ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2386

Wenn das Titanium bröselt

TiPaint: Taugt die (teure) Farbe zur Reparatur?

Autor: flo - Datum: 23.09.2003

Auch wenn Titanium mittlerweile wieder out ist, schön war/ist die Titanium-Flunder allemal. Zumindest solange, wie die Farbe hält, was sie leider in vielen Fällen nicht allzu lange tut. Abblätternde Farbe am PowerBook kann aber auch weit mehr sein als nur ein Schönheitsfehler: Da das Gehäuse unter bestimmten Umständen (besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit) bei angeschlossenem Netzteil Strom führen kann, bekommt man an offenliegenden Stellen gerne mal "eine gewischt". Bei meinem PowerBook lag eine solche Stelle ausgerechnet im Bereich der linken Handauflagefläche (an der Kante) - der provisorische Tesafilmstreifen war da zwar hilfreich, aber einem PowerBook nicht wirklich angemessen. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und bei Cyberport die "TiPaint Professional" bestellt - immerhin knapp 20 Euro (netto) für zwei kleine Fläschchen Farbe. Der Versuch startete erst einmal damit, dass in meinem Päckchen zweimal die Farbe "Light Silver" war, "Titanium" aber fehlte. Cyberport tauschte die fehlerhafte Lieferung anstandslos (wenn auch nicht gerade ultraschnell), aber wer TiPaint bestellt, sollte vor den ersten Malversuchen genau hinsehen, ob auch wirklich beide Farben in der Packung sind. TiPaint gibt's übrigens auch einzeln, das aber nur über die TiPaint-Webseite.

Mein PowerBook hatte mehrere "Schadstellen", wobei nur die bereits erwähnte Stelle wirklich nervig war und mich zum Kauf überredete. Aber wenn man gerade dabei ist, kann man die restlichen Stellen ja auch ausbessern. Der kleine Beipackzettel erklärt alles nötige, im Kleingedruckten liest man etwa auch, dass die Farbe nicht taugt, um größere Flächen damit zu bepinseln - was "größer" ist, wird sich im Verlauf dieses Reviews zeigen. Die Sache mit dem "2-3 Minuten vor Gebrauch schütteln" sollte man durchaus ernst nehmen. Ohne diese Vorbereitung hat man entweder dickflüssiges Zeug am Pinsel kleben oder pures Lösungsmittel ;) Die angegebenen vier Stunden Trocknungszeit sind ebenfalls realisitsch. Kurz nach dem Auftragen der Farbe lässt sie sich noch sehr einfach abwischen - nützlich, wenn man über den Lackschaden hinaus gemalt hat, was mit dem doch recht großen Pinsel leicht geschieht.

Als erstes versuchte ich, eine etwas größere Stelle am Displayscharnier auszubessern (Light Silver). Kritisch dabei ist, dass die Lösungsmittel der TiPaint scheinbar recht angriffslustig sind. Dadurch weicht die Originalfarbe an den Rändern der schadhaften Stelle so auf, dass sie sich etwas aufwirft und sehr unschöne Wellen erzeugt. An diesen Stellen lässt sich die Farbe dann auch ratzfatz weiter abkratzen - aber wie schon erwähnt taugt die Ersatzfarbe ja nicht zum großflächigen Einsatz. Unten sieht man das Ergebnis nach einmaliger Anwendung, darunter nach einem zweiten Überpinseln. Der Farbton an sich stimmt ziemlich genau, nur (das kommt auf den Fotos nicht ganz so deutlich heraus) bleiben die Ränder der Schadstelle doch ziemlich deutlich sichtbar.





Immerhin: Solange man nicht genau hinsieht, sieht das Ergebnis zumindest besser aus als das blanke, dunkle Metallgehäuse darunter. Auf der Rückseite des Scharniers ein neuerlicher Test: Hier hatte sich ein noch viel größerer Bereich des Lacks verabschiedet, er hielt dort so schlecht, dass man sehr leicht noch mehr Lack abkratzen konnte. Diese Fläche war, wie man an den unteren Bildern sieht (auch hier wieder zwei "Behandlungen"), deutlich zu groß für die Farbe. Nach dem ersten Anstrich war die ausgebesserteStelle noch deutlich zu sehen, da die Farbe nicht deckend genug aufgetragen werden konnte. Nach der zweiten Anwendung ist zwar die Deckung besser, aber von einer glatten, homogenen Fläche kann nicht die Rede sein.





