ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 228

Xserve-Konfusion zu den technischen Specs

Apple & DDR - The neverending story

Autor: kai - Datum: 17.05.2002

Frisch und erholt zurück aus Bali, dem schönsten Exil der Welt hab ich mich gleich mal drangemacht, die etwas verwirrende Sache mit dem DDR-RAM des Xserves zu hinterfragen.
Das Problem ist offensichtlich das folgende: Das von Apple verwendete MPX-Businterface erlaubt in seiner derzeitigen Form keinen DDR-RAM Transfer, und es finden sich keine Informationen dazu, dass Apple das MPX-Interface irgendwie geändert hätte!
Wenn man sich nun diese Specs auf Apples Webseite anschaut, so stechen einem zwei Sachen ins Auge: Erstens hat Apple schon wieder mal die Sache mit dem DDR-SRAM L3-Cache falsch deklariert, der wie auch beim GHz-G4 als DDR-SDRAM bezeichnet wird (auf dezente Hinweismails reagiert man bei Apple wegen einer solchen Lappalie ja nicht!), und zweitens steht bei den Prozessorspecs immer noch 133MHz FSB (ca. 1GB/s) beim Systembus, was aber wiederum die Theorie mit dem MPX-Businterface bestätigt.
Das RAM selbst ist aber unzweifelhaft DDR-RAM (2.1 GB/s), das macht die Sache etwas mysteriös! Entweder hat Apple hier wie beim L3-Cache wieder mal irgendwas falsch spezifiziert, oder es bedeutet eines der folgenden Dinge:
1) Apple hat ein System entwickelt, das die beiden Flanken, in denen DDR Daten überträgt auf die beiden 133MHz-FSB CPUs aufteilt. In diesem Falle wäre die Single-CPU-Version des Xserves dann allerdings ziemlich sinnlos mit DDR-RAM ausgestattet!
2) Apple baut auf die Busmasterfähigkeit der verwendeten Karten wie Grafikkarte, GBit-NICs und/oder SCSI-Controller, so das diese an der CPU vorbei direkt ins doppelt so schnelle RAM lesen und schreiben können.

Ich halte die Möglichkeit 2) für wahrscheinlicher, weil es bei 1) das Problem mit den Singe-CPU Xserves gibt und ein Server sowieso eher auf schnelles I/O (wie es nur Möglichkeit 2) bietet) ausgelegt ist. Denkbar ist auch eine Kombination aus beiden Möglichkeiten.

Es besteht weiterhin die Möglickeit, dass Apple schlicht und einfach übersehen hat, dass bei DDR in beiden Flanken übertragen wird, d.h. bei DDR-Systemen läuft der Bus effektiv immer mit "halbem Takt", aber es wird eigentlich immer bei der Angabe der Specs diese Tatsache "verrechnet" (so wie's Apple ja auch mit dem 266MHz DDR-RAM oder dem 500 MHz L3-DDR-Cache macht!). Hier wäre dann allerdings immer noch der Haken mit dem MPX-Interface!

Was bedeutet das für die Performance? Gesetzt Möglichkeit 2) ist die zutreffende: Es sind gute Werte bei 3D-Performance zu erwarten, weil der AGP-Transfer schon immer CPU-unabhängig direkt aus dem RAM passiert, Netzwerkaktionen und Zugriffe auf schnelle Plattenarrays & sonstige schnelle Datenträger sollten das Potential des DDR-RAMs auch gut ausnutzen können, lediglich in meinem Steckenpferd Cinebench (Raytracing, nicht OpenGL, da sollte er besser sein!) und anderen Numbercrunchingtätigkeiten die stark auf die CPU gehen wird sich wohl kaum ein Unterschied zu den Quicksilver GHz-G4 zeigen! Eigentlich schade drum! Vielleicht ist es ja aber auch der Mix aus Möglichkeit 1) und 2), das würde dann wiederum stark verbesserte Numbercrunchingwerte liefern! Angesichts der Tatsache, dass Apple das Ding explizit für die Mac-interessierten Wissenschaftler & für Renderfarmen für Mac-Shops positioniert (siehe auch 630-Gigaflops-in-a-rack-Gebrabbel auf der Apple-HP!), wäre dies wohl eindeutig zu begrüssen!

Mal sehen, wie das Ding letztendlich abschneidet... Schneller als jeder Quicksilver ist es auf jeden Fall, stellt sich nur die Frage wie viel schneller und in was?

P.S.: Hat eigentlich noch jemand ausser mir bemerkt, dass das Ding 66MHz 64bit-PCIs hat?? Nicht schlecht, 64bit verdoppelt eh schon die ‹bertragungsrate und 66MHz nochmal!

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