ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2255

Apple holt sich amtlichen Segen für seine Opensource-Lizenz

Und Stallman hat sogar geholfen! The times they are a-changing...

Autor: kai - Datum: 07.08.2003

Apple informiert, dass sie ihre Apple Public Source Lizenz in der Version 2.0 von der Free Software Foundation, der Instanz für Opensource Free Software absegnen haben lassen. Sie dürfen ihre Lizenz nun "Free Software License" nennen, was zwar natürlich nicht GPL-Konformität bedeutet, aber durchaus eine Adelung darstellt. Stallman selbst hat Apple bei der Nachbesserung geholfen so dass sie den Segen der FSF bekommen konnte. Hier werden die Probleme der FSF mit der alten Apple Public Source License genannt und hier ist die Stellungnahme der FSF zu Version 2.0, in der alle fundamentalen Kritikpunkte ausgeräumt wurden, nachdem Apple in 1.1 und 1.2 schon "nachgebessert" hat.

Bei der Opensource Initiative wurde die APSL 2.0 auch schon eingereicht und wird wohl bald auch da abgesegnet werden.

Dies ist ein wichtiges und sehr freudiges Ereignis, denn es bedeutet zwei Dinge:
a) Apple zeigt, dass sie es mit Opensource ernst meinen. Es ist nicht nur Augenwischerei und schöne Reden sondern Apple ist das so wichtig, dass sie sich den Segen von FSF und OSI persönlich dafür holen wollen. Hierfür sind sicherlich auch die Opensource-Entwickler verantwortlich, die mittlerweile in hochrangigen Positionen bei Apple arbeiten (z.B. Dave Hyatt oder Jordan Hubbard).
b) Stallman kommt Apple entgegen, der Mensch, der bekannt dafür ist, nicht gerade die Kooperation mit kommerziellen Firmen zu suchen um es einmal euphemistisch zu formulieren. Das ist auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. Vielleicht bedeutet das ja auch, dass all die massiven GCC-Verbesserungen an denen Apple und IBM gerade arbeiten doch endlich mal in den GCC-Tree einfliessen und nicht wieder Redhat der Vorzug gegeben wird? Linux/PPC würd's jedenfalls ausserordentlich freuen und damit auch die US Navy, die gerade 260 Xserves mit Yellow Dog Linux drauf für ihre U-Boote gekauft hat.

Kommentare

Fragen über fragen

Von: Cyrus Mobasheri | Datum: 07.08.2003 | #1
An option to distribute source only to those receiving binaries, rather than always having to distribute to the general public

Diese Option halte ich für Fragwürdig.
Ist es damit nicht möglich zu irgend einem Zeitpunkt nach jahrelanger gemeinsamer entwiklung mit der Open Source gemeinde, zu sagen so und ab jetzt gibt es die Binaries nur noch gegen soviel cash wie sich kein hoppyentwickler mehr leisten kann, und den Source gibt es jetzt auch nur in verbindung mit der Binary? Ist somit nicht Diebstahl geistigen eigentums Vorprogramiert?
Ich arbeite mit Apple zusammen, aber irgendwann bekomme ich meinen Code der von Apple Modifiziert wurde nicht mehr zu sehen, nur weil ich mir das Binary von denen nicht leisten kann? Gibt es hier einen Juristen der mich beruhigen kann?

Ist doch klar:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 07.08.2003 | #2
Der Passus soll verhindern, dass falls Apple kommerzielle Opensource-Projekte anfängt die Leute mittels der Opensource-Lizenz einfach den Source fordern, den kompilieren und so kostenlos an ein $$$ Produkt von Apple kommen!

Nur keine Panik! ;-) Stallman hätte dazu nicht seinen Segen gegeben wenn da ein Schlupfloch zum Missbrauch der Opensource-Community drin wäre!

Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass Stallmans FSF überhaupt schon mal irgendwann Nicht-GPL-Lizenzen ihren Segen erteilt hat, z.B. der von Sun? Weiss da jemand was drüber?