Die Stelle an der vorderen Kante des PowerBooks sollte der Farbe aber dann eigentlich besser liegen. Hier war durch einen Schlag nur ein kleines Stück Lack abgeplatzt. Allerdings ist an dieser Stelle der Lack reichlich dick, und auch das schien die Farbe (oder meine Fähigkeiten als Malermeister) zu übersteigen:


Man sieht immer noch deutlich die Stelle als "Einbuchtung", weil einfach nicht genug Farbe das Loch auffüllen konnte. Auch nach einer zweiten Anwendung konnte ich das Loch nicht ganz "stopfen". Ich nehme mal zu Gunsten der Farbe an, dass ein solcher Schaden von einem etwas geschickteren Maler abgedeckt werden könnte. Was aber bleibt ist die Tatsache, dass der Ton der Farbe doch etwas vom Original abweicht bzw. dass der Farbton anders wirkt, je nach dem Grund, auf dem sie aufgetragen wird. Das ist ein bisschen wie Teppichreiniger: Der macht zwar den Fleck weg (oder heller), aber den sauberen Teppich drumherum hellt er eben auch auf, so dass man um den ehemaligen Fleck einen neuen erzeugt hat.

Noch ein Test: An der rechten Ecke neben dem Laufwerkseinzug ist sowohl etwas heller (Light Silver), als auch dunkler Lack (Titanium) abgeblättert (da ist es mal draufgefallen). Die helle Stelle habe ich zweimal ausgebessert, die dunkle hingegen nur einmal. Was auf den Fotos nicht ganz genau herüberkommt ist, dass die helle ausgebesserte Stelle deutlicher sichtbar ist als es den Anschein hat. Hier kommt wieder das "Teppichreiniger-Problem" zum Tragen. Die ausgebesserte Titanium-Stelle hingegen weiß besser zu gefallen. Mir schien sowohl der Farbton als auch die Konsistenz der Farbe an sich weit besser gelungen.





Im Folgenden noch zwei sehr kleine Stellen, die ich mit der Titanium-Farbe ausgebessert habe:





Fazit: Ein begabter Malermeister bin ich nicht, die teilweise wenig überzeugenden Ergebnisse lassen sich bestimmt zu einem Teil daran festmachen. Dennoch bleibt die Leistung hinter dem zurück, was man für 20 Euro erwarten darf. Insbesondere die "Light Silver"-Farbe schien mir nicht ganz gelungen: Sie deckt nicht so gut wie "Titanium" und sie weicht den Originallack auf, der dadurch Wellen wirft. Dummerweise werden die meisten Schadstellen ausgerechnet an den hellen Stellen des Gehäuses liegen. Die "Titanium"-Farbe finde ich besser gelungen, wenn man hier noch einen feineren Pinsel einsetzt (was bei "Light Silver" natürlich auch nicht schadet), sind die ausgebesserten Stellen - sofern sie nicht zu großflächig sind - nicht mehr sichtbar. Unebenheiten lassen sich nach einigen Tipps aus Internetforen mit einem sehr feinen Schmirgelpapier auswetzen. Wer Wert auf das Äußere seines Titaniums legt und nicht zwei linke Hände hat, kann somit das Ergebnis nochmals etwas verbessern.

Zumindest bekomme ich nun keinen Stromschlag mehr verpasst, aber so weit hat mich ein Tesafilmstreifen auch schon gebracht. Zugegeben - besser als Tesafilm wirkt TiPaint schon, aber der wahre Hit ist das auch nicht, insbesondere angesichts des Preises. Der ließe sich aber durch "Rudelnutzung" stark verringern: Die Fläschchen sind zwar recht klein, aber für die kleinen Ausbesserungen verbraucht man derart wenig Farbe, dass man damit leicht und locker eine ganze Armada von PowerBooks ausbessern kann. Wer sich also in einer kleinen Gruppe die TiPaint Professional leisten möchte, könnte sogar auf seine Kosten kommen.

Kommentare

Das mit dem Strom führen ist doof...

Von: halessa | Datum: 23.09.2003 | #1
denn sonst würde ich aus dem Ti einen "DeLorean" machen - ganz ohne Farbe :)

Auftragende Farbe glatt machen:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 23.09.2003 | #2
Da gibt's doch einige Techniken, oder?
Irgendwie polieren, mit wolle oder ganz feinem schmirgelpapier oder ner politurpaste sollte eigentlich hinhauen!
Dann taugt das auch viel mehr! ;-)
Fürs Füllen der Kerbe lieber was anderes nehmen (kein Moltofill, da gibt's besseres! ;-) und dann erst drüberlackieren! Mit Farbe kann man NIE etwas auffüllen, wenn die Farbe so strukturiert wäre dass sie Fülleigenschaften hat könnte man die niemals so dünn auftragen, dass es nicht sehr sehr deutlich sichtbar eine zusätzliche Farbschicht ist!

