? Der Datenschutz ist im Zeitalter der Vernetzung ein wesentliches Anlieger, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß man ohne Hysterie beobachten sollte, bevor man schreit. Wirksame Kriminalitätsbekämpfung muß trotz Datenschutz möglich sein - denn das "Recht auf Sicherheit" wird nicht ohne Grund von einigen Rechtswissenschaftlern als Grundrecht postuliert...

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