ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2269

Jetzt rumpeln auch noch die Phonoverbände auf die Online-Bühne

Mal wieder eine Ankündigung

Autor: flo - Datum: 14.08.2003

Auf den Seiten unseres Onkels kann man heute nachlesen, dass die deutsche Musikindustrie ihren eigenen Online-Dienst im Herbst starten werde. Konkreter wird es auch diemal nicht, in Planung ist dieses Vorhaben schon lange. Immerhin ist nun die Partnerschaft mit T-Rex der T-Com in trockenen Tüchern. Allerdings darf man von den Phonoverbänden kein direktes Angebot für den Endkunden erwarten. Vielmehr bildet "Phonoline" (so der Arbeitstitel) lediglich die technische Basis, aufgrund derer dann beliebige Anbieter ein Online-Angebot aufbauen können. Die Angebots-Konditionen, die Shop-Gestaltung, selbst die Digitalisierung der Musiktitel werden von den einzelnen Anbietern übernommen. Die Bezahlung der Musiktitel soll technisch von der T-Com geregelt werden und wird wohl Zahlungen per Telefon-Rechnung, Kreditkarte, Lastschrift und "Micromoney" (eine Art Guthabenkarte) umfassen - das freut sicher alle, die bei Apple oftmals an der nötigen Kreditkarte scheitern. Nach Start des Dienstes soll eine Liste aller Anbieter unter www.musicline.de zu finden sein.

Details zu den Bedingungen, die der deutsche Phonoverband potentiellen Anbietern macht, sind selbstredend nicht bekannt. Diese werden aber ganz entscheidend dafür sein, ob attraktive Angebote möglich sein werden oder nicht. Eine weitere Einschränkung ist sicherlich, dass das Angebot "nur" bundesweit gelten wird - hier schlägt wieder die reichlich komplizierte Regelung der Musiklizenzen zu, die von Land zu Land unterschiedlich sein können und somit einem deutschen Lizenzinhaber möglicherweise den Vertrieb in anderen Ländern untersagt. Mit diesem Problem schlägt sich ja nicht nur Apple herum. Gerd Gebhard, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände erklärte, dass der "Musikvertrieb im Internet [...] einen steigenden Teil [der] zukünftigen Umsätze bilden [werde]", dass, um ökonomisch erfolgreich zu sein, jedoch noch konsequenter gegen illegale Angebote vorgegangen werden müsse.

Kommentare

ist das jetzt gut oder Schlecht für Apple?

Von: Cyrus Mobasheri | Datum: 14.08.2003 | #1
Also wenn ich das richtig verstehe erleichtert das die Arbeit von Apple, einen Deutschen Musicstore zu gründen, erleichtert es aber auch der Konkurenz.
Außerdem wird Apple nur profitieren wenn sie keine Europaweite Lösung anstreben sondern eine Länderspezifische. Und das glaub ich eher weniger, Also im Endeffekt wohl doch eher Schlecht für Apple, weil sie nicht profitieren aber nationale Konkurenz schon. Sehe ich das richtig? Wenigstens ist der Service bei T-Online, sonst wäre es schwer nach Ice-T zu suchen weil dessen T ja beschlagnamt ist. ;-)

Apple wird nur wenig tangiert

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 14.08.2003 | #2
Die Technik on Phonoline sieht Online-Portale vor, jedoch keine Einbindung in eine Applikation. Ob die Bedingungen der Phonoverbände denen Apples entsprechen, würde ich auch bezweifeln. Ich glaube, die Phonoverbände liefern mit ihrer Lösung "mehr" als Apple benötigt. Apple braucht nur die Lizenz, keine technische Basis - sie stellen sie ja selber. Und letztendlich wird Apple eine einheitliche, europäische Lösung anstreben, und nicht in DE Lizenzen nach diesen, in A nach diesen und in Spanien nach gaz anderen Bedingungen erwerben - das würde ein einheitliches Angebot für die Endanwender kaum ermöglichen. Ob es umgekehrt nun für Apple schwieriger wird... glaube ich nicht. Denn richtig ist - denke ich - dass das Angebot der Phonoverbände - wenn die Bedingungen ok sind - es Anbietern erleichtert, ein Musik-Download-Angebot zu realisieren. Je mehr Anbieter, desto mehr verdienen die Phonoverbände. Dann könnne sie auch eher Apple entgegenkommen, da sie ja noch diese andere "Einkommenssäule" haben - so optimistisch will ich mal sein ;)

was für ein Interesse

Von: dido | Datum: 14.08.2003 | #3
hätte die MI - nach dem Launch ihres eigenen Online-Dienstes - zusätzlich an einen potentiellen Mitbewerber (itms/apple)) zu lizensieren?

vielleicht kein Interesse?!
worst case: zunächst muss wohl dieser MI eigene Dienst seinen Misserfolg akzeptieren. dann geht es mit dem rechteverhandeln weiter.

@dido

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 14.08.2003 | #4
Apples iTMs ist nicht wirklich ein Konkurrent für Phonoline. Nochmal: Phonoline stellt lediglich eine technische Basis dar, auf der ein potentieller Anbieter von Musik-Downloads aufbauen kann. Die deutsche MI bietet hier also die Lizenz und darüber hinaus noch eine Art "Bausatz" für ein Musik-Portal... (so in etwa).

Apple dagegen will europaweit Lizenzen haben. Pro Song, das wissen wir aus den USA, gehen rund zwei Drittel direkt an die Labels - Apple als Kunde kann also nur ein Zusatzgeschäft sein, jedoch kein Konkurrent. Ob das Geld nun durch den iTMs kommt oder durch Portal XY - das kann der MI total egal sein.

Einziger Punkt könnte sein, dass die MI den Phonoline-Kunden viel schärfere DRM-Maßnahmen vorschreibt - *das* ist der Punkt, um den sich alles dreht. Aber Konkurrenten in dem Sinne sind Apple und Phonoline nicht.

@flo

Von: dido | Datum: 14.08.2003 | #5
verstehe. natürlich sieht die situation dann anders aus. vielen dank für die info, flo.

u.U. lohnt es sich also, den am legalen erwerb interessierten den unterschied in der technologie (bzw. die unterschiedlichen rechte an dem gekauften produkt musik) unmissverständlich darzulegen. entscheiden muss der kunde dann letztlich selber.

auf geht`s ;)

weltweite Lizenzen

Von: solaris | Datum: 14.08.2003 | #6
Ich bin der Meinung, dass der Musikvertrieb über Internet erst dann wirklich zu funktionieren beginnt, wenn die MI, die Verwertungsgesellschaften und die Anbieter begriffen haben, dass das kleinliche Getue mit den nationalen Lizenzen nichts bringt und die Musik weltweit von einem beliebigen Anbieter bezogen werden kann.
Was interessiert es mich als Kunden, ob der Store X jetzt nur für das Land Y die Lizenz hat, die Lieder zu verkaufen?? Wenn ich irgendwo ein tolles Lied finde, möchte ich dies kaufen können, ohne Rücksicht auf nationale Lizenzen!!
Dies ist nämlich ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil all der illegalen Angebote: sie sind weltweit fast uneingeschränkt zugänglich.

solaris

Lest mal das Zitat im Forum

Von: Terrania | Datum: 14.08.2003 | #7
[Link]

Da hat der sogenannte "Überflieger von Universal mal wieder Blähungen abgelassen ...