Nett!

Von: Paso | Datum: 23.09.2003 | #3
Danke für den ausführlichen Bericht, bin ich froh, dass ich damit bei meinen PowerBooks noch überhaupt keine Probleme hatte!
So schön die ganze Titanium Geschichte auch war, der Schritt zum Albook war sicher der richtige...

--
Read fscklog
[Link]

Wo wir bei Schönheitsreparaturen sind:

Von: ElRhodeo | Datum: 23.09.2003 | #4
Hat einer von Euch eine Idee, wie man eine Delle im Alu der neuen Powerbooks rausbekommen könnte? Sie ist zwar auf der Unterseite und relativ flach, aber je nach Lichteinfall doch deutlich zu sehen.
Beim Apple-Service-Partner hat man mir gesagt, daß man das zwar mit einem Gummihammer ausbeulen könnte, aber daß die Stelle danach noch sichtbar wäre, weil Alu zu spröde ist. Der Mann hatte dann noch die Idee, die Stelle mit einer Art Saugglocke auszubeulen (wie bei Autokarosserien).
Ist einer von Euch auf dem Gebiet versiert oder hat einen Tip?

Dankeschön,
Lorenz

Modellbau-Lack

Von: Malermeister | Datum: 23.09.2003 | #5
Versuche es doch mal mit Lacken aus dem Modellbau-Bereich. Die sind wesentlich billiger und liefern, sofern der richtige Farbton, mindestens gleichwertige Ergebnisse.

Airbrush

Von: Thyl | Datum: 23.09.2003 | #6
Da ich vor einigen Wochen wieder mal an meinem Auto rumgepinselt habe (mit einem seeehr feinen Malpinsel), kann ich nur sagen, dass Lackieren einfach ziemlich schwierig ist. Bei Autos werden ja neuerdings Airbrush-Düsen eingesetzt, mit wohl sehr guten Resultaten. Der Lack muss aber dafür geeignet sein, d.h. nicht zu zähflüssig.

...

Von: Sascha77 | Datum: 23.09.2003 | #7
Lackausbesserungen mit nem Pinsel kann man immer vergessen, bei Autos sieht das auch übel aus! Aber vielleicht hilft ja ne ordentliche Politur mit Rot-Weiß-Paste oder so?

Ich bin jedenfalls froh, dass mein Tibook nach 2 Jahren immer noch aussieht wie neu! Muss man ja auch nicht ständig fallenlassen...

Gott, bin ich froh...

Von: Kilian | Datum: 23.09.2003 | #8
...daß ich mein TiBook verkauft, und mir ein 17er PB gekauft habe. Das TiBook war doch rundum ein Griff ins Klo, wenn Ihr mich fragt.

Keine beinahe verbrannten Finger mehr, wenn man mal die Oberkante der Tastatur anfasst. Kein permanentes Geheul des Lüfters. Spitzenmäßiger AirPort empfang (sogar aufm Klo ;-), kein Farbgebrösel mehr (nach einem halben Jahr nicht einmal ein Kratzer!). Und der LCD hat viel natürlicheren Kontrast als der vom TiBook (hellgrau scheint weiß, Gradationskurven sehen grauenhaft aus etc.)

Ich kann jedem nur empfehlen zum AluBook zu switchen. Aluminium rules! Welcher Mac kann schon von sich behaupten "ich war eine Dose" ;-)

Frage der sorgfalt

Von: dave | Datum: 23.09.2003 | #9
Also ich würde jedem, der sowas vorhat eine gescheite Modellbau Ausrüstung ans Herz legen.

-Papiermesser
-revell-Rotmarder P100 Pinsel (sehr dünn)
-Stück Glattleder
-vielleicht revell Farbe, die sind doch sehr gut und günstig
-Verdünner
-Tempos
-etwas dickeren Pinsel (Fuchs oder Marder) für größere Stellen

Also beim Malen sollte man vielleicht Grundieren, mit weiß oder so, weiß jetzt nich ob sich die Farbe da wesentlich verändert, aber ich denke es wär besser.
Mit dem Leder kann man Wellen schonma wegdrücken, ggf. bisschen mit Verdünner bepinseln.
Mit dem Papiermesser kann man die Stellen "sauber" machen und Farbe die über die betroffene Stelle hinausgelaufen is abkratzen, wenn diese noch feucht is einfach mit dem in Verdünner getunkten Pinsel abtragen.
Das war erstma alles, was mir dazu eingefallen ist.

dave

@ ElRhodeo: Beulendoktor

Von: derschmiegel | Datum: 23.09.2003 | #10
Vorhin kam mal wieder ein Bericht über den Beulendoktor, der kleinere Beulen (Hagel) aus Autos raus "massiert" oder zieht, ohne dass diese danach lackiert werden müssten. Geht auch bei Alu (Audi A2) und man sieht nichts mehr. Kostet ca. 80 Euro.