Komerzielle Opensource Software?

Von: Cyrus Mobasheri | Datum: 07.08.2003 | #3
Gibt es sowas schon? Ich meine Open Source Software, die aber kostet?
Wer ist denn bereit in seiner Freizeit ehrenamtlich Apple zu helfen geld zu verdienen? So sympathisch ist nicht mal mir die Apfelfirma.

Andere Lizenzen mit FSF-Segen

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 07.08.2003 | #4
Hallo,

Es gibt einige andere Lizenzen, die auch den Segen der FSF haben, z.B. die X11-Lizenz, BSD-Lizenz, OpenSSL-Lizenz, Apache-Lizenz, Mozilla-Puplic-License um nur einige zu nennen.
(siehe http://www.gnu.org/licenses/license-list.html).

Übrigens die FSF unterscheidet zwischen 'GPL-Compatible Free Software Licenses' und
'GPL-Incompatible, Free Software Licenses'. Die 'Apple Public Source License (APSL), version 2' gilt als 'GPL-Incompatible, Free Software License'.

Bis dann

R"udiger

Noch was:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 07.08.2003 | #5
Hier geht's wohl kaum um Projekte, die Apple andere aus der Community für sich entwickeln lässt bzw Projekte, die schon Opensource sind sondern eher um Projekte, die sie selbst entwickeln und dann unter die APSL stellen damit Leute dafür Plugins oder sonstige Erweiterungen/Verbesserungen schreiben können wenn sie wollen..

@Cyrus

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 07.08.2003 | #6
Hallo,

Es ist völlig O.K. mit Free Software Geld zu verdienen, nur macht es oft wenig Sinn, da du die Software auf anderen Kanälen auch für Lau bekommen kannst. Aber in bestimmten Fällen kann sogar das Sinn machen, z.B. du brauchst irgend eine Spezialsoftware und lässt diese unter einer Freien Lizenz entwickeln. Der (im Beispiel externe) Entwickler bekommt dafür seine Knete, die Firma die Software (als erste! und hat Einfluss auf die Gesaltung)
und dadurch das der Kram offen gelegt wird wird, bekommt die Firma auch noch Renomee.
Wenn es bei dieser Software dann keine Rolle spielt, ob sie auch andere nuzten, ist allen gedient.

Bis dann

R"udiger

Rüdiger:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 07.08.2003 | #7
Danke für die Info! ;-)

"The Intel Open Source License (as published by OSI) This is a Free Software license, compatible with the GNU GPL."

Wow, GPL! Weiss jemand, was genau Intel darunter veröffentlicht hat? Oder geht's da nur um die Itanic?

IBM, Netscape und Sun stehen auch drin, allerdings unter den nicht-GPL-Lizenzen..

So richtig jubeln...

Von: DrWatson | Datum: 07.08.2003 | #8
...können die (GPL-Freaks) aber nicht:

[Link]

Sie hoabn ein groasartiges Open Source!

Von: AppleKing | Datum: 07.08.2003 | #9
Arni kandidiert für den Posten des Gouverneurs von Kalifornien...

@ DrWatson

Von: Sören Kuklau | Datum: 08.08.2003 | #10
"The FSF now considers the APSL to be a free software license with three major practical problems, reminiscent of the NPL:
1 It is not a true copyleft, because it allows linking with other files which may be entirely proprietary.

2 It is unfair, since it requires you to give Apple rights to your changes which Apple will not give you for its code.

3 It is incompatible with the GPL."

1) Ohne dieses Feature könnte man die APSL nicht in OS X nutzen.

2) Man hat die Wahl. Man *muss* die APSL nur nutzen, wenn man selbst auf APSL-Projekte *aufbaut*. Sonst würde man wohl eher BSD, GPL, etc. nutzen.

3) Ich sehe nicht den Unterschied zwischen 1 und 3. Sorry.