Übrigens: Aufgeribbelte Gummi-Oberflächen beim Pismo bekommt man prima mit "Polifac Kunstoffreiniger" unverdünnt weg.

Ich lasse reparieren...

Von: Mumbler | Datum: 23.09.2003 | #11
Hallo Leuz,
ich hatte ein PB550 welches nach ca 3?4 Jahren ein paar grössere Lackschäden zeigte.
Nein keine Uhr an und auch keine Ringe.
Das Ganze an Apfel eingesandt und mit neuem Gehäuse zurückbekommen. Applecare sei Dank.

@mumbler

Von: Cyrus Mobasheri | Datum: 23.09.2003 | #12
der Applecarevertrag ist genau auf 3 Jahre befristet keine Sekunde länger. Wenn sie es danach kostenlos repariert haben, was durchaus vorkommen kann, dann ist das nicht deinem Apple Care vertrag sondern der Kulanz der Firma zu verdanken.

Ach übrigens

Von: Cyrus Mobasheri | Datum: 23.09.2003 | #13
Ich hatte mir noch überlegt das Powerbook wegzuschicken, aber die aussicht auf Wochenlange mobile Computerabstinenz haben mich dagegenentscheiden lassen.

würstchen

Von: Bert | Datum: 23.09.2003 | #14
ja also der flo benutzt sein tibook ja auch manchmal als untersetzer für heisse würstchen...da geht natürlich mal der lack ab... ;-) gruß, bert

Vorteil eines Austausches

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 23.09.2003 | #15
Mal abgesehen davon, dass ein Austausch nicht unbedingt kostenlos sein muss und dazu das PowerBook erst mal weg ist: Inzwischen benutzt Apple anscheinend andere Gehäuse, die nicht mehr stromleitend sind. So hörte ich das zumindest in einem Forum. Ohne Gewähr.

Hö!

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 23.09.2003 | #16
tjaja, so ein PowerBook ist halt ein Gebrauchsgegenstand... Und da hab ich's halt als Untersetzer gebraucht ;)

Leitet auch die Wärme schön ab :)

gibt´s des auch für Dosen?

Von: Harald | Datum: 23.09.2003 | #17
Gibts solche Lackschaden-Ausbesserungs-Sets auch für Dells, Toshibas, IBMs oder andere Dosen oder brauchts des da net?

Strom

Von: Klaus | Datum: 23.09.2003 | #18
Das neuere Gehäuse ist nicht weniger stromleitend als das alte (es ist aber mechanisch widerstandsfähiger).
Der Unterschied liegt im Netzteil. Die letzte Ti Generation und die neueren Alus (ausser 12") wurde/werden mit 65 W Netzteilen ausgeliefert, das einen Erde-Kontakt hat. Dadurch ist das Gehäuse geerdet und man bekommt keinen Schlag mehr. Das 12" PB und die neueren iBooks werden mit einem 45 W Netzteil ausgeliefert, das nun ebenfalls einen Erde-Kontakt hat.

Netzteil

Von: mfechner | Datum: 23.09.2003 | #19
Ich weiss natürlich nicht, ob es sich inzwischen geändert hat, aber bei meinem PB12 vom April diesen Jahres wurde ein 65W Netzteil _mit_ Erdungskontakt geliefert...

Netzteil, die Zweite

Von: mfechner | Datum: 23.09.2003 | #20
Habe soeben auf apple.com nachgesehen. Klaus hat Recht, das PB12 wird jetzt mit einem 45W Ladegerät an den Mann gebracht. Da hatte ich ja Glück...

Farbe in und für Dosen

Von: Kilian | Datum: 24.09.2003 | #21
Ich glaube kaum, daß das Abblättern von Lack ein Problem für Dosenlaptops ist, weil die meisten eh aus Plastik oder Magensium sind, und da wird statt lackiert wohl gleich entsprechend gefärbter Kunststoff verwendet.

@derschmiegel

Von: ElRhodeo | Datum: 24.09.2003 | #22
Jau, da werd ich mal einen fragen (hab gerade festgestellt, daß es überall sokche Beulendoktoren gibt); ansonsten schau ich mal bei einem Schlosser rein, vielleicht hat der auch ne Ahnung.

Danke,
Lo

PC Notebook

Von: Gaspode | Datum: 26.09.2003 | #23
An meinem Thinkpad 600 (IBM) geht auch der Lack ab wo man immer mit den Fingern hinkommt.